Mit der Postkutsche von Kibo nach Worms

Mit der Postkutsche Kibo nach Worms

Die „Großherzoglich Hessische Oberpos­tinspektion” in Darmstadt verfügte am 11. September 1855, dass der seither zwischen dem hessischen Alzey und dem bayerischen Kirchheimbolanden verkehrende „Personen-Postwagen” ab 1.12.1855 eingestellt und gleichzeitig eine „Personen-Postverbin­dung” zwischen Kirchheimbolanden und dem hessischen Worms hergestellt werden solle (Großh. Hess. Reg.-Bl 30/1855). Die­ser Postwagen bediente auf königlich-baye­rischem Gebiet die Strecke von Kirchheimbo­landen nach Marnheim, Albisheim/Pfrimm und Harxheim, passierte die Hoheitsgrenze bei Grenzstein Nr. 250 (s. Abb. 104), die durch Hoheitszeichen der beiden Staaten gekenn­zeichnet war, und fuhr auf großherzoglich-hessischem Gebiet weiter nach Wachenheim a. d. Pfrimm, → Monsheim, → Pfeddersheim, Pfiffligheim und Worms. Die Fahrgäste waren ge­halten, in Kirchheimbolanden, Pfeddersheim und Worms bei der Postexpedition die Karten zu lösen, die dem Conducteur (= Schaffner, Postkutscher) am Zielort zurückgegeben wer­den mussten. In Worms konnten im Gasthaus „Zum alten Kaiser” Fahrkarten gekauft wer­den. Nach und von den Zwischenorten war die Mitnahme von Handgepäck bis 30 Pfund erlaubt. Für Mehrgewicht musste „Überfrachtporto“ bezahlt werden. Gemäß Punkt 6 der Bestimmungen war Tabakrauchen im Coupé nur dann erlaubt, wenn alle Reisenden damit einverstanden waren. Wer zum Beispiel von Kirchheimbolanden nach Worms reisen woll­te, musste 52 Kreuzer bezahlen und von Mons­heim nach Worms 24 Kreuzer.

Gemäß Allerhöchster Verordnung der Großherzoglich-Hessischen Oberpostinspektion vom 4. Juli 1860 (Großh. Hess. Reg.-Bl. 21/1860) wurde jedoch die Postverbindung zwischen Alzey und Kirchheimbolanden wie­der aufgenommen. Auf dieser Strecke hielt die Postkutsche in Morschheim und Mauchenheim, benutzte auf der Weiter­fahrt den eingezeichneten Weg „von Mauchenheim nach Freimersheim”, passierte die Hoheitsgrenze bei Grenzstein Nr. 332, überquerte die Pariser Straße und mach­te, auf großherzoglich-hessischem Gebiet an­gelangt, Station in Freimersheim und Wahl heim. Für die Strecke von Kirchheimbolan­den nach Freimersheim musste der Fahrgast 21 Kreuzer entrichten.

Nach Eröffnung der Eisenbahnstrecke zwi­schen Worms und Monsheim im Jahre 1864 (Döhn 1957) wurde laut Verfügung der Groß­herzoglich-Hessischen Oberpostinspektion vom 10. Februar 1865 (Großh. Hess. Reg.-Bl. Nr. 6/1865) der Verkehr mit der Postkutsche zwischen Worms und Alzey sowie zwischen Worms und Kirchheimbolanden auf der Stre­cke Worms → Monsheim eingestellt. Von Monsheim aus konnten Reisende in Abhängigkeit der Ankunftszeiten der Eisenbahn dann mit der Postkutsche weiterreisen, wobei zwischen dem Streckenabschnitt Monsheim und Kirchheimbolanden der hessische Ort Wachenheim a. d. Pfrimm, dann die bayerischen Orte Harxheimm, Albisheim, Gauersheim, Rittersheim und Bischheim bedient wurden.

Ob die Fahrtroute Monsheim → ← Kirchheimbolanden über Marnheim, so wie sie 1855 be­stand, wegen der oben genannten Streckenbe­nutzung über Gauersheim und Rittersheim, aufgegeben wurde, konnte nicht ermittelt werden. Es ist jedoch nicht auszuschließen, dass die Strecke über Marnheim nach Kirchheimbolanden bereits nach 1865 nicht mehr mit der Postkutsche bedient wurde, denn es wurden im Jahr 1869 nur noch Personengeldtarife für die Strecke Monsheim → Kirchheimbolanden über Rittersheim veröffentlicht.

Reisende konnten auch mit der Postkutsche von Monsheim nach Alzey fahren. Diese Strecke berührte nicht königlich-bayerisches Gebiet. Sie führte nach Nieder-Flörsheim, Dalsheim und bediente die Grenzgemeinden Ober-Flörsheim und Flomborn. Eine Fahrt von Monsheim nach Alzey kostete 36 Kreuzer. Im Jahr 1855 waren für die Strecke Monsheim → Kirchheimbolanden über Marnheim 34 Kreuzcr zu entrichten, für die Strecke nach Kirchheimbolanden über Rittersheim 42 Kreuzer.

  

 

Quelle: Willi Matthes, a.a.O. S 229 und 230

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