Lateinschule, später Progymnasium, von Detlef Uhrig

Lateinschule  Kibo: 1835 – 1894

Die Lateinschulen wurden von den Bayrischen Bildungspolitikern favorisiert, sehr zum Leidwesen der Pfälzischen Landräten. die lieber an der Praxis, Technik, ‘Naturwissenschaft  ausgerichtete Schulen mit Französisch gesehen hätten.  Sie sagten, die Lateinschulen beschäftigen sich zu sehr mit toter Materie.

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1835 Wiedereröffnung der Lateinschule, Träger wurde die Stadt Kibo. Erster Schulleiter bis 1849 war Dr. Carl Alois Fischer:

1. Dr. Carl Alois Fischer (Familienbuch # 6462)  heiratete;

10.11.1842  Dr. Carl Alois Fischer, * 29.11.1803 in München,  38 Jahre alt,  “Subdirektor” der Lateinschule in Kibo,  wohnhaft in Bischheim,   S. d. Johann Michael Fischer,  † 23.3.1835 in Ansbach in Bayern,  Gerichtsbote in Ansbach,  u. Henriette, geb. Hohl,  74 Jahre alt; mit Franzisca Fabel, * 25.8.1823 in Odernheim ,  Kanton Obermoschel,  19 Jahre alt,   T. d. am 3.3.1839 † Friedrich Jacob Fabel,  Rentner dort wohnhaft gewesen,  u. der am 30.4.1827 † Juliana, geb. Böckler,  Odernheim;  die Großeltern väterl. Seite: Johann Nicolaus Fabel,  † 5.5.1801 in Gaugrehweiler,  u. Charlotta Friederica, geb. Simon,  † 11.8.1910 ebenda;  Großeltern mütterl. Seite: Friedrich Böckler,  † 9.10.1837 in Zotzenheim † Friederica, geb. Bentz;  Trauzeugen:  1.) Theobald Ritter,  Posthalter,  50 Jahre alt; 2.) Friedrich Theodor Wantzel,  Revierförster,  56 Jahre alt; 3.) Philipp Christian Fischer,  Gutsbesitzer,  66 Jahre alt;  4.) Caspar Heim,  Steuerkontrolleur,  44 Jahre alt;  alle sind guter Freunde in Kibo

Die Familie Fischer bekam 6 Kinder: 1. Julia Tusnelda Fischer * 24.8.1843, (2.) Friedrich Alois Arnim fischer * 21.9.1845, (3.) die Zwillinge Carl Fischer * 18.2.1846, (4.) Ludwig Fischer, beide Kinder starben am 16.4.1846, (5.) Ludwig Wilhelm Fischer * 16.4.1846 und (6. Ernst Wilhelm Ludwig Fischer * 19.5.1849.

Die Revolution in Kibo und an der Lateinschuld Kibo

(Bericht von Carl Thieme aus Otto Fleischmann, Geschichte des Pfälzischen Aufstandes im Jahre 1849, S. 232 ff.

„Es ist nicht zu verwundern, dass durch die Aufwiegelungen von Demagogen selbst in dem sonst ruhigen, ordnungsliebenden Kibo die Leidenschaften der ärmeren Bevölkerung gegen die Besitzenden so entflammt und Neid und Klassenhass erzeugt wurden, dass eine bedenkliche Gährung sich kundgab und ein umlaufendes Gerückt einer bevorstehenden Plünderung nicht jeden Grundes zu entbehren schien.

Am Anfang waren es meistens bloß die die Heißsporne und Unzufriedene jeder Art, die sich durch die Bewegung fortreißen ließen. Nach und nach fanden aber die Revolutionsgedanken auch in den Köpfen gesetzter und in den besten Verhältnissen  lebender Männer Einlass. Manche königliche Beamte in angesehener Stellung und mit guten Einkünften schlossen sich der Revolutionspartei an, da ihnen für den Fall des Gelingens des tollkühnen Unternehmens glänzende Aussichten auf die Erlangung hoher öffentlicher Ämter gemacht worden waren.  Viele Staatsdiener verscherzten auf diese Art ihre ganze Existenz und gerieten nach Wiederherstellung des status quo mit ihren Familien in das größte Elend.

Eines der traurigsten Beispiele solcher verfehlter Hoffnungen und Bestrebungen lieferte das Schicksal des Studienlehrers Knoll an der Lateinschule Kibo. Da derselbe infolge persönlicher Differenzen mit dem Subrektor Carl Alois Fischer mancher Kränkung  von diesem seinem Vorgesetzten zu erdulden hatte, ließ er sich von den lokalen Revolutionsführern verleiten, die Stelle des Subrektors zu usurpieren, anstatt die Schule zu schließen, nachdem der loyale Subrektor Fischer aus Furcht vor angedrohten Gewalttätigkeiten in die Festung Mainz geflüchtet war, in der viele andere königstreue Beamte Zuflucht gefunden hatten.

