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1776:/77 Rebellion: ABC Buchkrieg

ABC – Buchkrieg (Protokoll des Vikars Johannes Lahr aus 1777)

Johannes Lahr wurde 1770 als Vikar in Albisheim eingesetzt. Es war seine erste Pfarr- und Lehrstelle beim alten Pfarrer Johann Adam Gümbel, der 1724 auch als Vikar in Albisheim angefangen hatte und nach dem Tod des Pfarrer Gräßers in 1726 dessen Stelle übernommen hatte. So hatte es sich auch das Nassau´sche Konsistorium vorgestellt, dass sich Lahr einarbeiten und dann nach dem Tod des Pfarrer Gümbels dessen Amt übernehmen sollte. Pfarrer Gümbel  erlitt 1774 aber einen Schlaganfall, der ihm die Sinne raubte und ihn ans Bett fesselte, so dass er seine Funktion nicht mehr ausüben konnte und dann am 20.4.1777 nach langer Pflegezeit starb. Ab dem Zeitpunkt war Vikar allein verantwortlich und es hätte ja alles gut gehen können, wenn es nicht durch die Einführung eines neuen Deutschbuches zu einer hasserfüllten Revolution gegen die Nassau´ischen Regierung gekommen wäre und sich die Ablehnung nicht gegen ihn und den Schullehrer Johannes Küster als Gallionsfiguren gerichtet hätte.

  • Angeregt von den allgemeinen Bewegungen auf dem Gebiet des Bildungswesens sollten die Geistlichen der beiden protestantischen Konfessionen – Lutheraner und Reformierte – in der Herrschaft Kirchheim„das Schulwesen auf einen besseren Fuß setzen“. Ihr Arbeitsplan war wohl gut ausgedacht, doch fehlten die nötigen Übungsbücher für den Unterricht, besonders aber ein Buch, aus dem die Kinder die Buchstaben und das Buchstabieren erlernen sollten. Um diesen Misstand zu beheben, wollte die „Erziehungsanstalt“ der Herrschaft Kirchheim durch die Herausgabe eines „A-B-C– Buchstabier- und Lesebuchs“ abhelfen. Dies war also nur für den Deutschunterricht, zum Lesen- und Schreibenlernen konzipiert worden und nicht als Arbeitsbuch für den Religionsunterricht ausgelegt worden.
  • ABC Buchstabier und Lesebuch, Bilder aus Hans Döhn

  • Als die ersten beiden Exemplare im Juli 1776 dem Schullehrer Johannes Küstner und mir dem Pfarrer ausgehändigt wurden, waren wir davon begeistert[1]. Der Schulmeister war nämlich freudestrahlend am 7.1776 zu mir gekommen. Voller Euphorie rief er „die Zeit kommt, Herr Pfarrer, die Sonne der Freiheit und der wahrhaften Gesittung ist im Aufgehen“ und legte mir das neue Lesebuch vor. Ich antwortete ihm „es hat auch mir eine große Freude bereitet“. Küstner setzte sich mir gegenüber und schlug das Büchlein auf und fuhr begeistert fort. „ich könnte vor Freude weinen und dieses Buch küssen. Dass ich das erleben darf. Das ist ein herrliches Buch.“ Ich erwiderte „Oh Ja, das ist wirklich ein gutes Schulbuch. Wir dürfen uns aber nicht zu sehr freuen, denn es wird viele geben, die damit nicht einverstanden sein werden, dass man das Vaterunser, das Glaubensbekenntnis, die Sakramente und die 10 Gebote weggelassen hat“.

[Kommentar:Diese zwei Bilder aus dem ABC Lesebuch sagten mehr als Worte. Sie stellen das leichte (Lotterleben) der Oberschicht dar und zeigten nicht das harte, entbehrungsreiche Leben der Landbevölkerung. Dieses Buch gefiel den Auftragsgebern, aber erregte den Widerstand, den Zorn der Konservativen].

