Fürst Carl August bekämpfte Korruption …

Fürst Carl August bekämpfte Korruption  während seiner ganzen Amtszeit. Hier  Der Fall des Pfarrer Gräßers aus 1704

  • „Als Anfang 1704 der Mennonit Ulrich Ummeldas Glück hatte, den hiesigen großen Mönchhof (= Otterberger Klostergut) durch die kurpfälzische Administration als Erbbeständer an sich zu bringen“. Dieses  Beispiel ließ Pfarrer Gräßer nachahmen, dessen 3 Söhne aus erster Ehe, die alle erwachsen und allesamt alle Bauern waren, den Versuch zu tun, auf gleiche Art von Gnädigster Herrschaft auch das Rodenkircher Kirchengut  zu erhalten. Er machte sich deswegen gute Freunde an dem damaligen Amt und zwar nach Aussagen der oben genannten älteren Söhne vermittels einiger Silberpistolen, die ihnen  ehemals als Patengeschenk verehrt worden seien. Es machte sich darauf der damalige Rechnungsführer an der Oberkellerei bei Ablage eines seiner Verordnungen die Anzeige an die Herrschaftlichen Rentenkammer. Es sey zu Albisheim ein Gut, das Rodenkircher Gut genannt, welches der Pfarrer daselbst als Dei Saleri innehabe und genieße. Es könnte solches in Erbbestand begeben und dabei mit einiger Erhöhung des Pachtzinses, dem Hof weitere Einnahmen verschaffen. Die Antwort war, man sollte sich um einen künftiger Mann bewerben, dem man solches Gut erbbeständlich überlassen werden könnte. Mit dieser Vollmacht ausgestattet, schrieb der Chef der Rentkammer nach einiger Zeit zurück, man hätte solches Gut bei öffentlicher Ausschreibung angeboten und es habe sich niemand anders als der Pfarrer Gräßer angeboten, das vakannte Gut unter folgenden Bedingungen anzunehmen.
  • Die rechtswidrige Verpachtung für 450 Gramm Gold wurde erst 1726/1727 offenbar, nachdem Pfarrer Gümbel mit Recht moniert hatte, dass sein Jahressalär seit seiner Amtseinführung im April 1726 nicht vom Pächter des Rothenkircher Hofgutes gezahlt worden war[1]. Dies schrieb Pfarrer Gümbel in seiner Kirchengeschichte von 1770 nieder; niemand der ältesten Leute habe sich damals in 1727/28 je an eine öffentliche Ausschreibung erinnern können und dass der Menonit Ummel auch nach dem Gut getrachtet habe,  sei ein übler Vorwand gewesen, dem aber der Ummel jederzeit auch anhand der bei der Amtsregistration gefundenen Nachrichten belegen konnte. Es habe sich nicht das Mindeste ergeben, warum der Pfarrer Gräßer in Aufruhr geraten sei und deshalb angeblich der geplante Pachtvertrag mit Ummel rückgängig gemacht worden wäre. Im Gegenteil der Herr Superintendent Haßlocher und Inspektor Fabricius[2] hätten mehrmals  ihren Einfluss geltend gemacht, dass der Pachtvertrag mit Gräßer durchgewunken werden konnte
  • Solchermaßen geschehen, dass auch das eine oder andere Mal hin- und hergeschrieben wurde, aber letztendlich habe man es bei dem Erbbachtvertrag mit dem Pfarrer Gräßer belassen. Auf dem ausgedruckten cörperlich beiliegendem Erbbestandsbrief, steht nämlich, dass dem Franz Christian Gräßer, Pfarrer zu Albisheim und Susanna Catharina, seiner ehelichen Hausfrau gedachtes Gut aus 97 Morgen 17 ½ Ruthen Ackerland, so dann 19 Morgen drei Viertel und 8 ¼ Ruthen Wiesen, in gleichem den Schafbetrieb an 25 Stück gegen Erlegung 250 Gulden pro Land im Jahr (anno) und die jährlichen Sachleistungen von 32 Malter Korn und 20 Malter Hafer, zudem auch mehr unter der Hand ein Wohnhaus[3] nebst nötiger Stallung, gegen unentgeltlicher Abrechung des erforderlichen Bauholzes, wobei ihnen (dem Ehepaar) lebenslang die Real – und Personalfreiheit zugestanden worden sei (also weder Steuerzahlung noch Frondienste)
  • Noch zu seinen Lebzeiten verteilte er seinen Grundbesitz an seine zahlreichen Kinder, die allesamt sehr wohlhabend wurden. Aus den reichen Erträgen des Rothenkircher Hofgutes sollte dann 6 Malter Hafer an das fürstliche Hofgut in Kirchheimgeliefert werden. Nachdem Pfarrer Gräßer gestorben war, übernahm Pfarrer Gümbel im April 1726 die Pfarrei und sollte aus den Erträgen des  Rothenkircher Hofgutes entlohnt werden. Aber der neue Pächter Johannes Gräßer weigerte sich, auch nur einen Heller herauszurücken, denn er war ja der Erbbeständer, was der Kirchenverwaltung in Kirchheim total entgangen war[4]. Dadurch kam Pfarrer Gümbel in größte finanzielle Nöte, die ihn zwangen, in Kirchheim vorstellig zu werden. Und nachdem die vorgesetzte Behörde zuerst sich – sei  es aus Scham oder um den Betrug  zu vertuschen – untätig blieb, recherchierte Gümbel und entdeckte dann den ganzen Schwindel aus dem Jahr 1704. Dadurch war die Rechtsgrundlage des Pachtvertrages mit der Familie Gräßer die Rechtsgrundlage entfallen und der nichtige Vertrag aus 1704 wurde aufgehoben! (Fortsetzung der Geschichte siehe → 8.2.)
  • Das Oberamt in Kirchheim entzog 1729 dem Johannes Gräßer das Rothenkircher Gut und vergab es 1730 an  die mennonitische Familie Johannes Bürcky[5] in Erbbestandspacht. „Im Jahr 1779 wurde dieses Pachtgut, wie alle übrigen Kirchen- und Pfarrgefälle im Nassau-Weilburgischen in die zu Kirchheim errichtete, gemeinschaftliche Kirchenschaffnerei einverleibt, aus welchem von dieser Zeit an dem Pfarrer in Albisheim seine bestimmte Besoldung gereicht worden ist.. Das galt bis ins Jahr 1808, als die Kirchenschaffnerei unter der französischen Verwaltung wieder aufgelöst worden ist, bei welcher Gelegenheit die angedachte Erbpacht nach seiner ursprünglichen Bestimmung der Pfarrei Albisheim wieder zur eigenen Erhebung und Verwaltung zurückgegeben“ (Akt vom 27.7.1818)
  • Pfarrer Gräßer dürfte wie es damals üblich war, über ein kirchliches Jahreseinkommen von 300 Gulden verfügt haben. Seine zusätzlichen Einkünfte aus seiner landwirtschaftlichen Tätigkeit dürften jedoch erheblich höher gewesen sein. Dafür hatte er Knechte und eine Mägde eingestellt, die bereitwillig bei einigen Kindtaufen als Paten bereit gestanden hatten. Aber sein sattes Einkommen erweckte Unverständnis, allzu menschlichen Neid und Begehrlichkeit, vor allem gegen Ende des Spanischen Erbfolgekrieges, als die französische Truppenverwaltung immer mehr auch aus den Albisheimern herauspresste. Im Auftrag der ganzen Gemeinde schrieb der Schultheiß Engel Ermarth am Januar 1714 das Oberamt in Kirchheim an, der die Stimmung gegen den Pfarrer gut einfängt. Er schilderte die schrecklichen Kriegslasten, die von der Gemeinde Albisheim durch den andauernden Krieg zu tragen wären und dazu kämen die beachtlichen Zahlungen an Herrn Pfarrer Gräßer. Er bat darum, dass das Oberamt den Herrn Pfarrer durch gräflichen Amtsbefehl dazu bringen müsse, auch seinen Anteil bis zum Kriegsende an den monatlichen Fouragekosten und Zahlungen an die Besatzungsmacht Frankreich zu erbringen. (Quelle A 20, Fach 35) Ob sich der Pfarrer darin hielt, ist nicht festgehalten.

