Lehrer Georg Friedrich Casimir Reisenberger

Undank ist der Menschen Lohn, (geschrieben von Casimir Reisenberger

Am Sonntag, den 9. Januar 1780 besuchte ich nach dem nachmittäglichen Kaffee meinen guten Freund, den katholischen Schulmeister und Gerichtsschreiber Meisenberger in Zell. Dies war der einzige Spaziergang, den ich allerdings öfters unternahm. Denn wir unterhielten uns gerne über alles Mögliche und spielten oft Klavier miteinander. Auf der Straße traf ich den hiesigen Einwohner Conrad Mann. Er sagte, er hätte bei dem Hirschwirten von Zell eine Quittung abzulegen. Wir gingen und ich stattete meinen Besuch ab und nötigte den Conrad Mann, mit mir zum Schulmeister zu gehen. Der Abend brach schnell herein, denn diese Wintertage waren sehr kurz. Conrad Mann erinnerte mich an meine Zusage, mit ihm zum Gasthaus >Zum Hirsch< zu gehen und dort die Quittung zu schreiben. Danach wollten wir gemeinsam nach Hause zurückkehren. Wir gingen also in den Hirschen und tranken en passant nur eine einzige Flasche Wein zusammen. Dann kam ein ziemlich berauschter Mann (Friedrich Barden) an unseren Tisch und fragte uns, ob wir bald zurückgingen. Er wolle mit uns bis nach Einselthum gehen. Da wir nichts dagegen hatten, ging der Fremde auch mit. Als wir an der frischen Luft und aus Zell heraus waren, fiel der Fremde zur Erde und stand wieder auf, stürzte wieder und blieb liegen. Wir waren etliche Schritte voraus gegangen und ich sagte zu Conrad Mann, wir müssen dem Fremden aufhelfen und mitnehmen, denn bei dieser eisigen Kälte würde er liegen bleiben und erfrieren. Conrad Mann blieb stehen, während ich zurückging und dem Fremden aufhalf und an den Armen fortschleppte. Der Fremdling schien sich zu erholen. Plötzlich fing er an, Grobheiten und Frechheiten gegen mich heraus zu schreien. Er schrie, vor einem Jahr hätte man in Albisheim tüchtig abgeprügelt und er werde sich rächen. Als sie in der Höhe von Einselthum waren, stolperte der Mann den Berg hinauf und die Nacht verschluckte ihn

Lehrer Reisenberger und Mann gingen dann in Richtung Albisheim weiter. Unterwegs seien sie von zwei Jungen eingeholt und dann von ihnen brutal traktiert worden. Die zwei hätten sich als Sohn und Neffe des Barden herausgestellt und hätten gemeinsam auf sie eingeprügelt.

Am nächsten Tag erhoben Lehrer Reisenberger und Conrad Mann Anklage beim Gericht und Gerichtsfauth (= Amtmann) in Einselthum, der den Fall sofort verhandelte. Zur Verteidigung ihres Mannes und Kinder sprach nur Frau Barden. Sie erklärte, ihr Mann würde keinen Wein vertragen und würde schon nach wenigen Schlücken grob und ausfallend werden. Sie flehte weinend um Verzeihung und bat angesichts ihrer vielen Kinder, ihren Ehemann nicht zu bestrafen, denn der wüsste nicht, was er angerichtet hätte. Daraufhin ließ das Gericht nochmals Milde walten und verhängte  eine Geldstrafe und sprach den Geschädigten einen Schadensersatz  von zusammen 10 Gulden und 20 X aus, die von Frau Barden sofort bezahlt wurden. Der Gerichtssprecher drückte sehr deutlich aus, dass beim nächsten Vorfall Friedrich Bardon zur Besserung in das Burgschloss in Alzey eingeliefert werden würde.

Casimir Reisenberger war ein Freigeist, ein Liberaler

der sich mit den Idealen der Französischen Revolution identifiziert hatte. Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Als die franz. Revolutionstruppen unter St. Cyr in die Nordpfalz einmarschierten, dürfte Casimir wohl öffentlich den Wandel begrüßt haben und die Zeit ohne Fürstenherrschaft als Ideal angesehen haben. .Doch nach der Isolierung der franz. besetzten Festung Mainz kehrte Fürst Friedrich Wilhelm von Nassau-Weilburg am 31.3.1793 prompt wieder nach Kibo zurück und wurde stürmisch empfangen;  die alte Verwaltung nahm wieder ihren Dienst auf. Herr von Gagern verfasste nachstehendes Dankschreiben: Freih

Nachdem die französischen Truppen aus Mainz abgezogen waren, wurden die dortigen Revolutionäre hart bestraft und Lehrer Reisenberger wurde aus dem Schuldienst entlassen