  • Der junge Lehrer Küstner entgegnete, “aber dafür hat man ein paar moralische Erzählungen und Gedichte aufgenommen, die die Frömmigkeit, Duldsamkeit und Menschenliebe in den jungen Menschen erwecken sollen!“ „Ja lieber Lehrer, dies ist ein Buch für Leute unseres Schlages, aber viele andere wird des großes Ärgernis bereiten“. Joh. Küstner fragte besorgt, „wir werden es aber doch in meiner Schule einführen dürfen“? „Selbstverständlich“ antwortete ich, „denn die Regierung verlangt es ja“.
  • Eintrag vom 3.8.1776: „Schullehrer, was habe ich Dir ermahnend gesagt!: Freue Dich nicht zu früh! Es ist so gekommen, wie ich befürchtet hatte. Die Orthodoxie lehnt sich auf. Denn sie möchte die aufgehende Sonne der Freiheit und der wahrhaften Gesinnung in die dunkle Nacht zurückdrängen. Sie sind verblendet und schreien laut herum, es würde ein Frevel in nassauischen Landen geschehen. Heute habe ich eine Zuschrift des Amtsbruders des fanatischen Geistlichen Nacke aus Wachenheim an der Pfrimm erhalten. Er schreibt, ich solle ebenfalls Protest gegen die Einführung des neuen Lesebuches erheben, denn das Buch könne ebenso von Juden und Türken gebraucht werden. Es enthalte nämlich nichts von Jesus und sei deshalb kein christliches Buch. Der rechte Glauben sei bedroht und eine neue Religion solle eingeführt werden. Außerdem war noch der Schulmeister zu mir gekommen und hat mich gefragt, „Was werden sie tun, Herr Pfarrer?“ Ich antwortete „das Buch einführen“ und habe mir eine Pfeife gestopft und sie mit der zu einem Fidibus gedrehten Brief des Amtsbruders angezündet“, Als dies der Lehrer sah, rief er aus „Bravo“!
  • Um die Einführung des neuen ABC- Buches im ganzen Lande sicher zu stellen, ließ die Regierung Ende Juli 1776 in allen Orten des Oberamtes Kirchheim von den Lehrern die Bücher verteilen. Jedem Kind wurde kostenlos ein Exemplar ausgehändigt. Aber wie auf ein allgemeines Signal hin, setzte vor allem im Lutherischen Albisheim ein Sturm von Entrüstung gegen das neue Schulbuch ein. Wahrscheinlich erregten die Bilder mit dem tanzenden Paar die meisten Menschen, die ganz und gar nicht die Realität der hart arbeitenden  Bevölkerung widerspiegelte.
  • Nachdem der weisungsgebundene Lehrer Johannes Küstner das neue Schulbuch eingeführt hatte, kam es zu lautstarken Protesten,
  • Eintrag vom 8.1776: Der Lehrer war zu mir gekommen und erzählte, die Bauern würden auf den Gassen den Kopf zusammenstecken und ihn so eigentümlich angucken, wenn er vorüber ginge. Außerdem hätten einige Kinder gestern die neuen Lesebücher nicht mit in die Schule gebracht. Er sagte, als er sie angesprochen hätte, hätten sie geantwortet, „der Vater hat es weggetan“. Der Streit eskalierte und aus dem Bücherstreik wurde ein Schulstreik!
  • 8.1776: Schulstreik:

  • Heute kam kein einziges Kind in die Schule. Als der Schullehrer sich nach dem Grund ihres Ausbleibens erkundigt hatte, erfuhr er, dass das neue Lesebuch schuld daran sei. Die Bauern hätten ihm erklärt, „wir wollen das neue Buch nicht, denn da steht Teufelszeug drin. Wir wissen nicht, wo das hinausläuft. Man will uns unsere Kinder ganz nehmen. Sie soll den ganzen Tag in der Schule sitzen und Sachen lernen, die sie nichts angehen. Außerdem brauchen wir unsere Kinder daheim“. Der junge Pfarrer schrieb in sein Tagebuch „der Fall muss an die Regierung gemeldet werden, wenn meine Aufforderung nichts nützt, die Kinder unverzüglich wieder in die Schule zu schicken“
  • 8.1776: Nickel Morgenstern, Nickel Morgenstern! Ich höre in einem fort diesen Namen. Überall wo ich hinhorche, da heißt es „der Nickel Morgenstern hats gesagt, wir halten uns an Nickel“. Der Nickel ist also zum Rädelsführer einer kleinen Revolution geworden. Gestern hat er auf dem Brunnenstock des Kirchbrunnens eine flammende Rede gehalten. Ich konnte von meinem Fenster hinsehen, Verstanden habe ich nichts, aber es muss eine temperamentvolle Rede gewesen sein, denn er fuchtelte fürchterlich und anschließend gab es lauten Beifall. Danach kam meine gute alte Magd Grete kreidebleich ins Pfarrhaus Sie hatte sich nämlich neugierig unter die Band der aufrührerischen Bauern gemischt Sie brauchte einige Minuten bis sie sich beruhigt hatte und dann schoss es aus ihr heraus. Nickel Morgenstern hätte ausgerufen „Leute, Christen, ich sage Euch, wir lassen den Antichrist nicht in unsere Schule. Wir lassen unseren Kindern kein Buch aufzwingen, in dem der liebe Herr Christus vergessen worden ist. Schlimm genug, dass der Schullehrer das Buch herausstreicht, aber noch schlimmer ist, dass der Pfarrer das Buch in die Schule eingeführt hat. Wir sind verraten und verkauft worden. Der Hirte will uns, seine Herde, dem Wolf in den wutschnaubenden Rachen zum Fraß treiben. Christen, ich sage Euch, wir lassen uns das nicht gefallen. Nein sage ich und wer mit mir der gleichen Meinung ist, der verspreche hier, dass er sein Kind nicht mehr in die Schule schickt, aus welcher unser lieber Herr Jesus Christus verbannt worden ist. Ich verspreche hinfort, nicht mehr in diese Kirche zu gehen, in welcher ein Wolf im Schafspelz predigt. Liebe Leute, wir setzen es auch gegen die Regierung durch“
  • 8.1776: „Das ganze Dorf ist in Aufruhr, auf allen Straßen und in den Wirtshäusern lärmen sie bis in die späte Nacht hinein, nur die Schule und die Kirche waren verödet. Zweimal habe ich Gottesdienst gehalten und nur der Lehrer, der Küster, die alte Gretel und ein altes, taubes Weibchen waren die einzigen Besucher gewesen.
  • 8.1776: „Gestern Abend meinte der Schullehrer, es sei sinnlos, zum Gottesdienst läuten zu lassen, denn es käme sowieso niemand. Auch er wolle zuhause bleiben, denn der Kirchgang wäre für ihn unter diesen Umständen wertlos, denn er sei mit den Gedanken nicht bei der Sache; er müsse immer wieder an den Lesebuchkrieg, bzw den Protestantenkrieg denken, so wie die Albisheimer jetzt den wilden Aufruhr getauft hätten. Außerdem habe der Küster die Front gewechselt und hätte im Auftrag des Nickel Morgensterns den Kirchenschlüssel mitgenommen.“ Aus den nächsten Zeilen der Aufzeichnungen geht der Frust, die Enttäuschung des Pfarrers hervor, der von seiner Gemeinde verlassen worden war.
  • 9.1776: Um den Widerstand in Albisheim zu brechen, ließ die Regierung einige der Haupträdelsführer die sich am ungebührlichsten benommen hatten, in Haft nehmen. Vikar Lahr schrieb „heute abend gab es in der Kirchgasse großen Tumult. Als ich zum Fenster hinaus blickte, führten sechs Landjäger fünf Bauern vorbei, darunter war der Wortführer Nickel Morgenstern. Hinterher liefen viele Männer mit Laternen, von denen einige nach Prügeln riefen. Denen folgte eine große Anzahl von heulenden Weibern, die durch die Kirchpforte verschwanden. „Um Gottes Willen, Schullehrer, das gibt ein Unglück“ rief ich dem zum Abendessen anwesenden Schullehrer zu, „das gibt ein Unglück ,wir müssen ihnen nach und sie vor unüberlegten Schritten zurückhalten“. Johannes Küstner packte mich am Arm: „Bleiben Sie hier Herr Pfarrer, wir würden sowieso nichts ausrichten, dafür sind sie viel zu schlecht auf uns zu sprechen. Ich vermute, sie würden ihre Rauflust an uns auslassen.“ Kaum dass er den Satz beendet hatte, „kam die bildhübsche Anna Marie Morgenstern[2] zu mir ins Haus und fiel mir um den Hals. Sie weinte an meiner Schulter. Nachdem sie sich ausgeweint hatte, waren wir allein und ich habe eine gar süße Frucht gepflückt. Sie blieb bei mir bis nach Mitternacht und dann brachte sie meine gute alte Grete nach Hause. Ich konnte vor Aufregung nicht schlafen und in den dunklen Gassen herrschte gewaltiger Lärm und alle Fenster waren noch erleuchtet. Als das Morgenrot den nächsten Tag ankündigte, erscholl gewaltiger Jubel. Die Männer hatten mit ihren Knüppeln die Landjäger überfallen und die Gefangenen gewaltsam befreit. Nun feierten sie im Wirtshauf lautstark ihren Triumph.
  • 9.1776: Nickel Morgenstern stand wieder auf dem Brunnenrand des Kirchbrunnens und hielt wieder eine Rede. Diesmal hatte sich meine Magd Grete nicht unter die Leute gewagt; so erfuhr ich auch nicht, was er da ausführte. Als aber sich die Versammlung verlaufen hatte, sah ich, dass am Pumpenstock ein Plakat angeheftet war und dass der Schulmeister davor stand und sich Notizen machte. Dann kam er zu mir und las mir die 5 Sätze vor: 1) Christen, sie wollen uns unseren Glauben nehmen, (2) Christen, sie wollen uns einsperren, weil wir Christus anbeten. (3) Christen, wir müssen tapfer sein, (4) Aber lieber tot, als uns ergeben. Morgen früh versammeln wir uns 6 Uhr, wenn die Sturmglocken läuten. (5) Christen, diesem Protestantenkrieg muß ein Ende bereitet werden.
  • 9.1776 Tatsächlich läuteten morgens die Sturmglocken und an die 100 Männer versammelten sich und waren mit Hacken und Knüppeln bewaffnet. Die Schützen hatten ihre Gewehre dabei und dann zogen sie aus der Kirchpforte hinaus. An ihrer Spitze ging Nickel Morgenstern, der in der rechten Hand eine Bohnenstange trug, an dem ein weißes Tuch befestigt war, mit einem aufgemalten schwarzen Kreuz. Die Wahnwitzigen zogen laut schreiend in Kirchheim ein, direkt auf das Schloss zu. Angesichts der aufgebrachten Meute flüchtete der Fürst durch einen Seitenausgang nach Oppenheim und dann an den kurpfälzischen Hof nach Mannheim. Der Minister Freiherr von Botzheim verhandelte mit den Anführern und versprach gegen eine kleine Geldbuße das Strafverfahren gegen die Rädelsführer einzustellen.

Aus Hans Döhn, Kirchheimbolanden a.a.O, S. 264

  • Am 21.9.1776 erhielt ich den Kirchenschlüssel zurück und hielt wieder Gottesdienste ab, aber niemand kam.
  • Nickel Morgenstern reichte beim Reichskammergericht in Wetzlar eine Klage auf Entfernung des Schulbuches ein. Am 10.Oktober 1776 wurde Nickel Morgenstern wieder verhaftet und unter starker Bewachung nach Kirchheim gebracht.