An der Lateinschule Kibo ging es während des Regimes Knoll lustig zu. Knoll konnte wegen seiner allzu großen Nachsicht und Energielosigkeit und seines Mangels an pädagogischen Takt bei den stets zu tollen Streichen aufgelegten Jungen ganz und gar keinen Respekt verschaffen. Von einem regelmäßigen Schulbesuch oder gar von dem Ausarbeiten von Hausaufgaben war keine Rede mehr. Jeder kam und ging, wann es ihm beliebt und machte wozu er Lust hatte.

Einen schönen Morgens kam der Herr Subrektor Carl Leonhard Knoll zur Lateinschule, die sich damals über dem Torweg in Richtung Schlosshof befand (heute Stadtbibliothek). Er war sehr erstaunt, dass die Tür von innen zugesperrt fand, obwohl innen ein Höllen Spektakel los war. Da die Schüler nicht freiwillig aufmachen wollten, drohte Knoll mit der Polizei. Als die Jungen das Wort „Polizei“ hörten, wurden sie Hand zahm und räumten die Barrikaden von innen weg. Knoll stürmte in den Saal zu seinem Pult, holte den gewaltigen Haselstock hervor, mit dem er wie gewöhnlich mit einem Anfall von Prügelwut auf den aller unschuldigsten und schüchternsten Jungen unbarmherzig drauf schlug.

Danach kam es gegen über dem Lehrer Knoll zu einem Aufruhr, so dass Knoll die Schule abschloss und verschwand.

Carl Leonhard Knoll * 1811/12 oo Mathilde Marianna Elisabetha Preys, * 1822, seine Kinder: geboren in Kibo: Heinrich Knoll * 11.4.1847, Anna Knoll * 11.3.1848

3. Lehrer August Reinhardt

August Reinhardt, * 1813/1* in Weltershausen Amt Coburg Gotha, S. d. † Heinrich August Reinhardt u. Sophia Elisabetha geb. Habicht, Kaufleute , war Subdirektor, seine Ehe mit Carolina Rosalia Stetefeld wurd am 5.4.1863 in Kaiserslautern geschieden.  August Reinhardt starb am 4.5.1870;

4. Carl Ludwig Wantzel * 10.3.1811,  S. d. Pfarrers Friedrich Ludwig Wantzel, 37 Jahre alt, u. Sophia, geb. Uhrhan von Kibo, war einige Zeit als Lehrer tätig, bevor er als Pfarrer berufen wurde.

1852: Carl Aign verheiratet mit Babette Rameder, Lehrer an der Lateinschule

1854: Otto Georg Sand, Subrektor an der Lateinschule oo Friederica Doris Cäcilie Sophia, geb. Holler

Franz Böhm: * 5.9.1825 Kindenheim, Lehrer an der Lateinschule, gab obiges Inserat auf:

Studienlehrer an der Lateinschule, Sohn des Pfarrers Philipp Jacob Böhm und der Magdalena Bayer: heiratete am 18.9.1856 Susanna Clara Seiler * 15.5.1836, Tochter des Carl Philipp Seiler und der Carolina Kehly. (Albisheim 2147 oo Kibo # 195734) die standesamtlichen Akten verzeichnen nur 1 Geburt: Emma Carolina Böhm * 20.11.1859.  Susanna Clara Seiler † 2.6.1863; 

Franz de Paul de Lengfehlner, *  in Wegscheid; verheiratet mit Wilhelmina Ertl, * 1837, Zwei Kinder * in Kibo

 

Kinder 1.) 22.12.1866 vormittags um 11 Uhr geboren   Franz Georg Joseph Lengfehlner, ( 2.) 29.3.1868 nachts um 2 Uhr geboren Wilhelmina Lengfehlner,

