1. Mainzer Republik: 10.1792 bis 07.1793

30.7.1792: Nach etlichen Drohgebärden und beiderseitigen Kriegserklärungen marschierte die preuß. Armee in Richtung Paris, um den franz. König Ludwig XVI zu befreien, aber ….

  • aber der Vormarsch der royalistischen Truppen geriet durch die denkwürdige  „Kanonade von Valmy“ (80 km östlich von Reims) zum Desaster, das zwangsläufig die siegreichen Revolutionstruppen enorm aufbaute.
  • Doch ein Unglück kommt selten allein. Die französischen. Revolutionäre waren kluge, taktische  Denker und clevere Strategen.  Die Preußen hatten wohl in ihrer Arroganz ganz vergessen, dass Landau eine starke französische Festung war, die man nicht ungestraft unbeachtet links liegen lässt.  Von dort startete der General Graf Adam Philipp Custine den Angriff in die fast entblößte deutsche Flanke. Ohne große Verluste fielen ihm Speyer, Frankenthal. Das zur Verteidigung eingesetzte >Bayerische Feldjäger Regiment< allein war viel zu schwach und zog sich mit geringen Verlusten hinter den Rhein zurück.

 

4.10.1792: Adam Philipp Custine besetzte Kibo

 

  • Als im September die französischen Truppen von Landau aus nach Norden vorrückten, setzte sich die junge Fürstenfamilie Friedrich Wilhelm[1] von Nassau-Weilburg mit seinem Hofstaat über den Rhein nach Norden ab. Zuerst waren sie eine kurze Zeit in Weilburg, aber Anfang November siedelte der Hof nach Hachenburg über, da die Hofschranzen sich dort sicherer fühlten. Nur der junge Fürst blieb und das war gut so. Am 10.11.1792 besetzten zwei franz. Korps Weilburg und Graf Friedrich Wilhelm präsentierte den von General Adam Philippe Custine (siehe Bild)
  • persönlich ausgestellten Freiheitsbrief. Er wollte es nicht glauben, dass die Obristen trotzdem Kontributionen sehen wollten. Die machten Druck und ließen Weilburg plündern. Dem jungen Fürsten blieb nichts anderes übrig, als zu zahlen. .

[1]) Friedrich Wilhelm wurde als 14jähriger Ende 1782 mit der Comtessa Louisa Isabella, Burggräfin zu Kirchberg verlobt. Aus diesem Anlass spendierte das Fürstenhaus Nassau-Weilburg den Armen des Amtsbezirks Kirchheim 100 Malter Getreide. Rundschreiben  XXVIII, # 49 vom 24.12.1784.

Philipp Custine übernahm am 22.10.1792  kampflos Mainz

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Die Hessen und Pälzer mussten die Besatzer versorgen, Beispiel durch die Bewohner von Albisheim

Albisheimer Versorgungsleistungen
1792 bis Ende März  93

Die Französische Armee hatte sich im Oktober 1792 in der Nordpfalz breitgemacht und ließ keinen Zweifel daran, wer Herr im Hause war. Und ihre Truppen mussten versorgt werden. Mit eindeutig klaren Befehlen verpflichteten sie unserem Falle den Albisheimer Schultheißen (Bürgermeister) Johannes Schwindt und seine Beisitzer (des Gerichts) Christian Göhring, Heinrich Groß und Engel Eschenfelder, große Mengen an Lebensmittel und Futtermittel zu organisieren und pünktlich abzuliefern. In unserem Falle sind die Leistungen der Gemeinde Albisheim vom damaligen Gemeindeschreiber exakt erfasst worden und zum Glück sind diese Aufzeichnungen auch noch vollständig erhalten geblieben. Die Listen haben u.a. die Bezeichnungen „Frohndmanual“ (Fach 35). Die Transporte übernahmen die Bauern, die ab dem Herbst und den ganzen Winter mit ihren Zugtieren arbeitslos herumsaßen. So kannten sie als Fuhrleute wertvolle Zusatzeinkommen verdienen. Aber der Nebentätigkeit konnte auch Hass auslösen, wenn die Frachtempfänger ganz einfach die Gespanne beschlagnahmten  So geschehen am 26.7.1793!

Versorgung der Garnison in Worms: Die Albisheimer Fuhrleute entnahmen das Korn für die ersten vier Versorgungsfahrten aus der herrschaftlichen Zehntscheune Albisheim. Die Fuhrleistungen wurden von der Gemeinde mit 20 X je Malter Korn honoriert. Die Albisheimer fuhren nicht allein, sondern immer in Kolonnen. Für die ersten vier Fahrten musste Albisheim allein für den Transport der 218 Malter (= je 117,876 Liter), Korn 436 Kreuzer aufbringen.