Hans Döhn hatte folgendes recherchiert:

  • Als nun am Februar 1777 ein Kommando von vier Grenadieren mit allen drei Inhaftierten von Kirchheim nach Weilburg aufbrach, wurden allerorts die verbündeten Bauern alarmiert und gegen Morschheim in Bewegung gesetzt. Um Zeit zu gewinnen, bewogen die Arrestanten die sie begleitenden Grenadiere zu einer Rast in dem auf dem Heuberg gelegenen Hof. Von da ging es weiter nach Morschheim, wo in einem Wirtshaus eingekehrt wurde. Noch scheuten die Rebellen den Aufstand, denn man befand sich noch auf weilburgschem Staatsgebiet. Erst als die Gefangenen  in die zur Kurpfalz gehörige Gemeinde Ilbesheim kamen, rückten die mit Flinten, Pistolen, Dreschflegeln und Mistgabeln bewaffneten Rebellen gegen die vier verängstigten Grenadiere vor und zwangen sie, die Gefangenen freizulassen. Im Triumphzug zogen die Bauern mit ihren befreiten Helden in ihre Heimatdörfer zurück.
  • Inzwischen hatte sich in Albisheim das Gerücht verbreitet, auch die restlichen Gefangenen, sollten nach Weilburg gebracht werden. Mitten in der Nacht läuteten sie die Sturmglocken und die Bauern zogen in Massen gegen die Stadt Kirchheim. Am Morgen des 19. Februar versammelte sich eine erregte Volksmenge vor dem Amtshaus und forderte die Abschaffung der neuen Namensbücher und die sofortige Freilassung der „Eingetürmten“. Vergeblich versuchte Freiherr von Botzheim die mehrere Hundert Personen durch freundliche Worte, aber auch durch Drohungen zum Einlenken zu bewegen. Aber vergebens. Nun rückten die Albisheimer vor das Schloss und forderten die Herausgabe der Gefangenen. Da der Amtmann Schlimmes befürchtete, ließ er die Gefangenen frei.
  • Fürst Carl Christian hatte sich bereits vor dem Tumult zusammen mit seiner Familie in die kurpfälzische Stadt Oppenheim  in Sicherheit gebracht.  Von dort wandte er sich am 18.2. schriftlich an den Kurfürsten Carl Theodor und bat um militärische Hilfe, um den Aufstand im Keim zu ersticken. Den Brief überbrachte Regierungsrat Winder am folgenden Tag. Winder wurde auch sofort empfangen. Bereits am 2. rückte ein starkes Bataillon von 800 Mann nach Albisheim aus. Wegen des hohen Schnees brauchten die Soldaten 10 Stunden, bis sie in Albisheim ankamen. Von ihnen wurden 650 Mann in Albisheim einquartiert. Gegen diese geballte Macht waren die Albisheimer machtlos. Jeder hatte andere Ausreden, um nach Hause gehen zu können. Man kann sich gut vorstellen, dass die Rebellion sehr schnell beendet war. Der Schultheiß Ermarth schrieb nach Kirchheim, dass die Albisheimer nun das ABC Buch akzeptieren und wegen des Aufstandes um Gnade bitten würden.
  • Mehrere der Demonstranten wurden verhaftet, später allerdings durch Zahlung einer Geldbuße wieder freigelassen. Nickel Morgensternfand Freunde in Nachbarorten, die ihm halfen. Albisheim beauftragte seinen Rechtsanwalt, den Hofrat von Gülich aus Wetzlar, seine Interessen beim Reichskammergericht in Wetzlar zu vertreten. Aber auch dies kostete viel Geld und brachte Albisheim sehr schnell an die Grenzen seiner finanziellen Möglichkeiten. Auch dieser Prozess dauerte wegen der vielen Schriftsätze und Winkelzüge lange und zog sich wie damals üblich jahrelang in die Länge. Hofrat von Gülich musste die Gemeinde Albisheim mahnen, um an sein Geld zu kommen. Die Kanzleigebühren in diesem „berüchtigten“ Prozess in 1783 betrugen allein 14,70 Gulden, die der Albisheimer Gerichtsmann Johann Ludwig Keller persönlich nach Wetzlar
  • Die Fahndung nach Nickel Morgenstern lief auf vollen Touren. Sein Haus in Albisheim wurde Tag und Nacht überwacht und wöchentlich einmal durchsucht. Man schikanierte die Familie auf vielfältige Art und Weise. An allen  möglichen Orten suchten  Husaren nach ihm, wie wenn er der größte Missetäter wäre. Nickel war jedoch nach Wetzlar entwischt, um in dem Prozess als Zeuge aufzutreten. Die Weilburger Regierung setzte alle Hebel in Bewegung, um ihn in Wetzlar verhaften zu lassen. Zudem konfiszierte die Kirchheimer Verwaltung das Vermögen Morgensterns. Mitte Juni reichten die Albisheimer eine 25 Seiten starke Beschwerde beim Reichskammergericht Wetzlar ein, in der die Willkür der Weilburger Regierung umfassend dargestellt wurde. Am 14. Juli traf die Gegendarstellung der Kirchheimer Verwaltung beim Reichs-kammergericht ein.
  • Zur gleichen Zeit war über Nickel Morgensterngroßes familiäres Unglück hereingebrochen. Die Verhaftung ihres Mannes und die ständigen willkürlichen Hausdurchsuchungen hatten die ganze Familie terrorisiert.. Dies ging an die Nerven. Sie verstarb im Alter von 37 Jahren und 3 Monaten am 7.1777 an Fieber, so steht es im Kirchenbuch Albisheim. Die Totenlade (Sarg) fertigte der damals 71jährige Schreinermeister Balthasar Göhring an, die er im Auftrag des trauernden Witwers schwarz anstrich[3].
  • Am 6. August 1778 starb auch noch der 1 ½ jährige Sohn Johann Engel. (* 8.2.1777). Der Vaterwollte daraufhin unbedingt zurück nach Albisheim, um sich um seine Kinder kümmern zu können, die sein Bruders Johann Georg aufgenommen hatte und alle doch sehr beengt lebten. Nicol Morgenstern ließ am 10.9. durch seinen Rechtsanwalt Seuter beim Oberamt Kirchheim anfragen, ob er straffrei zurückkehren dürfe. Aber dies war Öl auf das Feuer der beleidigten Regierungsherzen. Die Weilburger Regierung versuchte, Morgenstern verhaften zu lassen. Aber vergebens, denn Morgenstern begab sich in das benachbarte kurpfälzische  Ilbesheim, um seiner Familie nahe zu sein. Als das die nassauische Regierung in Kirchheimbolanden spitz bekam, beantragte sie beim pfälzischen Kurfürsten seine Auslieferung.
  • Der Prozess in Wetzlarkam nach spektakulären Anfangserfolgen zunächst ins Stocken. Dann jedoch wurde Morgenstern am 2. März 1779 zur Strafe aus dem Land verbannt und ihm eine saftige Geldstrafe aufgebrummt, außerdem zur Bezahlung der Gerichtskosten verurteilt. Durch die Mitgift seiner Frau Christina Weigel war sein Vermögen ehedem auf stolze 4.311 Gulden angewachsen.
  • Aus den Archivunterlagen Albisheim ergibt sich folgendes: Seine Güter wurden rücksichtslos beschlagnahmt und teilweise rechtswidrig versteigert. 1783 wird es wohl zu einer gütlichen Einigung gekommen sein, denn bereits 1784 war er wieder in alter Frische in Albisheim und betrieb in den folgenden Jahren – wie zuvor – erfolgreich seine Landwirtschaft. Mit seiner ihm eigenen Tatkraft und einer unerschöpflichen Energie betrieb er konsequent (laut Urkundenbuch B 32) auch seine Immobiliengeschäfte weiter und gehörte er bis zu zu seinem Tod am 8.4.1806 zu den führenden und reichsten Leuten in Albisheim. Sein Grabstein fiel leider früherem, mangelndem Traditionsbewusstsein zum Opfer.