Dieser Pfarrer hatte übrigens eine markante, deutliche Handschrift. Er führte das Kirchenbuch sauber. Folgende Eintragungen sind von ihm

[1]) siehe → 8.2. Aufsatz: „Existenzsorgen des jungen Pfarrers in 1728“

[2]) Johann Jeremias Fabricius, war von 1695 bis 1714 Pfarrer und Inspektor im Oberamt Kirchheim. Am 26.5.1698 hatte er in Kirchheimbolanden Anna Barbara Müller, der Tochter des Doktor und Professors an der Universiät Gießen geheiratet. Am 27.11.1700 war er zusammen mit Pfarrer Gräßer Pate bei Barbara Christina Landfried! Quelle: Einträge im Kirchenbuch Kirchheimbolanden.

[3])  Bei dem Wohnhaus dürfte es sich um das sogenannte Gümbel´sche Fachwerkhaus in der heutigen Hauptstraße, frühere Pfennigsgasse handeln. Wenn dies so ist, dann dürften die Pachtverträge in 1704 und nicht in 1705 abgeschlossen worden sein!

[4]) Sein Großvater hatte 1704 das große Gut durch Bestechungsgelder an sich bringen können, siehe oben

[5]) Johannes Bürcky war Mennonit gewesen  und hatte um 1728 Pletscher aus Dühren bei Sinsheim geheiratet