4.9.1793 Entlassung des Lehrers Casimir Reisenberger

Der Herr Inspektor Hahn in Kirchheim schrieb:” Die Entsetzung des Schulmeisters Casimir Reisenberger von dem Schulamt zu Altisheim betreffen: Nachdem besagter Casimir Reisenberger nach einer vom fürstlichen Amt zu Kirchheim publizierten Urteil wegen der ihm gelegentlich der französischen Vergewaltigungs-Periode zur Last kommenden Vergehen seins Schulamts entsagt worden. So hat der Herr Inspektor wegen der Wiederbesetzung dieer Stelle förderlich zu berichten, Weilburg, den 4.9.1793,

Wiederbesetzung der Lehrerstelle Albisheim:

Nachdem Weilburg dem Casimir Reisenberger gekündigt hatte, wurde das Oberamt in Kirchheim aktiv. Mit dem Schreiben vom 28.9.1793 unterbreitete es dem „Kultusministerium“ (= Consistorialamt) in Weilburg mehrere Besetzungsvorschläge. Das Oberamt hob hervor, dass etliche Angesprochene abgewunken hätten, weil die Albisheimer Bezahlung viel zu schlecht sei. Dazu zählten die Lehrer Klingenschmidt aus Bischheim und der frühere Albisheimer Lehrer Küstner, der nun in Rüssingen tätig war.

Das Oberamt war der Meinung, dass die beiden Schullehrer Conrad aus Sippersfeld und Baum aus Breunigweiler die geeigneten, aktiven Männer wären. Regierungsrat Hahn hebt hervor, er würde den zweiten bevorzugen, da er eine hohe Lehrergeschicklichkeit hätte. Außerdem hätte er eine gute Gesangsausbildung, die bei den vielen Kirchenversammlungen von Vorteil wäre. Zudem könne er die Orgel schlagen, wozu er in Breunigweiler bisher keine Gelegenheit gehabt hätte. In Baum würden sich alle positiven Eigenschaften des guten Schulmannes, eines geübten Sängers und Orgelschläger vereinigen, allerdings müssten die Lehrerbezüge auf 30 Gulden  erhöht werden.

Doch Weilburg entschied anders. Mit Schreiben (Urkunde XXII N° 69) vom 11.10.1793 teilte das Hochfürstliche Consistorium in Weilburg dem Pfarrer Kayser mit, dass ab sofort  Johann Peter Ewald[1] das Lehramt in Albisheim übernehmen würde. Irgendwie hing Reisenberger an seinem Job und sah nicht ein, dass man ihn rausschmiss. So räumte er erst nach Gewaltandrohung am 5. November 1793 das Albisheimer Schulhaus (Mitteilung des Pfarrer Kaysers, Akt XXII N° 70).

Sein Nachfolger J.P. Ewald stammte aus Nierstein und übte bis bis zu seinem Tod im Jahr 1819 das Lehramt aus. Lehrer Ewald profitierte von den Neuerungen in Albisheim. Bis 1808 bezogen die Albisheimer Schullehrer, so auch Lehrer Ewald 14 Korn von der Administration der Universität Heidelberg, die auf der Gemarkung Albisheim seit dem Mittelalter mehrere Äcker besessen hatte. Nach der Versteigerung bekam Lehrer Ewald einen Ausgleich durch die Gemeinde und das Kirchengefälle[2].  Die neue Kirche ist ein architektonisches Kleinod und erhielt als dominierendes Bauwerk auch eine neue Turmuhr, deren Bedienung nach einer Einarbeitungszeit Johann Peter Ewald übertragen wurde. Nun erklang automatisch viertelstündlich die Kirchenglocke und sagte den Bürgern an, welche Stunde es geschlagen hatte. J.P. Ewald bekam 1810 dafür von der Gemeinde zusätzlich vier Malter Korn. Dies wissen wir aus dem Schreiben des neuen Pfarrers P.A. Baltz vom 7.2.1810. Baltz schlug auch dem damaligen Bürgermeister Papst vor, dem Lehrer Ewald neben den Sachbezügen von 26 Maltern weitere 26 Gulden zu gewähren[3].

[1]) Joh. Peter Ewald, * 1749 in Nierstein laut Sterbeurkunde, 15.11.1819 im Alter von 79 Jahren, oo Christina Frey

[2]) Schreiben des Pfarrer Baltz vom 7.2.1810 an den Bürgermeister und den Municipalrat , XXII N° 78

[3]) In den Unterlagen befindet sich der Beleg XXII # 76, in dem Lehrer Ewald am 18.12.1808 den Empfang von 16 Gulden quittiert.