[1]) Das Protokoll enthält viele Zwiegespräche, die ich hier wegen ihrer Lebendigkeit wiedergebe

[2]) Anna Maria Morgenstern, * 2.2.1758, wurde Anmie gerufen,  war die Tochter des Johann Georg Morgenstern und der Anna Catharina Diedesfeld. Nach ihrer Konfirmation in 1772 hatte sie 4 Jahre in einem hochherrschaftlichen Haus in Idstein gedient und war in dieser Zeit zu einer Schönheit und gebildeten jungen Frau herangereift. Als sie im Juli 1776 zurückkam, war der Vikar Lahr Feuer und Flamme für sie. Auch sie war von ihm angetan und die beiden schmiedeten sofort Hochzeitspläne. Als Lahr im Oktober 1776 bei dem Vater um ihre Hand anhielt, wurde er mit dem Hinweis auf seine Rolle im ABC Buchstreit kategorisch abgewiesen. Nachdem Lahr  Ende 1777 durch den Pfarrer Kayser ersetzt wurde, ging diese Liebschaft zu Ende. Sie heiratete am 6.4.1779 Georg Henrich Schach aus Rüssingen.

[3] ) Quelle: Unterlagen der Familie Göhring/ Jungmann aus Albisheim. Göhring bekam dafür
2 Gulden und 40 Kreuzer. Joh. Balthasar Göhring * 8.9.1716, † 7.1.1792

1788: Johannes Küstner verkaufte seine Äcker in Albisheim

Um wieder Frieden in Albisheim einkehren zu lassen, wurde Johannes Küstner 1777 im Rotationsverfahren nach Kirchheim versetzt und dafür übernahm Casimir Reisenberger die Lehrerstelle. Nachweislich hatte Johannes Küstner als Albisheimer Lehrer ein arbeitsreiches, ein karges, aber sorgenfreies Leben geführt. Neben seiner 7- 8 stündigen täglichen Lehrertätigkeit hatte er vor Antritt, bzw nach Beendigung seines Unterrichtes die intensive Feldarbeit zu erledigen, wenn nicht gerade Eltern ihm geholfen hatten, die mit dem Schulgeld in Rückstand geraten waren. Was natürlich auffallend ist, dass Johannes Küstner auch privaten Landbesitz in Albisheim hatte, den er am 7.3.1788 für 380 Gulden an Henrich Brubacher und dessen Ehefrau Catharina, geb. Bürcky verkaufen konnte. Familie Brubacher bekam ein Zahlungsziel von 21 Monaten und konnte in 2 Raten von jeweils 190 Gulden den Kaufpreis  am Martinstag incl. 5 % Zinsen zahlen.

Lehrer Johannes Küstner

Johannes Küstner, lutherischer Lehrer, * 1748 Rüssingen, # 11940 Familienbuch, Lehrer in Kibo von 1779 – † 11.11.1801

In Gnädigster Resolution wird Johannes Küstner von Göllheim seinem Schwiegervater, dem Evangelisch- Lutherischen Schuldiener Georg Friedrich Rothenberger zu Rüssingen als Schulgehilfe und als zukünftiger Nachfolger zur Seite gestellt, Weilburg , den 23.7.1770, Fürstliches Consistorium,

Foto der Evang.- lutherischen Schule in Kibo, erbaut 1751

Johannes Küstner erhielt am 23.6.1773 ein Angebot für die Schulstelle in Kibo, klick und sie werden groß