9.9.1875 Hochzeit des  Johann Lorenz Bartenstein, * 6.2.1843 in Erlangen,  32 Jahre alt,  Studienlehrer an der Lateinschule Kibo   S. d. Matthäus Bartenstein,  Nagelschmiedemeister 64 Jahre alt,  u. Clara Kunugunda, geb. Haag,  72 Jahre alt,  beide in Erlangen wohnhaft; oo Maria Carolina Louisa, geb. Regnault, * 20.2.1853 in Landstuhl,  22 Jahre alt,   T. d. Carl Ludwig Regnault,  Tierarzt in Kibo,  54 Jahre alt,  u. Susanna, geb. Desdreux,  47 Jahre alt,  beide in Kibo wohnhaft;  Trauzeugen: August Adolph Regnault,  Stadtschreiber in Speyer,  ein Onkel der Frau,  45 Jahre alt; Johann Marzahll,  Rektor in Kaiserslautern,  ein Onkel der Frau,  43 Jahre alt;  Robert Feil,  Tierarzt u. Geschwisterkind mit der Frau in Eisenberg,  29 Jahre alt;  Stephan Zimmer,  Tierarzt in Kibo,  23 Jahre alt.

Die standesamtlichen Akten verzeichnen nur ein Kind: 17.9.1882 morgens um 8.30 Uhr geboren, gestorben am 28.12.1882  Alfred Hugo  Johann Bartenstein,

Johannes Oertel,

* 31.10.1852 in Bruckberg/Landshut,  Studienlehrer an der Lateinschule in Kibo,  prot. Rel.  S. d. Johann Georg Oertel,  Schullehrer,  u. Kunigunda Babetta, geb. Späth,  beide aus Lichtenau, Landkreis Ansbach; oo 20.8.1881  Sophia Reinheimer, * 14.10.1862 in Kibo,  prot. Rel.  T. d. Jacob Reinheimer,  Ökonom u. Rentner in Kibo,  oo 30.8.1860 Margaretha geb Hasselbach,  beide in Kibo wohnhaft;  Trauzeugen: die Väter der Brautleute Jacob Reinheimer * 18.3.1831, Ökonom u. Rentner in Kibo,  50 Jahre alt; Johann Georg Oertel,  Schullehrer in Lichtenau,  59 Jahre alt ( oo # 16250)

Dr. Hermann Wilhelm Braun, Studienlehrer an der Lateinschule in Kibo verheiratet mit Johanna Paulina Emilia Abigail Cäcilie, geb. Pfaff,  Ihre 4  Kinder

1.)  Gottfried Braun,  *  11.6.1886 nachmittags um halb 7 Uhr,

2.) Wilhelm Braun  *27,6,1888 morgens um 6 Uhr,

3.)  Braun  Auguste,  *5.11.1889  morgens um 6 Uhr,

4.) : Braun  Agnes,  * 4.4.1892 nachts um 1 Uhr,

Carl Müller,  “Studienlehrer”

an der Lateinschule, verheiratet mit Julia Schäffer, katholische Familie: ihre 2 Kinder  1.) * 14.8.1889  Maria Elisabetha Müller,  * morgens um 4 Uhr, † 13.10.1976 in Moosburg an der Isar

(2.) * 30.5.1891  Hermann Valentin Joseph Müller,  * nachts um 1 Uhr, † 3.2.1973 in Moosburg an der Isar.

15.9.1893 morgens um 8 Uhr geboren Wilhelm Haaf,  († 2.9.1947 in Radolfzell )  S. d.  Johannes Haaf, Studienlehrer in Kibo, u. Anna Barbara, geb. Dennhard,  beide sind kath. Rel. in Kibo

1894: Johannes Jeckel, Schuldiener  an der Lateinschule in Kibo, prot. Rel. u. Catharina, geb. Dirigo,  kath. Rel. in Kibo.

 

Bartenstein Johann Lorenz * 6.2.1843 Erlangen, Studienlehrer an der Lateinschule, später Progymnasium

Sohn des Matthäus Bartenstein,  Nagelschmiedemeister 64 Jahre alt,  u. Clara Kunigunde, geb. Haag,  72 Jahre alt,  beide in Erlangen wohnhaft; oo  9.9.187Maria Carolina Louisa Regnault, * 20.2.1853 in Landstuhl,  22 Jahre alt,   T. d. Carl Ludwig Regnault,  Tierarzt in Kibo,  54 Jahre alt,  u. Susanna, geb. Dedreux,  47 Jahre alt,  beide in Kibo wohnhaft;  Trauzeugen: August Adolph Regnault,  Stadtschreiber in Speyer,  ein Onkel der Frau,  45 Jahre alt; Johann Marzahll,  Rektor in Kaiserslautern,  ein Onkel der Frau,  43 Jahre alt;  Robert Feil,  Tierarzt u. Geschwisterkind mit der Frau in Eisenberg,  29 Jahre alt;  Stephan Zimmer,  Tierarzt in Kibo,  23 Jahre alt.

 

 

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