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Erwerb des Heyerhofes & der Otterberger Klostergüter in 1706

Die Geschichte der zwei Otterberger Klostergüter in Albisheim und Rüssingen ist uralt. Der große Klosterbesitz von über 260 Morgen in Albisheim stammte aus der Angst mittelalterlicher Adeliger, sie müssten nach ihrem Tod im Fegefeuer höllischen Qualen ausgesetzt sein. Deshalb übertrugen sie in über 20 Verträgen Teile ihres Grundbesitzes an das Kloster, unter Voraussetzung, dass nach ihrem Tod 2mal wöchentlich für ihre Seelenheil gebetet werden würde.  So kam nach und nach auch der 321 Morgen große Heyerhof in Otterberger Klosterbesitz geraten. Dann setzte aber die Reformation dem Aberglauben ein  Ende und der Kurfürst Ottheinrich löste das Kloster auf und verstaatlichte es. Diese und viele andere früheren klösterlichen Besitzungen waren auf einen Schlag kurpfälzisch geworden und lagen  damit im Nassau – Weilburgschen Staatsgebiet, das sich nach durch Zukäufe vor allem im Jahr 1613[1] arrondiert hatte. Der Heyerhof und auch die Otterberger Klostergüter  wurden seelsorgerisch von dem Lutherischen Pfarrer Albisheims Gräßer betreut, obwohl sie eigentlich Ausland waren, in dem abweichendes Recht galt. Das gab natürlich immer wieder Anlass zu Ärger, der erst am 15.4.1706 im Vertrag zu Düsseldorf durch Gebietsaustausch beendet werden konnte. Der Weierhof, auch Marnheim, Dreisen, der Froschauerhof und Bennhausen kamen zu Nassau-Weilburg, so dass dieser nassausche Fleckenteppich etwas geschlossener wurde. Den Vertrag schlossen Kurfürst Johann Wilhelm von der Pfalz, der fernab der Kriege in Düsseldorf residierte und der Graf Johann Ernst zu Nassau- Weilburg, der als kaiserlicher und kurpfälzischer Feldmarschall für Johann Wilhelm diente. Dieser Vertrag bekam die Bezeichnung Bolander Vertrag[2], weil der größte Posten des Handels das abgebrannte und ruinierte Schloss und das Dorf Bolanden betraf. Die Nassauer tauschten auch gleichzeitig noch den Besitz am Heyerhof und den großen Mönchhof (= Otterberger Hofgut) ein, dessen Pächter seit 1705 bereits der Mennonit Ullrich Ummel gewesen war.

[1]) Die Grafen Nassau-Weilburg hatten die restlichen 2/3 an der ehemaligen Pflege Albisheim erworben, von der sie schon bereits 1/3 hatten . Dem Grafen von Leiningen – Dachsburg – Falkenburg zahlten sie für sein Drittel 10.497 Gulden und  11 ½  Batzen und dem Freiherrn von Wallbrunn für das restliche Drittel 8.739 Gulden. Quelle: Wilhelm Ludt, Hochspeyer, die Geschichte eines Dorfes, Otterbach 1958, S.140 ff

[2]) Der Graf von Nassau- Weilburg trat 1706 an den Kurfürsten der Pfalz  dafür die weiter entlegenen die Rheindörfer Horchheim, Weinsheim, Wiesoppenheim, Roxheim, Bobenheim, Morsch, Leiselheim, Hochheim und Pfiffligheim ab. Dafür hatte  er vom Kurfürsten die zerstörte Burg Neubolanden mit dem damit verbundenen Amte, bestehend aus den Orten Bolanden, Marnheim und Dreisen samt dem Froschauerhof mit allen Zuständigkeiten und Rechten eingetauscht. Da aber der Graf mit 237 Gulden jährlichem Mehrbetrag einen wirtschaftlichen Vorteil erlangte, trat er zum Ausgleich seinen Anteil am Besitz Frankenstein, Hochspeyer und Dackenheim an die Kurpfalz ab. Quelle: Lehmann, Burgen und Schlösser der Rheinpfalz und Wilhelm Ludt, a.a.O.