Auflistung der Fron-Leistungen

Datum Landwirt/  Malter
13.11.1792 Wohlgemuth Jacob 13,40 Malter
      Korn Metz Philipp 12,40 Malter
Hildebrand Philipp 12,40 Malter
30.11.1792 Wohlgemuth Jacob 19,60 Malter
Metz Philipp 18,60 Malter
 3.12.1792 Wohlgemuth Jacob 19,60 Malter
Hildebrand Philipp 14,40 Malter
Weigel, Valden 12,40 Malter
Stichter, Theobald 12,40 Malter
Keller Wilhelm 12,40 Malter
14.12.1792 Wohlgemuth Jacob 26,00 Malter
  Hafertransport Hildebrand Philipp 22,00 Malter
Metz Philipp 30,00 Malter

24.12.1792: an jenem Tag brachen 16 Albisheimer Fuhrleute mit Heu nach Worms auf. 12 Wagen hatten je 10 ½ Zentner und vier Wagen 10 Zentner Tierfutter geladen. Somit brachten sie an diesem Tag insgesamt 166 Zentner Heu in die Nibelungenstadt[1]. Dies musste eine lange Kolonne gewesen sein. Aber allerdings konnten sich die Fuhrleute dadurch gegenseitig helfen, wenn einer von ihnen in Schwierigkeiten kam!

Kreuznach: Am 12.12.1792 luden  Philipp Göhring und Andreas Bohlander in der Steinmühle 12 Sack Mehl auf und verpackten sie sicher gegen  Feuchtigkeit. Ein Sack Mehl wog damals etwa 100 kg.  Sie hatten drei Pferde vorgespannt und es ging ab zur zentralen Bäckerei nach Kreuznach, die  die dortigen franz. Truppen mit frischem Brot versorgte. (Die Aufzeichnungen sagen nichts über das damalige Wetter aus). Die Finanzierung des Mehlkaufes wurde nicht vermerkt. Wahrscheinlich bekam der Steinmüller sein Geld aus der Gemeindekasse.

Festung Landau: Die Gemeinde Albisheim organisierte 147 Malter Speltz (= Dinkel), die am 13.1.1793 von sechs Fuhrleuten zur Festung nach Landau gebracht wurden. Dabei waren Ludwig Emrich, Philipp Göhring, Philipp Hildebrand und Jacob Wohlgemuth. Andreas Bohlander hatte 21 Malter Speltz in Göllheim, in Dreisen 14, auf dem Gundheimerhof 21 Malter geladen. Die Unterlagen sagen nichts aus, wie viele Wagen da unterwegs waren.

Holzlieferungen: Die obigen Heulieferungen waren schon eine organisatorische Spitzenleistung gewesen. Aber die Holzlieferung in das zentrale  französische Magazin nach Alzey verlangte aber sehr viel mehr, harte Knochenarbeit. Die französische Verwaltung orderte 240 Klafter[2] Holz. Also musste die Albisheimer Gemeindeverwaltung erstmals etliche Männer verpflichten, die im Albisheimer Wald am Donnersberg viele Bäume fällen mussten, damit die verlangten 840 Ster Holz zusammenkamen. Die Unterlagen sagen nichts aus, wie viele Arbeitsstunden nötig waren, um diese große Holzmenge zu ernt

[1] ) Die Heu- Fuhrleute waren : Johannes Bürky, Jacob Damm, Peter Steuerwald, Johannes Baum, Heinrich Mann, die Merckel´sche Witwe, Georg Morgenstern, Wilhelm Keller, Wilhelm Diefenbach, Walden Weigel, Henrich Groß, Peter Damm, Jacob Brubacher, Jacob Emrich, Johannes Morgenstern, Balthar Dieffenbach.

[2]) Ein Klafter = 3,5784 Kubikmeter

 

Mainzer Republik: 22.10.1792 – 23.7.1793 von Rebekah Brand

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Die Jacobiner der Mainzer Republik bei einer Diskussion. Nach der Rückeroberung durch die Preußen ging es den Jacobinern an den Kragen

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Aquarell gemalt von Goethe

Preußen belagerten Mainz, Gemälde von G.M.Kraus

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Die Rückeroberung der Stadt/Festung Mainz geriet zu einem gesellschaftlichen Medienrummel, zu dem der sinnenfrohe preußische König Friedrich Wilhelm II. eingeladen hatte.

