Verordnung für die Abwehr von „Gesindel“

Die Hochgräfliche Regierung von Nassau-Weilburg erließ 1721 eine Verordnung, von der die §§ XVI und XVII als Abschrift aus 1722 in den Unterlagen vorhanden sind. Die beiden §§ wurden beginnend mit dem 27. Januar, jeweils an den Sonntagen im 14tätigen Abstand bis zum 27. Juli 1722 von allen Pfarrern des Amtsbezirks, bzw. dessen Vikar gemäß des Regierungserlasses verlesen und auf dem Formular mit Datumsnachweis festgehalten. Die Vorschriften betreffen die innere Sicherheit, die soziale Verpflichtung der Heimatgemeinden für ihre eigenen armen Mitbürger zu sorgen und natürlich im weiteren Sinne auch die Ausbreitung der ansteckenden Krankheiten einzudämmen.

  • XVI

„Die reisenden Juden aber sollen bei jeder Obrigkeit oder Kanzlei, auch von denjenigen Ortes wo sie durchziehen, ihre Papiere unterschreiben lassen, denn wir wollen verhindern, dass Zigeuner und dergleichen liederliche Leute sich hier niederlassen.“

  • XVII.

Alles fremde Bettelgesindel und herrenloses Gesindel samt der Betteljuden so sie sich bei Bürgern oder Beisassen oder sonst wo aufhalten oder eingeschlichen haben, welche meistens ansteckende Krankheiten haben, müssen binnen Monatsfrist ihre Strecke weiter fortsetzen und dürfen nie mehr unsere Lande weder mit noch ohne Pässe wieder betreten. Alle Einwohner sind bei Strafe und bei drohendem Verlust des Bürgerschaftsrechtes angehalten, niemanden zu beherbergen. Sonst verlieren sie auch den Herrschaftlichen Schutz  für Leib und Leben. Die dagegen verstoßen, werden ohne Ansehen der Person mit Ruten „gestrichen“. Dieses Verbot gilt auch für die Gastwirte und die Tag– und Nachtwachen an den Kirchheimer Stadttoren und Albisheimer Pforten. Es ist bei willkürlicher Geldstrafe verboten, fremde, noch weniger verdächtige Personen logieren zu lassen. Alle Städte, Flecken und Dörfer sind verpflichtet,  für ihre Armen und Bettler selbst zu sorgen, damit keiner wegen Bettelns anderen Ortes angetroffen wird.