„Nachdem in Gemäßheit Gnädigster Resolution vom 19ten dieses (Monats) dem Schul-Adjunctus zu Albisheim Johannes Küstner die vakante Evangelisch- Lutherische Mädchen Schuldienst zu Kirchheim und das damit verknüpfte Glockenamt, jedoch mit Vorbehalt dass ihm unbenommen bleibt, die erledigte Schul(stelle) zu Albisheim zu wählen. Conferiert = bestätigt, dass er in der hiesigen Stadt der Evangelisch-Lutherischen Kirche die Orgel (Paulskirche) bei dem Gottesdienst spielen, als Kantor aber den Gesang dirigieren soll. Als wir vor allem Johannes Küstner gegenwärtiges Dekret zu seiner Legitimation erteilt. Und hat derselbe an Besoldung alljährlich zu genießen“:

Die Bezahlung des Lehrers Johannes Küstner

  1. Aus den Stadt Renten 1 Gulden 30 Kreuzer für das 1 Uhr Läuten und 10 Gulden für das Orgelspielen.
  2. Aus der Kirchenschaffnerei  (erhält er) 21 Gulden und 15 Kreuzer und 23 Malter Korn.
  3. Aus der hiesigen Waldung 2 Klafter Brennholz und 50 Wellen, so er auf eigene Kosten machen und heimfahren muss.
  4. Den Schulgarten, (auf) den Kirchhof beiläufig einen Morgen Wiese, 2 Pflanz-Stücke in den Kappes-Gärten (Parkhaus und VG-Gebäude)
  5. Freie Wohnung,
  6. Zusätzlich: Vorbereitung des Taufwassers für einen Nichtbürger 10 Kreuzer und für das Geläut zur Hochzeit 20 Kreuzer, fürs Geläute zur Leiche, bei einem der Nichtbürger für 4 Kreuzer Weck und von einem der Nichtbürger 15 Kreuzer und (lies unten weiter!!)
  7. Muß ein jedes Kind so oft es zur Schul kommt im Winter täglich ein Scheit Holz bringen oder sich dafür mit dem Schulmeister abfinden. (Hinweis: 60 Kreuzer = 1 Gulden)

Bezahlung: die Haupteinnahmequelle des Lehrers war das Schulgeld, das die Kinder monatlich mitbrachten, bzw. das der Lehrer oft genug mit lauten und deutlichen Worten an den Haustüren einfordern musste. Trotzdem ging er oft mit leeren Händen heim und der Schultheiß versuchte dann mit Hilfe des Polizeidieners doch noch eine “friedliche” Lösung zu erreichen,  ohne Zwangsmaßnahmen aus Kibo. Da die Eltern der armen Tagelöhner nichts zahlen konnten, übernahm die Gemeinde dann das Schulgeld von 1 fl 15 x.  Zur Kontrolle musste der Lehrer tagtäglich eine Anwesenheitsliste zu führen, so wie es heute auch noch üblich ist.

Johannes Küstner: 1774 – 1778  Lehrer in Albisheim, wg. ABC – Schulbuchstreit, ab 1779 Lehrer in Kibo

nachstehend  Stellenzuweisung nach  Albisheim: 9.2.1774

Schüler-Listen sind zu führen und das Amt übernimmt die Eintreibung der Säumnisgebühren.

Text: “So bestellen wir, dass die Schulmeister bei Vermeidung ihrer eigenen unehrenhaften Bestrafung ein Register über alle schulmäßigen (schulpflichtigen) Kinder halten und hier noch ein besonderes Journal über die jeden Tag ausbleibenden Knder in der größten Genauigkeit führen und beide Listen zu Ende jeden Quartals an das Amt einsenden sollen.  Welches Amt so dann von den Eltern derer Kinder säumig waren, so dann Strafgelder, es sei denn, dass rechtmäßige Entschuldigungen vorhanden, ohne einige Nachsicht eintreiben und zum Bester jeder Schule zur Anschaffung von Papier, zur Austeilung der der ……… beitragen, oder zu anderen nützlichen Dingen anwenden sollen.

# 11940 Küstner Johannes * 1748 Rüssingen, † 11.11.1801 Kibo

seine Eltern Cornad Küstner und Anna Maria Roth aus Göllheim. Joh. Küstner oo 10.10.1770 Philippina Margaretha Rothenberger * 30.7.1742, die allerdings bereits am 1.8.1771 starb. Sein Schwiegervater Joh. Georg Friedrich Rothenberger war Lehrer in Kibo gewesen und hatte seinem Schwiegersohn wohl die Lehrerstelle  als Schulgehilde in Albisheim verschafft. Seine Frau starb bereits am 1.18.1771 bei der Geburt eines Kindes.

Die 2. Frau hieß Maria Elisabetha Becker * 7.1749, † 2.11.1820, sie stammte aus der Kupfermühle in Bischheim, ihrer Eltern waren Valentin Becker und Maria Elisabetha Schnell, Die Kinder des Johannes Küstner: 1. Friederica  Wilhelmina Küstner * 1773,

(2. Louisa Elisabetha Küstner * 17.2.1775, † 15.1.1859, die oo 6.4.1802 Joh. Henrich Nicolaus Blaufuß heriatete, + 19.6.1775, sohn des Henrich Blaufuß, Musiker und der Carolina Kleinzell, † 3.4.1826 in Kibo ihre Großeltern warn Heinrich Kleinzell, Stadtmusiker und Catharina Ackermann (Blaufuß Familienbuch # 2678).

