1832: Hambacher Fest

Das Hambacher Fest: 27.5.1832

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In Kibo trafen sich sonntags nach dem Gottesdienst die Männer zum Frühschoppen, während die Frauen brav heimgingen, um das Sonntagsmahl zu kochen. Dies war hier im Süd-Westen überall üblich. Natürlich wurde getrascht, aber hier im Südwesten war viel zu diskutieren, zu lamentieren, denn den Menschen brannten die Probleme unter den Nägeln. Zentraler Diskussionsort war das ideal gelegene Gasthaus „Zur Neuen Post“, Neue Allee- nur wenige Schritte von der Paulskirche, der Peterskirche und der Synagoge entfernt.  Inhaber: Joh. Theobald Ritter,  Posthalter und Gastwirt

Worüber wurde laut geschimpft, lamentiert? Das war die beschissene wirtschaftliche Rezession nach dem Untergang des Napoleonischen Kaiserreiches in 1815. Die Zugehörigkeit zum Königreich Bayern ab 1816 brachte eine wirtschaftliche Isolation durch die neue, unerbittliche Grenze vor der Haustüre, zu Rheinhessen, die jeden wirtschaftlichen Aufschwung ausbremste. Die Menschen arbeiteten wie verrückt und kamen dennoch auf keinen grünen Zweig. Zudem der verflucht brutale bayrische Militärdienst in den Festungen Landau und Germersheim, der die  die Psyche zerstörte, Die jungen Soldaten hatten mehr Angst vor ihrem Ausbilder, als vor dem Tod.  Massenweise packten die Nordpfälzer, die Kerchemer ihren Krempel, um dem Elend der Armut, der Unterdrückung zu entfliehen. Sie wanderten i.d.R. über Le Havre bzw. Rotterdam nach Amerika, Brasilien etc. aus.

Der einzige Vorteil nach der „Befreiung“ war, dass der uralte Adel nicht mehr zurückgekommen war. So konnte sich das liberale Bürgertum in der Pfalz besser entfalten als in preußischen Landesteilen, denn die konservativen Gegenkräfte waren weit weg. Aber die alten franz. Freiheitsrechte waren noch greifbar, sie waren kein Traum;  man wollte sie wieder zurückhaben

Die Kirchheimer „Diskussions- Gruppe“ war etwa 40 Personen stark, die sich regelmäßig auch abends trafen  und von denen wurden später im Frankfurter Schwarzbuch folgende Bürger genannt, die dann auch nach dem Hambacher Fest angeklagt und auch zum Teil zu Haftstrafen verurteilt wurden. Dies waren Christian Ackermann, Ludwig Ackermann, der Metzger Ludwig Bechthold * 8.7.1779 (# 2258) , Schmied Philipp Christian Braunewell * 16.6.1800, Jacob Anton Brogino * 5.4.1779 ( # 2916), der Bäcker Jacob Daum * 13.11.1798 in Duchroth, der Tünchermeister Peter Thiel * 15.1.1802 (#20685), der Küfer Peter Greis * 23.4.1797 Miesbach, der Schlosser Jacob Wilhelm Kirchner * 6.6.1774, der Makler Joh. Peter Kolb, der Dreher Heinrich Lapp, der Kaufmann Fritz Carl Lennig, der kath. Pfarrer Jacob Mayer, der Bäcker Jacob Christina Miesel, der Kaufmann Franz Pilgram (#15496), der Posthalter Joh. Theobald Ritter * 6.5.1792 (# 16440), der Gerichtsbote Andres Joseph Ropiquiet, der Notar Carl Wilhelm Schmidt, die Orgelbauer Philipp Schmidt senior und Wilhelm Schmidt junior, der Baukandidat Carl Schmidt, der Schreiner Franz Carl Schmidt, der Musikant Adam Schuler, der Glaser Joh. Philipp Siegler * 14.1.1803 (# 195823), der Küfer Friedrich Steller, der Buchdrucker Carl Thieme, aus Marnheim der Wirt Wagner und vom Bolanderhof der Bauer Friedrch Rupprecht. Als „größte und unverschämteste Schreier dieser Gruppe“ wurden der Einnehmer Abend aus Marnheim und der Pfarrer Berkmann aus Einselthum genannt. Die oben Genannten fuhren zusammen mit ihren Kutschen nach Neustadt, um für einen demokratischen Staat zu demonstrieren ( Quelle Hans Döhn, a.a.O. S. 339)

Zurück zum Hambacher Fest: Es hatte ein Jahr Vorbereitungszeit gekostet, um Deutschland-weit diese Demonstration für eine demokratisches Deutschland zu organisieren. Datum war der letzte Sonntag im Mai 1832, ein sehr guter Tag, an dem man mit Sicherheit davon ausgehen konnte, dass das schön warme Frühlingswetter mitspielen würde. Treffpunkt war der Marktplatz in Neustadt an der Weinstraße ( damals an der Hardt), nachdem man sich den göttlichen Segen in der Stiftskirche geholt hatte. Dabei waren die Landräte Paul Camille Denis und sein Freund aus Jugendtagen Daniel Ritter, Posthalter aus Diemerstein- Frankenstein, der dort seinen Bruder Theobald Ritter. Posthalter in Kibo traf.

