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Paulskirche, Teil des Großbauprojektes

1. Bau der Paulskirche, von Detlef Uhrig

Kirchheimbolanden, ev.-luth. Paulskirche

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  • diese Kirche ähnelt der Weilburger Kirche, somit könnte der Architekt  Joh. Ludwig Rothweil der maßgebliche Planer gewesen sein.
  • Der Bauplatz ist etwa 6.500  qm groß und war früher Teil des Pfauengartens, der teilweise Privatleuten gehört hatte. Um eine ebene Baufläche zu erhalten, mussten hangseits bis zu einer Höhe von 6 m, etwa 3.600 cbm abgetragen, bzw. weggesprengt werden. Um die spätere Unfallgefahr zur reduzieren, entstand entlang der neuen Prinzegasse = Amtsstraße eine halbhohe Mauer, die durch die breite Haupttreppe unterbrochen wird.  Mit dem Abraum der beiden Baugruben: Paulskirche und Schlossneubau füllten die Arbeiter den  früheren Stadtgraben  von der Peterskirche bis zum heutigen Café Mandala und schufen zusätzlich einen schönen Schlossinnenhof und Vorplatz .
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  • Baubeginn war im Frühjahr 1739, nachdem im Herbst und Winter das notwendige Baumaterial vorbereitet worden war.
  • Die Baukosten sollen lt. Hans Döhn 180.000 Gulden betragen haben, wofür man damals 6.000 Kühe oder 1.800 Pferde  hätte kaufen können. Dies dürfte einem Wert von  5.000.000 € entsprechen.  Allerdings kam der Rohstoff: Bauholz, Sand und Steine kostenfrei zur Baustelle bzw. zu den Bauhandwerkern
  • kib-30.
  • Nach  detaillierten und fachkundigen Vorausberechnungen wurden die Arbeiten in der Region ausgeschrieben. Die Baumeister und Zimmerleute konnten nach dem Niedrigpreis- Prinzip ihr Angebot abgeben. Zudem hatten sie andere bereits ausgeführte Arbeiten nachweisen müssen. Erhielt der Handwerker den Zuschlag, dann musste er zudem 2 zahlungskräftige Bürgen bringen, die für eventuelle Fehlleistungen dann finanziell herangezogen wurden.
  • Nach 5jähriger Bauzeit ging “die Kirche in Betrieb”. am 19.2.1744 war die erste Taufe:  Johann Ludwig Heser, 4. Kind des Johann Dietrich Heser, Bergmann oo 21.2.1736 und Maria Margaretha Mauchenheimer.; Paten: Johann Ludwig Heser, Wagnermeister in Kibo und seine Ehefrau Anna Maria, geb. Hauenstein.[Lebenslauf des Johann Ludwig Heser: er wurde Bauer, wohnte in der Breitstraße # 230, oo Catharina Roth und † 7.6.1828 in seinem Haus; (# 8322/ 8324)]
  • Am 28.4.1744 war in der Schlosskapelle zu Kirchheim dieHeirat des Johann Ernst Bernhard, herrschaftlicher Konditor & Zückerbäcker   * Juli 1715 in Weilburg († 25.9.1772 in Kibo), war seit 739 im Schloss zu Kibo tätig, ehelichte Augusta Henrietta Christiana Christlieb[1], * 14.4.1722 in Gauersheim geboren ( † 21.4.1787) , einer am 3.4.1741 getauften, aus Liebe convertierten Jüdin.(# 2386)30.4.1744 war die erst Heirat im Neubau: der Witwer Johann Michael Roth, * 1710 in Göllheim, dessen Frau Maria Elisabetha Michel † 22.7.1743, mit Christina Hatzfeld * 16.7.1715;  † 11.9.1790, T. d. Johann Stephan Hatzfeld oo 16.5.1712 und der Anna Catharina, geb. Schultheiß (#16724 oo #8637)

    2. Einbau der herrlichen Stummorgel

  • Kirchheimbolanden, Stumm-Orgel

lt. Hans Döhn wurde die Stummorgel bereits im Jahr 1741 bestellt und hätte 1.660 Gulden gekostet. Hinzu kamen noch die Transport- und Aufbaukosten. Der Kaufpreis sei in Raten bezahlt worden. Die Stadt und die staatliche Kirchenschaffnerei hätten sich die Kosten geteilt. Eine besondere Aufwertung bekam die Orgel durch das Orgelspiel im Januar 1778 durch Mozart.

