Baron Jeanbon de St. André

Baron Jeanbon de St. André, Präfekt  1.12.1801 – 1813, bedeutender Politiker, der Großartiges für unsere Region leistete

Baron Jeanbon de St. André, * 25.2.1749 Montauban, † 10.12.1813 an Typhus in Mainz. war seit 1801 Präfekt des Donnersbergkreises mit Sitz in Mainz. Er initierte und setzte die vielen modernen Verordnungen durch, die unsere Region zum administrativen Vorbild machte.

Lebenslauf des Jeanbon de St. André (Präfekt Jeanbon – Ingelheimer Geschichte)

“André Jeanbon“, wie er mit seinem Taufnahmen hieß, wurde am 25.02.1749 im südfranzösischen Montauban (ca. 50 km nördlich von Toulouse) als zweiter Sohn einer wohlhabenden hugenottischen Kaufmannsfamilie geboren. Da die offene calvinistische Religionsausübung damals noch verboten war, musste die Familie ihren Glauben eher versteckt leben. Jeanbon besuchte die höhere Schule, das örtlichen Jesuitenkolleg.

Weil sein älterer Bruder das elterliche Geschäft übernahm, begann André nach dem Schulabschluss eine Ausbildung als Seemann in Bordeaux und stieg auf bis zum Kapitän in der Handelsmarine. Diese seemännischen Laufbahn gab er jedoch nach drei Schiffbrüchen, bei denen er all sein Kapital verlor, wieder auf, studierte stattdessen im schweizerischen Lausanne reformierte Theologie und trat 1773 eine Pfarrerstelle in Castres (Dep. Tarn) an sowie nach dem Toleranzedikt für die Hugenotten in Montauban (bis 1790).

Im Jahre 1778 heiratete er mit 29 Jahren Marie de Suc, aber die Ehe blieb kinderlos, und das Ehepaar lebte später dauernd getrennt. Von anderen Frauen ist aus Andrés Leben nichts bekannt. Nach Mainz ließ er seine blinde und kränkliche Schwester kommen, desgleichen zwei Neffen, einmal Jean Marie Belluc, den er schon einige Jahre an seiner Seite hatte. Den machte er zum Direktor des staatlichen Tabakmonopols in Speyer. Belluc heiratete die Schwester des Mainzer Geschichts-Professors Bodmann. Ihre Tochter wurde von André als Alleinerbin eingesetzt. Auch einen zweiten Neffen, Raimond Jeanbon, holte André nach Mainz und machte ihn zum Beamten der Mainzer Behörde für die Schifffahrtsgebühren. Er sorgte also für seine Familie.

Nach dem Ausbruch der Revolution 1789 entstanden Unruhen in Montauban, sodass er zuerst nach Bordeaux floh und erneut seinen Lebensschwerpunkt wechselte, indem er begann, sich politisch zu betätigen. Nach seiner Rückkehr nach Montauban wurde er Vorsitzender des örtlichen Jakobinerclubs, der “société populaire”. In der Folgezeit bestimmte die Politik bis zu seinem Tode völlig sein Leben, er wurde Gemeindebeamter in Montauban und ließ sich am 6. September 1792 als Abgeordneter in der Nationalversammlung in Paris wählen, deren Präsident er sogar kurzzeitig wurde (vom 11. bis 25. Juli 1793).

Nachdem er sich zuerst den gemäßigten Girondisten angeschlossen hatte, wurde er bald radikaler Parteigänger des führenden Jakobiners Robespierres, stimmte im Januar 1793 für die Todesstrafe für den französischen König und wurde Mitglied des berüchtigten „Wohlfahrtsausschusses“, aber auch des „Marinekomitees“. Hauptsächlich befasste er sich nun mit der Reorganisation der französischen Marine.

Sein Lebensstil blieb einfach und bedürfnislos: „Er galt als einer der hervorragendsten Redner der Nationalversammlung und als einer ihrer engagiertesten Arbeiter. Der französische Historiker Hippolyte Taine beschrieb ihn später in dieser Lebensphase wie folgt: ‘…er hat Holzschuhe und eine wollene Jakobinerjacke an, isst ein Stück hausbackenen Brotes, trinkt ein Glas schlechten Bieres und schreibt und diktiert, bis ihm die Kräfte versagen; dann wirft er sich, um zu schlafen, auf eine am Boden liegende Matratze‘.“ (wikipedia Jeanbon, 09.08.11)

Im Sommer 1793 wurde er zum den Revolutionstruppen in den Norden und Osten Frankreichs (Ardennen, Rhein und Mosel) geschickt, um diese nach den Niederlagen jenes Jahres wieder zu ermutigen. Im September 1793 übernahm er eine Mission in den französischen Kriegshäfen Brest und Cherbourg, wo er sich um die Organisation der Schifffahrsschulen bemühte. Er wurde sogar Befehlshaber einer französischen Flotte, die einen US-amerikanischen Schiffskonvoi mit Waffen für die Revolutionäre gegen englische Angriffe schützen sollte. Anschließend wurde nach Südfrankreich geschickt, um sich im Militärhafen Port-la-Montagne bei Toulon um den Wiederaufbau einer Flotte zu kümmern.