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Das Hambacher Fest war ein Volksfest, bei dem einige Redner schwungvolle Reden hielten. die Bandbreite der Visionen gingen von einem demokratischen Bundesstaat, mit und ohne Österreich. bis zu einer konstitutionellen Monarchie . Welcher Weg auch beschritten worden wäre, die Fürsten Deutschlands hätten Macht und Einfluss abgeben müssen.  Auf Drängen des österreichischen Staatskanzlers Metternich ließ der Bayrische König bayrische Truppen in die Pfalz einmarschieren, die kurzen Prozess mit den Aufständischen machten.. Sofern die führenden Redner nicht in die Schweiz, Frankreich, USA flüchten konnten, kamen sie in den Knast und wurden angeklagt.

Aber keiner der etwa 40 Teilnehmer aus Kibo hielt in Hambach eine Rede. Durch ihre Teilnahme hatten sie jedoch einen kleinen persönlichen Beitrag geleistet. Der Friedensrichter Wenz berichtete an die Gerichtsbehörden, der Pfarrer Berkmann aus Einselthum habe bei Trinkgelagen unter wildem Toben liberale Reden gehalten.

Nun die Berichte Hans Döhn:

der Fall Theobald Ritter, Gastwirt und Posthalter in Kibo,

Vom Volksfest Hambacher  Fest hoch motiviert und begeistert heimgekehrt, setzten die Kirchheimer Freiheitskämpfer ihre Tätigkeit fort. Am 2. Weihnachtstag 1832 fand im Gasthaus Neue Post eine große Versammlung statt. Und am Neujahrstag gabs im gleichen Lokal des Theobald Ritter nochmals einen Bürgerball, “Tanz ins Neue Jahr” für den die Polizeistunde aufgehoben worden war.

Nun  die angeblich schlimme Provokation: Theobald Ritter hatte in seiner Gastwirtschaft einen Leuchter in Menschengestalt aufgestellt,  aber mit einem Eselskopf, bekleidet mit einer bayrischen Uniform, Diese Figur hielt in der Hand eine Regierungerklärung , die das Hambacher Fest betraf.  Diese Figur sollte angeblich den den pfälzischen Regierungspräsidenten von Adrian-Werburg darstellen, der im Frühjahr 1832 in die Pfalz gekommen war. und am 22.6.1832 den Freiherrn von Stengel abgelöst hatte. Nach dem Wenz seinen Bericht über diese Ungeheuerlichkeit abgegeben hatte. leitete der Zweibrücker Staatsanwalt Schenkl  polizeiliche Schritte ein.

Am 16.2.1833 entzog die Generalverwaltung der Bayrischen Post dem Posthalter Ritter seinen Dienstvertrag als Posthalter. Theobald Ritter hatte aber mächtige Freunde und Fürsprecher wie den Gerneralverwalter in München, so dass er ab dem 15.4.1833 wieder seinen Postservice weiterführen durfte.

Der Fall Pfarrer Berkmann, Einselthum

6.1.1833 verständigte die Bayrische Regierung die evangelische Kirchenverwaltung in Speyer über das Verhalten ihres Pfarrers Berkmann und beantragte dessen Entlassung. Denn der habe in seinen liberalen Predigten von unterdrückter Freiheit gesprochen, er habe gepredigt „schlechte Fürsten, schlechte Pfaffen, sind´s die alles Unrecht schaffen. Als er am 3.6.1835 in Einselthum in seiner Predigt angeblich zum Rebellion aufgerufen hatte, entließ ihn die ev. Kirchenverwaltung.

Pfarrer Berkmann klagte gegen seine Entlassung und am 17.1.1834 wurde der Fall vor dem Appellationsgericht – heute Oberlandgericht – in Zweibrücken behandelt. Das Gericht sah kein Fehlverhalten, keine strafbare Handlung des Pfarrers, so wurde Berkmann freigesprochen und die ev. Landeskirche musste Berkmann wohl oder übel wieder einstellen.

Am 3.6.1834  hielt Berkmann in Einselthum seinen ersten Gottesdienst wieder ab. Die Liberalen aus Kibo nutzten diesen Tag zu einer Groß-Demonstration, der mit einem großen Fest mit Böllerschüssen zu Ehren des Pfarrers endete.

Fortsetzung folgt. 

Beide Landräte Paul Camille Denis und Daniel Ritter fielen in Ungnade und wurden ihres Amtes als Landrat enthoben.

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