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Räuberbanden: Schinderhannes, Thomas Bückler, Nathan Schmaye

politisches Ziel des Präfekten Jeanbon St. André: Bekämpfung der Räuberbanden

Nicht nur Fahnenflüchtige und Kriegsdienstverweigerer machten Probleme. Massive Kopfschmerzen bereiteten die vielen Räuberbanden, aber auch Freischärler, die im Schutz der dunklen Nacht die französischen Sammellager leer räumten oder sie gar ansteckten. Der bekanntest war Johannes Bückler, genannt der Schinderhannes

Der franz. Staat errichtete auf Anweisung  des Präfekten Jeanbon St. André  an den Gerichtshöfen der Departementverwaltungen Sondergerichte ein (Cour de Justice Criminelle Spéciale), so auch in Mainz, das unter dem Vorsitz seines Gerichtspräsidenten Reebmann stand. Die Beisitzer waren die Herren Brellinger, Darousse, Constantin, Duesberg, Spinosa.. Im Oktober 1810 behandelte das mit 6 hochrangig besetzten Richtern und Generälen  an 9 neun Tagen die Straftaten Albisheimer Bürger in öffentlichen Sitzungen. Der Chef der kaiserlichen Staatsanwaltschaft übernahm persönlich die Anklage. Der  Generalstaatsanwalt Richter Tissat beschuldigte in seiner Anklageschrift vom 30. September den 93jährigen Nathan Schmaye, auch Schmaye Baruch genannt, als Wiederverkäufer Hehlerware gelagert, angeboten und verkauft zu haben. Erster Prozesstag war der 15.10.1810. Polizisten und andere Zeugen waren geladen, die seit Monaten begangenen, schweren Vergehen in der Gegend  zu erhellen und die wahren Täter namhaft zu machen.  Denn unter anderem  in der Nacht vom 7. auf den 8. September 1809 waren mehrere unbekannte Personen in das Lager in Harxheim eingebrochen und hatten es leer geräumt. Auf Grund von Hinweisen untersuchten die Polizisten das Haus des alten Mannes in Albisheim und fanden im ganzen Haus gestohlene Ware. Der Pflichtverteidiger wird wohl auf Nathan eingeredet haben, die Klappe zu halten und sich und andere nicht zu belasten. Aber der vielleicht bereits Demenzkranke packte aus und belastete seinen 33jährigen Enkelsohn Nathan Schmaye aus Albisheim, daran beteiligt gewesen zu sein.  Am 22. Oktober hielten Staatsanwalt und Verteidiger ihre Playdoyers  und das Gericht zog sich zur Beratung zurück. Am 24. Oktober war die Urteilsverkündung. Der Vorsitzende Reebmann verlas das Urteil, das gemäß der Akte Albisheim wie folgt begann:

„Urteil des Cour de Justice Criminell Spécilale beim Departement Donnersberg, eingerichtet durch Napoleon, durch Gottesgnade Kaiser der Franzosen  König von Italien, Beschützer des Rheinbundes, Friedensstifter der Schweizer Kantone wird Nathan Schmaye zur Todesstrafe verurteilt. Die Vollstreckung erfolgt auf dem öffentlichen Platz der Stadt Mainz“[1]

[1]) Diese Bericht steht im Sterberegister Albisheim von 1810, franz.

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