TEil I: Fürsten Carl August von Nassau-Weilburg

Er setzte nahtlos die väterliche Politik fort. So entstanden in wenigen Jahren allein in Albisheim ab 1720 die Papiermühle, die untere Schmelzmühle für Eisen, die obere Schmelzmühle für Quecksilber, Zinn, Kupfer, die Steinmühle als Ölmühle.

Erleichtert wurde dies durch die Religionsfreiheit gemäß dem Frieden von Rijswijk. Die Verwaltung Nassau-Weilburg warb in allen deutschen Ländern um Arbeitskräfte für die Bergwerke Heubusch, Bennhausen, auf der Haid und Bergleute aus Thüringen und Sachsen kamen. Natürlich waren alle Handwerker erwünscht, favorisiert wurden aber Schmiede jeder Richtung, Maurer, Dachdecker, Zimmerleute, Wagner, Sattler, Uhrmacher, Gerber Büchsenmacher, Ziegler. Und der Zuzug setzte ein, viele machten ihr Glück. Andere wie die vielen Schneider, Bäcker und Schuhmacher litten unter der starken Konkurrenz &  die Strohdecker, ab 1751 ein aussterbender Beruf und neigten zur Auswanderung.

Für Menschen unserer Zeit ist es überraschend zu sehen, wie viele Gasthäuser es allein in Kibo damals gab. Die katholische Bäckerfamilie Philipp Jacob Leininger (Familienbuch Kibo # 12347) hatte direkt hinter dem Unteren Stadttor ihr Gasthaus Drei Kronen betrieben. Diese Lage war perfekt, denn alle Reisenden aus Richtung Kaiserslautern mussten dort vorbei. Dies änderte sich schlagartig als um 1740 die Bäcker-Familie Franz Kanofsky (Familienbuch # 11148 ff.) in der Vorstadt, also vor dem Stadttor ihr Gasthaus Zur Post eröffnete und mit der Posthalterei betraut wurde. So hielten jetzt dort die Postkutschen und die Gäste nahmen dort ihr Quartier. Vor dem Oberen Stadttor bewirtschaftete die Familie Georg Bender (Familienbuch # 2350) in der  1A-Lage im heutigen Haus Langgasse 37 das Gasthaus Zum Goldenen Ritter. Dies ist eine eindrucksvolle Fachwerksanlage mit viel Platz für Kutschen und Pferde. In der Innenstadt waren 5 weitere Gasthäuser, von denen die bekanntesten die Gasthäuser Zum Löwen – Familie Baum, Familienbuch # 2181- und zum Weißen Roß sind. Es könnte durchaus auch sein, dass in diesen beiden Lokalen wohlhabende Bürger und Bauern ihr ganzes Vermögen in Hazardspielen verzockten. Noch ein Hinweis: vor dem Tod waren sie alle gleich, aber nicht in den Gaststätten. So dürften die Tagelöhner in den drei ungenannten „Kneipen“ ihren Tageslohn versoffen haben, während zuhause Frau & Kinder am Hungertuch nagten

Ein weiterer Rückschritt war die französische Besetzung während des Polnischen Bürgerkrieges, als Fürst Carl August von Nassau-Weilburg einen Teil der Reichstruppen gegen die Armeen Ludwig XV. kommandierte. Um die Stimmung nicht anzuheizen, verordnete die weiter funktionierende zivile Nassau/Weilburgische Verwaltung in Kirchheim am 26.5.1734 als erstes die absolute Bürgerruhe[1]. Kein Pfarrer sollte von der Kanzel öffentlich über die Kriegsgründe nachdenken (raisonnieren) Die Hohe Regierung untersagte den Predigern zudem über andere Religionen herzuziehen, sie zu verleumden und unter keinen Umständen zu beleidigen. Sehr viel deutlicher ist die Anweisung vom 20.9.1735, die die Bezeichnung „Reiteraktionen“ trägt. „ Man muss sein Möglichstes tun, um geheime Geburten (Wochenbette) von Prostituierten zu verhindern, denn hinterher würden die Kinder oft umgebracht oder massakriert“. Dieser Befehl ist eine Wiederholung der Verordnungen vom 2.12.1704 und dem 18.2.1726“, in der die Huren u.a. in Albisheim als verdächtige und unkeusche Personen benannt werden.

Aber nicht jeder hielt es zuhause ruhig aus. Die Situation war für manchen so bedrückend, dass er auswanderte. Wie z. B. der Johann Georg Drescher, der am 19.10.1699 in Albisheim als 7. Kind der Eheleute Tobias Debus Drescher und der Anna Barbara Grill auf die Welt gekommen war. Er war zu Fuß mit seiner Familie nach Rotterdam gelaufen und dort an Bord des Segelschiffes St. Andrews gegangen. Das Schiff lief zuerst Plymouth an, bevor es den Atlantik überquerte. Joh. Georg wurde am 12.9.1734 in Philadelphia im Statehouse registriert.

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