2.3. Kulinarische Stadtführung mit Gesang, zartem Geigenklang und Orgelspiel

Kirchheimbolanden, Lieder im Duett

Darbietung von Bernd Knell und seinen Musikerinnen

1.4. Konzerte

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Der obige Grundriss stammt aus Hans Döhn, a.a.O. S. 189, Insgesamt sind auf 40x 30 m Grundfläche. Die Platzvergabe erfolgte nach der Verordrung vom 9.8.1737 ; sie erfolgte nach Geschlechtern getrennt gemaß der Position als Kirchenältester, Stadtrat, Bürgermeister,  fürstlichem Amt und Stellung,  Vermögen und Ansehen etc. Damit es nicht zu Streitigkeiten bei der Einnahme der Sitze geben konnte, war jeder Sitzplatz mit dem Namenszug und Symbol gekennzeichnet, Im April 1748 seien seien von den  219 Bürgern allein 344 Gulden ( = Gegenwert von 12 Kühen) aufgebracht worden. Die Stehplätze  auf der Empore für die Knechte & Mägde waren wohl kostenlos.  Insgesamt fanden etwa 720 Lutheraner darin Platz

Im Jahr 1802 bezahlte Ludwig Christian Lucae für seinen Sitz im Block C, 1. Reihe, Sitz N° 6 damals 6 Gulden. [Hinweis: Ludwig Christina Lucae.* 6.5.1768, Bierbrauer, † 23.3.1858, (Familienbuch # 12952)]

Zur Grundausstattung gehörte eine Sanduhr, die die Predigt-Zeit seit 1718 auf 38 Minuten beschränkte, weil sie sonst die Gemeinde verdrossen macht.  Die Kirchenlieder entstammten dem damaligen Liederbuch der Lutherischen Kirche in Weilburg.

Die Stummorgel wurde im Sommer 1745 eingebaut, und gab den kirchlichen Veranstaltungen einen sehr emotionalen Rahmen. Von Anfang an, wurden im Rahmen der großen christlichen Feiertage Konzerte gegeben. Wie in 2016 das Weihnachtsoratorium von Bach

Teil II: Fürst Carl August von Nassau-Weilburg

Fürst Carl August erwählte Kibo zu seiner neuen Residenz. Wohl ab 1733 reifte der Plan, den er ab 1734 realisieren ließ.  Carl August hatte die Ideen und bekannte Architekten ihrer Zeit setzten um. Nach dem Gesamtkonzept erfolgte die Umwandlung Kibo von einer umwallten „mittelalterlichen“ zu einer modernen, offenen Rokoko- Stadt. Die benötigten Garten-Grundstücke im Gebiet Pfauengarten erwarb er von

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TEil I: Fürsten Carl August von Nassau-Weilburg

Er setzte nahtlos die väterliche Politik fort. So entstanden in wenigen Jahren allein in Albisheim ab 1720 die Papiermühle, die untere Schmelzmühle für Eisen, die obere Schmelzmühle für Quecksilber, Zinn, Kupfer, die Steinmühle als Ölmühle.

Erleichtert wurde dies durch die Religionsfreiheit gemäß dem Frieden von Rijswijk. Die Verwaltung Nassau-Weilburg warb in allen deutschen Ländern um Arbeitskräfte für die Bergwerke Heubusch, Bennhausen, auf der Haid und Bergleute aus Thüringen und Sachsen kamen. Natürlich waren alle Handwerker erwünscht, favorisiert wurden aber Schmiede jeder Richtung, Maurer, Dachdecker, Zimmerleute, Wagner, Sattler, Uhrmacher, Gerber Büchsenmacher, Ziegler. Und der Zuzug setzte ein, viele machten ihr Glück. Andere wie die vielen Schneider, Bäcker und Schuhmacher litten unter der starken Konkurrenz &  die Strohdecker, ab 1751 ein aussterbender Beruf und neigten zur Auswanderung.

