Rheinbegradigung: Gottfried Tulla (von Detlef Uhrig)

tulla-3Rheinbegradiger Gottfried Tulla * 20.3.1770 Karlsruhe, Pfarrersohn

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Eigentlich sollte er auch Pfarrer werden, aber sein mathematisches und technisches Talent wurde frühzeitig erkannt. 1790 war als Geometer im Dienste des Markgrafen von Baden tätig, aber er wurde unmittelbar danach von seinen Aufgaben freigestellt. Er studierte an der Bergakademie in Freiberg/Sachsen und danach an der renommierten „École Polytechnique“ in Paris.  1797 nahm er seine Arbeit beim Markgrafen von Baden wieder auf, wo er als Ingenieur und Offizier Karriere machte und schließlich den Chefsessel des “Badischen Wasser- und Straßenbaus” bestieg. 1807 gründete Tulla die erste deutsche Ingenieurschule in Karlsruhe, aus der 1825 die Universität hervorging.

Tulla hatte sich intensiv mit den Folgen der alljährlichen Hochwasser am Rhein, Necker und einigen Nebenflüssen beschäftigt. Im Winter 1801/1802 überflutete der Rhein in Baden allein 252 Quadratkilometer Ackerland, was zu erheblichen Ernteausfällen geführt hatte.. 1809 legte Tulla erste Pläne zur Rheinbegradigung vor, die eine

  • Verbesserung des Hochwasserschutzes
  • Trockenlegung der Sümpfe und
  • Gewinnung von Acker- und Siedlungsflächen

vorsahen. Die Aspekte  der verbesserten Rheinschifffahrt und der Malaria-Bekämpfung spielten damals bei ihm  keine Rolle

Die Diskussion mit preußischen, hessischen und französischen Regierungsstellen löste nicht deren Ablehnung. Tullas Pläne stießen bei den betroffenen Bauern und Fischern entlang des Flusses auf heftigsten Widerstand. Sie befürchteten die wirtschaftlichen Folgen des Eingriffs in die Naturlandschaft. Gegen ihren Willen wurden Tullas Pläne ab 1817 zum Teil mit Waffengewalt verwirklicht. Seine Maßnahmen gaben dem Oberrhein ein vollkommen anderes Aussehen. .

Gottfried Tullas Ziel war es, den verästelten und mäandrierenden Strom auf ein Hauptbett zu konzentrieren. 1817 begannen bei Knielingen mit Schaufeln und reiner Muskelkraft die Bauarbeiten. Die Bauarbeiter hoben einen 25 m breiten und 6 m tiefen Kanal aus. Die Mäander wurden abgeschnitten und das durch den Kanal strömende Wasser erweiterte das Flussbett auf 240 m. Gleichzeitig wurde der “neue Rhein” durch Hochwasserdämme gesichert. Als nach sieben Jahren bei einem großen Hochwasser die begradigten Gebiete wie geplant von Überschwemmungen verschont blieben, fand Tulla mehr Zustimmung und die weiteren Arbeiten wurden beschleunigt.

Gottfried Tulla hatte sich bei seinen Arbeiten durch die Stechmücken an Malaria angesteckt. In Paris suchte er Heilung, wo er aber  am 27.3.1828 starb. Seine letzte Ruhestätte fand er  auf dem Friedhof Montmartre

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