Die Abwesenheit von Paris während des Sturzes der Terrorherrschaft rettete ihm (als Parteigänger des hingerichteten Robespierres) wahrscheinlich das Leben; er wurde jedoch nach seiner Rückkehr nach Paris am 28.05.1795 verhaftet und bis in den Oktober in Haft gehalten. Dort im Gefängnis hat ihn der gleichfalls verhaftete Präsident des Wohlfahrtsausschusses, der berühmte Maler Jacques-Louis David, gezeichnet (Bild – aus wikipedia – heute im Art Institute of Chicago). Durch eine Generalamnestie kam er frei und wurde kurz danach zum französischen Konsul ernannt, im osmanischen Algier und ab 1798 in Smyrna (heute Izmir). Nach dem Angriff Napoleons auf das damals osmanische Ägypten wurde er in Izmir als Feind verhaftet und in eine dreijährige Internierungshaft am Schwarzen Meer (Kerasunt/Giresun) geschickt.

Seine Leistungen:

  • Konsequente Bekämpfung der Kriminalität, spektakuläre Fälle wie des Johannes Kübler = Schinderhannes, Gefangennahme 31.5.1802, Hinrichtung 1803 in Mainz

  • 1805/1806: Versteigerungen des adeligen, fürstlichen, bischöflichen und erzbischöflichen  Vermögens (Säkularisierung)

  • Konkordat mit Kirchen über Finanzierung der bischöflichen Gehälter. in 2017 = 9.000 €

  • 1809: Einrichtung der Handelskammer (IHK); 25.3.1811: Einführung der Zuckerrübe in der Pfalz

1795 gemalt von Jacques Louis Stade, jetzt in “Art Institute of Chicago”. sein Lebensweg aus: Präfekt Jeanbon – Ingelheimer Geschichte”

Jeanbon schrieb am 29.8.1809:

“die Antwort, mein Herr, auf Ihren Brief vom 25ten dieses Monats, ich will bestätigen, dass der genannte Jacob Grafenberger von der Gendarmerie verhaftet wurde, bevor er bei seiner Einheit eintraf. Es ist mir unmöglich, die Strafen zurückzunehmen, die er bei der Verfolgung erlitten hatte. Diese Tatsache ist ein Zeichen für die Betroffenen, dass sie freiwillig zu ihren Einheiten zurückkehren müssen. Ich habe die Ehre  Sie zu grüßen. Jeanbone D. Andre

Sein Grab auf dem von ihm gegründeten Friedhof Mainz

 

“Unter diesem Monument, einfach wie er, in Mitte derer, die er umsorgte, in dem gesegneten Asyl seiner Obhut,  ruht J.B. Baron des St. André, Präfekt des Departement Donnersberg, Offizier der Ehrenlegion, gestorben am 10.12.1813”

Hinweis: Damals starben massenweise franz. Soldaten an Typhus, die rings um sein Grabmal ihre letzte Ruhestätte fanden

Kibo 1813: an Typhus gestorbene franz. Soldaten/ Polizisten

8.11.1813  in der Kaserne Kibo, Haus 230  Jean Francois Fargner,  Soldat in Montpellier,  21 Jahre alt, Zeugen: Friedrich Usner,  Adam Scherer,  alle wohnten in Kibo.

9.11.1813 starb in der Kaserne Kibo der Soldat Thomas Duerot ,  29 Jahre alt,  S. d. Francois Duerot in Frankreich, Zeugen: Friedrich Usner,  Adam Scherer,  alle wohnten in Kibo.

9.11.1813  starb morgens um 8 Uhr in der Kaserne Nr. 230,  der Soldat Noel Pignatel, 20 Jahre alt,  S. d. Lazare Pignatel und der Francoise geb. Magnan.  Zeugen: Friedrich Usner,  Adam Scherer,  alle wohnten in Kibo.

14.11.1813 starb morgens um 7 Uhr in der Alleestr. 42, der Offizier Landrian  Bandel,  18 Jahre alt,  Zeugen: Carl Gießen, Franz Klag,  alle wohnten in Kibo.

26.11.1813 starb  Andonaire Johann Baptist,  † morgens um 6 Uhr in der Allee Nr. 20,  20 Jahre alt,  Zeugen: Johannes Hausmann, Weber, Franz Heidloff, Gastwirt,  alle wohnten in Kibo.

24.11.1813 starb  Ferole  Bozguet,  † nachmittags um 3 Uhr in der Vorstadt Nr. 57, Brigadier der Gendarmerie, 51 Jahre alt,  Zeugen: Johannes Kiefer, Georg Philipp Kraus,  alle wohnten in Kibo.

3.12.1813 starb mittags in der Kaserne in Kibo, Haus # 230 der Soldat Sebastian Guyon  , 22 Jahre alt,  S. d. Sebastian Guyon und der Jeanne geb. Buchong aus Kanton Amerville.  Zeugen:  Adam Scherer, Taglöhner, Georg Philipp Kraus,  alle wohnten in Kibo.

3.12.1813 starb morgens um 7 Uhr im Haus 57 der Vorstadt Jean Pexel,  Gendarm imperial in Kibo,  Zeugen: Johannes Kiefer, Georg Philipp Kraus,  alle wohnten in Kibo.

9.12.1813 starb um 22 Uhr in der Prinzengasse 259; Francois Cornibert,  44 Jahre alt, Gendarm in der Brigade Alzey,  S. d. Francois Conibert und der Johanna geb. Belonon.  Zeugen: Philipp Brandstedt, Johannes Becker, Privatmann,  alle wohnten in Kibo.

14.12.1813 starb morgens um 6 Uhr in der Vorstadt Jean Jacques Iltis,  Gendarm imperial, 32 Jahre alt, Zeugen: Georg Philipp Kraus, Johannes Rieffert,  alle wohnten in Kibo.

November und Dezember 1813 in Kibo gestorbene Leute,

November 19 Sterbefälle,

Dezember 94 Sterbefälle,

die Seuche klang erst im Frühsommer 1814 ab.