3. Johannetta Cath. Küstner * 13.3.1777, † 25.1.1780

4. Susanna Margaretha Küstner * 5.11.1780

5.) Johann Conrad Küstner * 21.11.1782, † 26.2.1837, wurde auch Lehrer in Kibo, er war 2x verheirat gewesen: ioo Maria Barbara Gerheim, † 7.5.1812, seine 2 Frau Philippina Gerheim, Tochter des Philipp Gerheim oo 13.7.1784 Susanna Barbara Gerheim ( # 7635)

seine Tochter: Maria Barbara Küstner * 3.5.1812, † 5.7.1842 heiratete oo 19.11.1839 Lucae Conrad Friedrich * 25.9.1805, Sohn des Ludwig Christina Lucae und der Friederica Philippina Baum † 26.2.1837,  (Familie Lucae # 12955)

Die Volksschule, immense Klassengrößen, unsichere Bezahltung

Volksschule: die Situation in 1834 in der Pfalz:

1834 lebten in der Pfalz 547280 Menschen, darunter waren 105.546 schulpflichtige Kinder. Sie wurden unterrichtet von insgesamt 1.189 Lehrern. dies waren:
  • 593 evangelische Hauptlehrer, plus 72 evangelische Hilfslehrer,
  • 402 katholische Hauptlehrer und 103 kath. Hilfslehrer,
  •  19 israelitische Elementarlehrer
  • jeder Lehrer unterrichtete im Durchschnitt 89 Kinder, obwohl die Schülerzahl seit 1817 auf 80 Kinder begrenzt sein sollte (§ XV der Schulordnung). In Albisheim gab es 170 Kinder, die in 2 Klassen aufgeteilt wurden. die Unterklasse umfasste die 1. bis 4 Klasse; die Oberklasse 5 – 7. Schuljahr.  In diesem Fall unterrichtete der Hauptlehrer die Oberklasse und die Unterklasse wurde von dem schlechter bezahlten Schulgehilfen unterrichtet.

  • 1884: Lehrer Carl Pfleger, 1884 mit 82 Schülern
  • schule-8
  • Die Lehrerbesoldung

    Die Lehrer wurden fest angestellt. Gemäß $ VIII der Schulordnung  sollten die Schullehrer 300 Gulden pro Jahr bekommen, in Städten wie Kaiserslautern, Speyer mit mehr als 2.000 Einwohner sollten sie 400 Gulden erhalten.  Da damals auch die Gemeinden auch schon zu geringe Einnahmen bei zu hohen Schulden aus der Napleonischen Zeit hatten, erreichte kaum ein Lehrer die gewünschte Einkommensempfehlung. Die Lehrer bewohnten eine für sie kostenfreie Wohnung im Schulhaus.

  • Die Finanzierung war anfänglich eine Mischfinanzierung. Die Eltern, zahlten je Kind 1 Gulden und 8 Kreuzer Schulgeld, Arme Leute wie Tagelöhner, Kleinbauern konnten diese Betrag meistens nicht aufbringen, denn er entsprach der Entlohnung von drei Arbeitstagen. Ganz unmöglich war dies, wenn sie mehrere schulpflichtige Kinder hatten. Bei einer Klassenmesszahl von 80 Kindern erhielt der Lehrer rein rechnerisch 80 x 1 fl 8 x = 80 Gulden und 640 Kreuzer = 90 Gulden und 40 Kreuzer. Neben den einkommensschwachen Familien, gab es Zahlungsunwillige, die zusätzlich Schwierigkeiten machten. Die Differenz sollte aus der Gemeindekasse fließen. Konnte der Lehrer Orgel spielen, erhielt er für diesen Dienst monatlich 6 Gulden. Singen mit der Schulklasse am Grab brachte ihm nochmals 1 fl je Fall ein.  Mit den Zuschüssen der Gemeinde dürfte der Lehrer oft bis 1850 keine 300 fl jährlich bezogen haben.. Neben der kostenlosen Lehrerwohnung teilte ihnen die Gemeinde einen Schulgarten zu, den die Lehrer mit ihren Schülern bewirtschafteten. Jeder Schulsaal hatte einen Ofen, den die Schulkinder beheizen sollten. Es gab also neben dem Tafeldienst, den Ofen- und den Gartendienst der Schüler.  Die Kinder hatten das Brennmaterial mitzubringen.
  • Da die Besoldung relativ gering war, stellten die Gemeinden oft die Lehrer auch noch als Gemeindeschreiber an, wo sie garantiert nochmals 300 Gulden verdienen konnten.

1. evang. Volksschul-Lehrer in Kibo

  1.  Jacob Knöbel * 20.4.1781 in Monzenheim, kam 1800 nach Kibo,  er begann als Schuldiener = Lehrer in Ausbildung. Er war 2 x verheiratet. 1. Ehe oo 27.4.1800 die fast 14 Jahre ältereHenrietta Carolina Krück,  32 Jahre u. 6 Monate alt, * 19.10.1767 in Kibo,   T. d. Johann Elias Krück,  gestorben am 30.4.1804; ref. Schuldiener in Kibo,  u. Elisabetha Margaretha, geb. Birckel in Kibo,  Durch diese Eheschließung blieb Jacob Knöbel der franz. Militärdienst erspart. Nach dem Tod seiner Frau 2. Ehe oo 8.3.1810 Anna Maria Kanofsky, * 16.10.1785,  24 Jahre alt,   T. d. Peter Kanofsky,  Bäckermeister u. Anna Maria, geb. Heser, Philipp Jacob Dürkheimer * 11.2.1771
  2.  Johann Conrad Küstner, * 21.11.1782  # 11941; in Kibo, † 26.2.1837,  Sohn des Lehrers Joh. Küstner.  Conrad Küstner war 2x verheiratet. Er hatte die Schwestern  Gerheim geehelicht, Töchter des Joh. Philipp Gerheim.  Nach dem Tod des Conrad Küstner, bestellte die Stadt:
  3. Joh. Heinrich Gaß* 1.2.1811 in Rockenhausen,  Schullehrer in Kibo,  27 Jahre alt,   Witwer der am 10.6.1837 in Kibo † Catharina Elisabetha, geb. Sevin  S. d. in Rockenhausen † Ackersleute Ludwig Gaß,  u. Catharina, geb. Ritter,  die Großeltern : Veith Ritter,  u. Barbara, geb. Liebrich (Familie Rok 18706) ; oo 19.7.1838  Maria Elisabetha Dreher, * 29.11.1816 in Kibo,  31 Jahre alt,   T. d. Wilhelm Dreher,  61 Jahre alt,  u. Angelika Henrietta, geb. Alt,  56 Jahre alt,  Gutsbesitzer in Kibo

