Des Côtes Joh. Friedrich, reformierter Pfarrer

# 4385, Biundo # 828: Des Côtes Joh. Friedrich, Hofprediger, ref. Pfarrer 1758 bis 1811; 

von Detlef Uhrig & Rebekah Brand

* 11.10.1735 Frankenthal, † 15.2.1811 in Prinzengasse 281
Eltern Daniel Des Côtes, wallonischer Schulmeister, † 16.9.1706, oo in Frankenthal Anna Gertraud Breyvogel, Tochter des Peter Breyvogel. Joh. Friedrich Des Côtes oo 26.5.1771 Mollinger Isabella Friederica   * 10.4.1748, † 14.3.1806 in der Prinzengasse, Tochter des † Joh. Jacob Friedrich Mollinger, Geheimer Sekretär des Fürsten Carl Christian, (# 13788) , Seine  Kinder: 

1.) Johanna Louis Franzisca *   16.5.1772, konfirmiert am 13.4.1789
sie hatte 2 Kinder, † 15.3.1805
oo 18.7.1802 Werle J. Karl Franz * 6.9.1763, Brigadegeneral
      seine Eltern:  Melchior Werle . oo Franzisca Roth
2.) Maria Susanna Franzisca * 26.12.1774
      konfirmiert am 13.4.1789, † 14.3.1806
3.) Carl Franz Des Cotes * 15.12.1776, konfirmiert am 4.4.1792

ad. # 4385 Pfarrer Des Côtes oder der eifersüchtige Religionsstreit.

Das schlechte Verhältnis der verschiedenen christlichen Konfessionen untereinander hielt trotz aller Bemühungen an, die Fürst Carl August unternommen hatte. Als 1751 Freiherr von Botzheim seinen Dienst antrat, teilte ihm der Präsident de la Poittrie mit, dass ein unchristlicher Religionsfanatismus einen großen Teil des Kirchheimer Landes beherrschen würde. Botzheim fand sehr schnell heraus, dass die Geistlichen im Nassauischen gegenüber der Kurpfalz um 50 Jahre zurück seien. Auch als Graf Carl Christian[1] im Jahr 1754 selbständig die nassauische Herrschaft antrat, änderte sich zuerst nichts an dem gehässigen Spiel. Die lutherischen und reformierten Pfarrer/ Gemeinden machten sich gegenseitig das Leben schwer, obwohl alte Verträge den Religionsfrieden  ermöglichen sollten. Seit dem Frieden von Rijswijk sollten die Söhne im Glauben des Vaters und die Töchter in der Religion der Mutter getauft und erzogen werden.

Pfarrer Johann Friedrich Des Côtes beschwerte sich bei dem Präsidenten de la Poittrie ühttp://Fürst Carl Christianber die lutherischen Pfarrer Liebrich und Johann Nicolaus Speck[2], um von ihm landesherrschaftlichen Schutz gegen die dauerhaften Kränkungen zu erhalten, die er durch die beiden Hetzprediger permanent erleiden musste.  Doch der Präsident vertröstete ihn Er erhielt  zur Antwort, er solle sich mäßigen und mit Geduld und Klugheit auf die Provokationen reagieren. Er wies ihn auf die >Hochfürstliche Regierungs-Relation< hin

Aus den Klagen ist ersichtlich, dass die Differenzen sich insbesondere auf die Actes parochiales und den Artikel 20 des Reformierten Privilegs bezüglich der Kinder aus gemischten Ehen bezogen. Die Pfarrer, dazu gehörte auch der Pfarrer Albisheims Johann Adam Gümbel[1], versuchten möglichst viele Seelen zu gewinnen und dazu waren ihnen alle Mittel recht. Sie drohten und erpressten. Sie verhinderten solange die reformierte Taufe, bis sich die Eltern bereit erklärten, das Kind lutherisch taufen zu lassen.  (Hans Döhn, a.a.o, S. 239 ff.) Ein Beispiel aus dem Albisheimer Kirchenbuch

Wilhelm Peter Limmer war lutherischen Glaubens. Er hatte Maria Sophia Tempel geheiratet, die allerdings reformierten Glaubens war. Nun gab es Streit darum, welcher Pfarrer das Kind Anna Margretha taufen durfte, das am 30.1.1765 auf die Welt gekommen war. Pfarrer Gümbel schrieb ins Kirchenbuch Albisheim: Da die Kindbetterin reformierter Religion war, beabsichtigte der reformierte Prediger zu Kirchheim Herr Des Côtes[1] (Descontin) die Taufe zu verrichten, allein da noch wenige Tage zuvor die Gote Anna Margretha Tempelin durch ein besonderes Rescript mit Datum vom Januar die Erklärung und Weisung dahin getan, dass reformierter Pfarrer die Taufe vornehmen sollte. Ich schrieb den Amtmann Meurer an, dass in solchen gemischten Ehen gezeugte Kinder gemäß den >Actes Parochiales< vom lutherischen Pfarrer zu taufen seien. Die nun erfolgte Beschwerde des reformierten Predigers Herrn Des Côtes ließ der Amtmann abblitzen. Deshalb nahm ich am 2. Februar die Taufe in der Albisheimer Kirche vor. Gevatterin war die Schwester der Kindbetterin Anna Margretha Tempelin.

[1] ) Des Côtes, Johann Friedrich, * 11.10.1735 in Frankenthal, Sohn des Schulmeisters Daniel des C. immatrikulierte am 5.11.1753 in Heidelberg. War vom 31.8.1757 bis 1811 reformierter Pfarrer in Kirchheimbolanden und ab 1776 Hofprediger der Fürstin in Kibo, † 15.2.1811.

[1]) Pfarrer Gümbel trug in das Sterberegister des Kirchenbuchs Albisheims, Seite Jahr 1765 unten einen entsprechenden Vermerk ein

[1]) Fürst Carl Christian, * 16.8.1735, wurde 1754 durch kaiserliche Verfügung für volljährig erklärt Er trat in den kurpfälzischen Kriegsdienst, erhielt 1757 von Carl Theodor das Kommando über ein Infanterieregiment. Ging später nach Holland und wurde dort Generalmajor, oo am 5.3.1760 in der Kirche von Gravenhage, Holland  Carolina von Oranien, starb am 19.11.1788, lt. Döhn, a.a.0. S. 231 ff. Nachfolger wurde sein Sohn Friedrich Wilhelm, * um 1768

[2] Speck, Johann Nicolaus, war von 1761 bis 1781 erster Pfarrer in Rüssingen. Er starb  1781 in Hirschfeld auf der Flucht.

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