Cholera Fälle in Albisheim

1832: Cholera in Albisheim, Kibo wurde aktiv:

Würde heute eine Cholera – Seuche ausbrechen, dann würde der Krisenstab sofort Alarm auslösen und nach vorhandenen Plänen situationsgerecht reagieren. Wie genau dies allerdings in 1832 ablief, wissen wir nicht? Auf jeden Fall informierte die Gemeinde das Landeskommissariat, die ihrerseits Herrn Dr. Heinrich Oberle[1] von Kirchheim nach Albisheim schickte, um „nach dem Rechten zu sehen“. Der Text des Auszahlungsbelegs N° 71 lautet: „eine Tagesgebühr wegen den in den Gemeinden des Kantons Kirchheim im Falle des Eindringens der Cholera zu treffenden Vorkehrungen“ veranlasste das Königliche Landeskommissariat am 18.10.1832 die Zahlung von 2 Gulden. Am 10.11.1832 wurde der Betrag Dr. Oberle in Neulauterburg ausgehändigt. Dr. Oberle dürfte

  • die Einrichtung einer kleinen Isolierstation und
  • die Verbesserungen der Wasserversorgung mit Einhaltung entsprechender Hygieneregeln veranlasst haben

Ein weiteres Aha-Erlebnis brachte der Beleg # 106/1832 des Schreinermeisters Christian Göhring[2] vom 9.6.1832: er schreibt, er „habe in Gefolge mündlichen Accords auf Rechnung der Gemeindekasse von Albisheim, dass er bei Ausbruch der Cholera für Cholerakranke der Gemeinde Albisheim in dem bestimmten Lokal[3] fünf Bettstellen und zwei Nachtstühle, sowie 5 Strohsäcke um den accordmäßigen Betrag von 41 Gulden 23 X geliefert und bitte deshalb um gefällige Anweisung“. Der Betrag wurde am 11.6.1832 angewiesen und zwei Tage später vom Land-Kommissariat in Kirchheim bestätigt! Christian Göhring nahm 1832 auch die Leichenschau vor. Laut seiner Aufstellung war in 1832 der erste Sterbefall der der Jüdin Elisabetha Benedikt gewesen.  Zusammen hatte Albisheim in jenem Jahr nur 17 Todesfälle zu beklagen gehabt.  Je Sterbefall berechnete er 24 x. Viele Jahrzehnte blieb diese Gebühr unverändert.

Jacob Anton Brogino[4] aus Kirchheim (Familienbuch Kibo # 2917) lieferte für diese Betten 5 Wolldecken, das Stück für 3fl 40, zusammen für 18 fl 20. Rechnungsdatum war der 20.8.1832!

Da die standesamtlichen Akten damals keine Todesursachen benannten, können keine Quantifizierungen vorgenommen werden. Der Krankheitsverlauf in Albisheim dürfte sehr milde verlaufen sein, denn der Leichenbeschauer Christian Göhring rechnete nur 17 Sterbefälle ab. Wenn wir noch die 2 Totgeburten abziehen, dann  gab es  1832  sogar verhältnismäßig wenige Sterbefälle.

[1]) Dr. Heinrich Oberle, war der Sohn des Rentmeisters Johann Anton Oberle, der laut seiner Sterbeurkunde vom 7.4.1849 (STA Kibo) in Schlettstadt/Elsaß  im Nov. 1775 auf die Welt gekommen war . Seine Mutter Margretha Weimar stammte aus Bingen und starb 55 jährig am 21.12.1818 in Kibo. Über Dr. Oberle ist wenig bekannt. Als er 1832 für Albisheim tätig wurde, hatte er 25jährig gerade sein Medizin-Studium abgeschlossen. Er dürfte den Bau der kleinen Isolierstation mit 5 Betten veranlasst haben!

[2]) Christian Göhring, * 14.8.1784, † 31.10.1848, oo 15.4.1813 Maria Barbara Göhring, * 226.1790, † 21.4.1856, die Familie hatte 11 Kinder, siehe Familienbuch Albisheim unter # 7089!

[3]) Wo sich dieses bestimmte Lokal befand, wurde aber nicht genannt!

[4]Brogino  Jakob Anton,  * 5.4.1778 in Kibo, † 28.4.1854, nachmittags um 2 Uhr in Kibo, 75 Jahre u. 23 Tage alt, Kaufmann u. Gutsbesitzer hier,  Ehemann  der  Katharina geb. Lennig, 63 Jahre alt,  S. d. in Kibo am † 15.8.1793  Kaufmanns Joseph Brogino u. der Maria Susanna Iganzia geb. Meletta, * 29.8.1744 (deren Eltern hießen Bernhard und Maria Margaretha NN).  Familienbuch # 2917