Alle, die Rang und Namen hatten, reisten mit ihrer “Campingausrüstung an und schlugen auf den umliegenden Hügeln ihre Zelte auf, um einen freien Blick zu haben. Der Preußenkönig hatte seine Schwiegervater den Markgrafen von Hessen-Darmstadt nebst Schwägerinnen eingeladen, der Herzog Carl August von Zweibrücken vergnügte sich mit den Prinzessinnen. Und sogar der Herzog von Mecklenburg war mit seinen beiden Töchtern angereist. Da wurde vergnüglich getafelt und geschmaust. Die anwesenden Hofmaler hielten die Siege fest und malten auch die Partygäste.. Der wortgewaltige Goethe sollte dies dann in ein Epos, Verse fassen.

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Minister Wolfgang v. Goethe beobachtete mit fürstlichen Hoheiten den kriegerischen Ablaufmainz-3

  • Goethe befand sich seit Mitte 1792 als Kriegsberichtserstatter im Gefolge des preußischen Generalmajors, des Herzogs Carl August von Weimar bei den preußischen Truppen, der 3.400 Mann Infanterie und 1.200 Mann Kavallerie kommandierte.
  • 3.6.1793 große Mittagstafel bei Herrn von Stein in Ober –Olm, süd-westlich von Mainz: „herrliches Wetter, unschätzbare Aussicht durch Szenen des Todes und Verderbens getrübt“
  • 10.6.1793: nach dem franz. Ausfallsversuch in Richtung Marienborn: „Die Sonne ging auf mit trüben Schein und die Opfer der letzten Nacht lagen nebeneinander. Unsere riesenhaften, wohlgekleideten Kürassiere machten einen wunderlichen Kontrast zu den zerlumpten Leichen der Sanssculottes. Der Tod hatte sie ohne Unterschied hingemacht“

28.6.1793; die Innenstadt von Mainz brannte bei sternheller Nacht, so schrieb der Augenzeuge Goethe

Auszug aus dem 43 seitigen Bericht: “An diesem Schauspiel konnte ich mich nicht satt sehen; denn es folgte Schuss auf Schuss. Immer wieder neue mächtige, herrliche Fontainen, indessen die alten noch nicht verraucht waren. Zwei anwesende mecklenburgische Prinzessinenn riefen verzückt bei Betrachtung des Höllenfeuers “sind himmlische Erscheinungen im Kriegsgetümmel”

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Gemälde von Georg Schütz

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Gemälde von Georg Schneider

Folgen des Beschusses:

Als die Lebensmittel sehr knapp wurden, kürzten und kappten die Franzosen die Versorgung der Einwohner, dadurch entstand Hungersnot in Mainz und Mainz-Kastell. Die Franzosen und die deutschen Revolutionäre wollten die unnötigen Esser los werden, Sie veranstalteten eine unbarmherzige Exportaktion von Kastell aus. Sie vertrieben die Alten, Kranke, die Frauen und Kinder, die mit ebenso grausamer Gewalt zurückgewiesen wurden. Goethe schreibt in seinem Bericht: ” Die Not der Hilflosen der zwischen de Fronten Eingequetschten  ging über alle Begriffe”.

Kapitulationsvertrag vom 22.7.1793

  • Die französische Armee übergibt an den preußischen König die Stad Mainz und Kastel, nebst den Festungswerken, samt aller Geschütze und der dazu gehörigen Munition!
  • Die franz. Armee zieht mit allen kriegerischen Ehrenzeichen ab und nimmt all ihre Waffen, Gepäck mit, nebst dem Privateigentum ihrer Soldaten.
  • Die franz. Armee darf 2 kleinere Kanonen, nebst der Munition mitführen ( „4 Pfünder)
  • Die Offiziere, Kommissionäre und offiziellen Vertreter dürfen ihre Pferde und Wagen mitführen.
  • Die Festung ist binnen 48 Stunden zu räumen,
  • Der Abzug der Besatzung nach Frankreich erfolgt in mehreren Kolonnen und zu verschiedenen Zeiten;
  • Jede Kolonne erhält zu ihrer Sicherheit eine preußische Bedeckung bis zur Grenze
  • General Ovré erhält die Erlaubnis, Offiziere und Kommissionäre voraus zu schicken, die in den pfälzischen Orten für Unterkunft und Lebensmittel sorgen sollten.
  • Sollten die eigenen franz. Pferde und Wägen zum Abtransport nicht ausreichen, dann darf die franz. Armee notwendige Pferde requirieren.
  • Die französischen Kranken und Verwundeten dürfen auf Schiffen nach Metz bzw. Thionville gebracht werden
  • Folge: die rheinhessischen und pfälzischen Bauern mussten wieder große Leistungen aufbringen und das nach einem total verregneten Sommer 1793

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