Schlagwort-Archive: Carl Leverkus

Landwirtschafts- und Gewerbeschule Kaiserslautern

latein

Lage der Gewerbe- und Landwirtschaftsschule:entlang der heutigen Ludwigsstraße, gegenüber ist heute das Pfalztheater. Hinter der “Naturalien-Sammlung” entstand an der Ecke zum Benzion-Ring die Oberrealschule, spätere Naturwissenschaftliche Gymnasium, heute Hohenstaufen-Gymnasium.  links ist der Maxplatz, dort war die Kerwe und gastierten der Circus.

 

Die von dem Bayrischen Schulministerium konzipierte Bildungspolitik in 1829 wurde von dem Gremium der Landräte der Pfalz abgelehnt, denn die Bayrische Regierung war auf das obligatorische Lernen  der Lateinischen und Griechischen Sprache fixiert. Aber warum sollten sich Jugendliche mit der toten Materie beschäftigen, wenn sie sich doch der Landwirtschaft, technischen Berufen, vor allem wenn sie sich der technischen Entwicklung zuwenden wollen. Man verwies auf die Bedeutung der Französischen Sprache, denn damals war Frankreich noch die führende Wissenschaftsnation in Europa. Musterschule: École Polytechnique in Paris. Die pfälzischen Regionalvertreter favorisierten die Gewerbeschulen, die landwirtschaftliche, gewerblich-technische, baugewerbliche und chemisch-technische Abteilungen aufwiesen. 1834 öffnete in Kaiserslautern  die für die Nordpfalz zuständige Landwirtschafts- und Gewerbeschule, die am Benzinoring KL gelegen war.

Die aufgenommenen Schüler gehörten i.d.R. der bürgerlichen Oberschicht an, die es sich leisten konnten, ihren Söhnen ein möbliertes Zimmer  plus Verpflegungskosten in KL zu finanzieren. Söhne sozial schwacher Familien konnten aufgenommen werden, ohne Schulgebühren zahlen zu müssen, wenn sie eine Bestätigung ihrer Bedürftigkeit ihrer Heimatgemeinde vorlegen konnten, siehe nachstehende Bekanntmachung vom 18.9.1860

Bis zum 50jährigen Jubiläum in 1884 erhielten  dort  etwa 1.000 Pfälzer die wissenschaftlich, technische Grundausbildung für ihr später erfolgreiches Leben, aber auch die Überzeugung eingeimpft, der brutalen Bayrischen Militärplicht auf jeden Fall auszuweichen. So wussten alle, dass man für 1.850 Gulden einen Ersatzmann gewinnen konnten, der für sie die Knochen hinhalten würde. (Bitte lesen sie hierzu den Artikel von Philipp Weigel * 29.1.1847),.

An bekannten Schülern nennt Jürgen Kedrigkeit in seinem Beitrag “Landrath der Pfalz” Michael Pfaff  für das Schuljahr 1836/37 und die Brüder Heinrich und Wilhelm Raab (1833 – 1837) als erfolgreiche Absolventen. (siehe Philipp Weigel * 29.1.1843) Weitere bekannte Persönlichkeiten sind Dr. Carl Andreas Glaser und Heinrich von Brunck, die Ehrenbürger von Kibo, siehe unten

Dr.  Carl Andreas Glaser, * 27.6.1841 Kibo, Ehrenbürger

brunck

(Foto aus Hans Döhn, a.a.O. S. 364)

Der Ehrenbürger Kirchheimbolandens, der  Chemiker Dr. Carl Andreas Glaser * 27.6.1841 in Kibo, †  25.7.1939 in Heidelberg, begraben in Mannheim. Von 1855 bis 1856 war er an der Gewerbeschule Kaiserslautern, danach studierte er an den polytechnischen Schulen in Nürnberg und München. Seinen wissenschaftlichen Feinschliff erhielt er bei Justus von Liebig und Adolph Strecker. Mehrere Patente tragen seinen Namen. Ab 1869 war er bei der BASF, wo er maßgeblich die Geschäftspolitik und Entwicklung bestimmte. Von 1912 bis 1920 war deren Aufsichtsratsvorsitzender.

Dr. Heinrich von Brunck * 26.3.1847 Ehrenbürger von Kibo

(Foto aus Hans  Döhn. a.a.0. S. 367)

brunck-2

Heinrich Brunck, * 263.1847 in Winterborn, Sohn des Landtagsabgeordneten Friedich Carl Brunck, besuchte im Schuljahr 1860/63 die Gewerbeschule in Kaiserslautern. Der  strebsame Heinrich Brunck war ab 1863 an der Fachschule für Chemie in Zürich. Ab 1865 studierte er in Genf und lernte sehr viel bei Friedrich August Kekulé, Wilhelm Körner und Carl Leverkus.

Ab 1869 arbeitete er noch bei der recht kleinen BASF. Zusamen mit  Friedrich Engelhorn, Carl Klemm, Heinrich Caro und Carl Andreas Glaser machten sie die BASF zum weltweit führenden Chemie-Unternehmen.  Von 1901 – 1906 war Brunck Generaldirektor der BASF, danach bis zu seinem Tod Aufsichtsrats-Vorsitzender.

Seine Bedeutung für Kibo: Heinrich von Brunck erwarb die gesamte ehemalige Schlossanlage, mit dem Schlossgarten und dem Ballhaus. Brunck ließ den ehemaligen Schlosspark mit 64 verschiedenen Baumarten zu einem englischen Garten anlegen. Der Schlosspark Kibo ist eine Attraktion.  Die Stadt Kibo erwarb das Ensemble für den symbolischen Preis von 1 Mark

folie55

siehe nächsten Beitrag: Philipp Weigel * 29.1.1843

 

Nächster Beitrag: Lateinschule