    2. israelitische Lehrer in Kibo. Die jüdischen Lehrer machten die gleiche Lehrerausbildung am Lehrerseminar KL, wie die Ev. bzw. kath Kollegen.

    22.2.1828 Heirat des  Joseph Nathan Asser, * 15.4.1790 in Gunzenhausen in Franken,  37 Jahre alt, israelischer Schullehrer in Kibo,   S.  d. am 22.9.1802 in Gunzenhausen † Nathan Asser,  Handelsmann,  u. Fandele, geb. Landauer,  mit Sara Seller, * 4.10.1796 in Altenmuhr in Franken (= Muhr am See); 30 Jahre alt;  T. d. in Altenmuhr † Jacob Feiß Seller,  Handelsmann daselbst,  u. Hiale, geb. Mandel;

    10.11.1837 Heirat des Jacob Sulzbacher * 16.2.1809 in Sulzbach,  28 Jahre alt, israel. Schullehrer in Kibo,   S. d. Samuel Sulzbacher,  Buchhändler in Sulzbach,  u. Gitla, geb. Wolf,  mit Regina Reisel, geb. Schwarz, * 28.6.1812: in Kibo,  25 Jahre alt,   T. d. am 4.8.1836 † Handelsmannes Joseph Schwarz,  u. Jenredel, geb. Löwenbach;

    3. Die Schulaufsichtsbehörde („Land-Commissariat“) Kibo bemängelte 

    *am 2.4.1838 u.a., dass Kinder wegen Armut der Eltern ungestraft den Unterricht versäumten. „Armut sei kein Entschuldigungsgrund“


  4. 4. Die Schulaufsicht Kirchheimbolanden schrieb am  2.4.1839

15.2.1843: die Majestät des Königs …

obiges Schreiben betraf das Schulbuch: Bayerische Geschichte für Schulen und Familien” Autor Fick. bitte lesen sie selbst

  • Die Schulaufsicht Kirchheimbolanden forderte  am 31.10.1843 die Lehrer auf:

    1. die Schulsäle täglich zu lüften

 

sie wöchentlich einmal mit Wasser zu reinigen,

 

die Türen und Fenster alle 14 Tage zu putzen

 

diese Arbeiten dürfen aber auf keinen Fall von Schülern übernommen werden.

21.5.1844: Bürgermeister und sein Stellvertreter versäumten ihre Aufsichtspflicht über die Schule


  • 2. Die Schulaufsichtsbehörde Kirchheim bemerkte, dass oft Lehrer und Gehilfen sich auf halbe, ganze und mehrere Tage vom Schulort entfernen, ohne die Erlaubnis von dem Distrikt Schulinspektor erbeten und eingeholt zu haben. Ein solches Benehmen darf nicht mehr vorkommen (Anmerkung des Autors: dies war während des Aufstandes 1844 üblich, weil manche Lehrer als Redner, Meinungsbilder aktiv gewesen waren)

  • 3. Es wurde bemängelt, dass die Sonntagsschüler in der Regel nicht zu den angesetzten Prüfungen erschienen

  • 4.  … bemängelte, dass der Unfug des Wegfangens von Singvögeln und des schonungslosen Aushebens der Vogelnester zur Frühlings- und Sommerzeit meistens von den Sonntags- und Werktagsschulen verübt werde. Wir stellen den Schulinspektoren und Lehrern die Aufgabe, diesen Leichtsinn zu bekämpfen  und nicht zu ermüden, bis es gelungen ist, diesen milden Sinn in den Gemütern der Kinder zu begründen, der allein die Tiere vor roher Behandlung bewahren kann.

  • Lehrerseminar in Kaiserslautern, in der Bezirkshauptstadt

  • kl-bezirk
  • eisen-kl-4

Die Volksschullehrer in 1938

  • Adam Gutensohn, Bezirksoberlehrer
  • Ferdinand Freder, Oberlehrer
  • Johannes Hafter, Oberleher
  • Christian Jordan, Oberlehrer
  • Georg Lawaldt, Oberlehrer
  • Elisabeth Kuhn, Oberlehrerin
  • Julius Cappel, Hauptlehrer
  • Max Rös, Hauptlehrer
  • Ernst Christmann, Lehrer
  • Ferdinand Schardt, Lehrer
  • Else Schach, Lehrerin
  • Helene Rauch, Handarbeitslehrerin
  • Erna Gröschel, Handarbeitslehrerin
  • Theo Riemann, Schuldiener

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