Für Menschen unserer Zeit ist es überraschend zu sehen, wie viele Gasthäuser es allein in Kibo damals gab. Die katholische Bäckerfamilie Philipp Jacob Leininger (Familienbuch Kibo # 12347) hatte direkt hinter dem Unteren Stadttor ihr Gasthaus Drei Kronen betrieben. Diese Lage war perfekt, denn alle Reisenden aus Richtung Kaiserslautern mussten dort vorbei. Dies änderte sich schlagartig als um 1740 die Bäcker-Familie Franz Kanofsky (Familienbuch # 11148 ff.) in der Vorstadt, also vor dem Stadttor ihr Gasthaus Zur Post eröffnete und mit der Posthalterei betraut wurde. So hielten jetzt dort die Postkutschen und die Gäste nahmen dort ihr Quartier. Vor dem Oberen Stadttor bewirtschaftete die Familie Georg Bender (Familienbuch # 2350) in der  1A-Lage im heutigen Haus Langgasse 37 das Gasthaus Zum Goldenen Ritter. Dies ist eine eindrucksvolle Fachwerksanlage mit viel Platz für Kutschen und Pferde. In der Innenstadt waren 5 weitere Gasthäuser, von denen die bekanntesten die Gasthäuser Zum Löwen – Familie Baum, Familienbuch # 2181- und zum Weißen Roß sind. Es könnte durchaus auch sein, dass in diesen beiden Lokalen wohlhabende Bürger und Bauern ihr ganzes Vermögen in Hazardspielen verzockten. Noch ein Hinweis: vor dem Tod waren sie alle gleich, aber nicht in den Gaststätten. So dürften die Tagelöhner in den drei ungenannten „Kneipen“ ihren Tageslohn versoffen haben, während zuhause Frau & Kinder am Hungertuch nagten

Ein weiterer Rückschritt war die französische Besetzung während des Polnischen Bürgerkrieges, als Fürst Carl August von Nassau-Weilburg einen Teil der Reichstruppen gegen die Armeen Ludwig XV. kommandierte. Um die Stimmung nicht anzuheizen, verordnete die weiter funktionierende zivile Nassau/Weilburgische Verwaltung in Kirchheim am 26.5.1734 als erstes die absolute Bürgerruhe[1]. Kein Pfarrer sollte von der Kanzel öffentlich über die Kriegsgründe nachdenken (raisonnieren) Die Hohe Regierung untersagte den Predigern zudem über andere Religionen herzuziehen, sie zu verleumden und unter keinen Umständen zu beleidigen. Sehr viel deutlicher ist die Anweisung vom 20.9.1735, die die Bezeichnung „Reiteraktionen“ trägt. „ Man muss sein Möglichstes tun, um geheime Geburten (Wochenbette) von Prostituierten zu verhindern, denn hinterher würden die Kinder oft umgebracht oder massakriert“. Dieser Befehl ist eine Wiederholung der Verordnungen vom 2.12.1704 und dem 18.2.1726“, in der die Huren u.a. in Albisheim als verdächtige und unkeusche Personen benannt werden.

Aber nicht jeder hielt es zuhause ruhig aus. Die Situation war für manchen so bedrückend, dass er auswanderte. Wie z. B. der Johann Georg Drescher, der am 19.10.1699 in Albisheim als 7. Kind der Eheleute Tobias Debus Drescher und der Anna Barbara Grill auf die Welt gekommen war. Er war zu Fuß mit seiner Familie nach Rotterdam gelaufen und dort an Bord des Segelschiffes St. Andrews gegangen. Das Schiff lief zuerst Plymouth an, bevor es den Atlantik überquerte. Joh. Georg wurde am 12.9.1734 in Philadelphia im Statehouse registriert.