Archiv der Kategorie: Schulen

1559: Einführung der Schulpflicht

1559: Beginn der Schulpflicht im Raum Kibo – Die Grafen & Fürsten von Nassau – Weilburg waren ihrer Zeit weit voraus!

1559 führte der Graf von Nassau – Weilburg in seinem Herrschaftsgebiet die Lutherische Lehre ein und übernahm die Kirchenordnung des Herzogtums Pfalz Zweibrücken, wie sie oben angedruckt ist. Als wichtige Glaubensäule gehörte dazu der Heidelberger Katechismus. Hartnäckige katholische Pfarrer verließen die heutige Pfalz und fanden dann eine seelsorgerische Arbeit bei den Erzbischöfen Mainz bzw. Trier. Der Übergang auf die neue Konfession klappte ohne großen Widerstand, denn die Bevölkerung sah nun endlich auch Perspektiven für sich.

 1575: Bei der Kirchenvisitation im Bereich des Oberamtes Kirchheim deckten die Inspektoren noch kleine Defizite auf. So waren noch nicht alle Marienaltäre und Heiligenbilder entfernt worden, denn diese  visuellen Eindrücke hatten die Gläubigen verinnerlicht. Und von Liebgewonnenen trennt man sich nicht gerne. Sie wurden aber von den Reformatoren als Götzenbilder angesehen. Deshalb fort mit und schade aus der Sicht eines Kunstliebhabers. Aber immerhin waren bereits drei Schulen in Kirchheim, in Morschheim und in Albisheim in Betrieb. Diese Schulen waren natürlich reine Konfessionsschulen, in die nur die Lutheraner, aber auch die Reformierten Schüler unterrichtet wurden. Die Juden und Katholiken hatten ihre eigenen Bildungseinrichtungen. Die Lehrer wurden vom Oberamt Kirchheim berufen, unterstanden aber dem jeweiligen Ortsgeistlichen.

Ab 1648

Der 30jährige Krieg unterbrach nun die weitre Entwicklung des Schulwesens. Aber knapp ein Jahrzehnt nach dem Frieden zu Münster hatten die Albisheimer wieder eine Schule mit einem Schulmeister. Aus der Beschreibung des Amtes Kirchheim aus dem Jahr1657 erfahren wir auch etwas über die Besoldung des Albisheimer Lehrers Hans Jacob Brun. Zur Naturalbesoldung hatte er das St. Marien Altargut, eine Wiese und einen Weinberg. Von jedem Kind bekam er im Jahr einen Gulden und als Glöckner bezog er vom Mönchhof (= Großes Otterberger Hofgut) 16 Malter Korn. Bei Beerdigungen und Hochzeiten wohlhabender Mitbürger sang der Schulchor und der Lehrer bekam 15 Kreuzer, wofür er sich ein Huhn hätte kaufen können.

1678 folgte ihm Georg Albert Haaß, der nur 5 Jahre im Amt war. Der nächste Schulmeister war Johannes Walter und ab 1690 bis 1707 war Andreas Werling im Amt. Die jeweiligen Schulmeister sind in dem Lutherischen Kirchenbuch Albisheims ab 1660 festgehalten, wenn sie als Paten standen oder selbst Kindtaufen hatten oder verstarben. Die Schulmeister Albisheims hatten hier eigentlich eine Lebensstellung. Da die Pensionierung noch unbekannt war, unterrichteten sie bis zum letzten Atemzug, ebenso wie die Pfarrer. Der Lehrer wohnte bis Ende 1698 zusammen mit dem Hirten im Hirtenhaus, wo er auch die Kinder unterrichtete.

Schulraumsituation 1698

Ende 1698: Mit dem Zuzug vieler Menschen nahm zwangsläufig auch die Schülerzahl Albisheims kräftig zu. Aber die Schulkinder saßen im bisherigen kleinen Unterrichtsraum im Hirtenhaus fast aufeinander. So war ein sinnvolles Lernen fast unmöglich. Deshalb musste ein größeres Haus her. Deshalb suchte der siebenköpfige  Gemeinderat unter Leitung seines Schultheißen Fabian Baum (nach dem Abzug der Franzosen) nach einem größeren Objekt innerhalb des Ringwalles. Christoph Grill war auch Mitglied des Gemeindevorstandes und er erklärte sich bereit, sein Haus gegen das kleinere Hirtenhaus einzutauschen, wenn ihm der Wertunterschied von 12 Gulden ausgeglichen würde. Mit dem Vertragsabschluss am 21. Dezember 1698 bekam Grill diesen Betrag bar ausbezahlt. Diesen „Kaufbrief“ (Urkunde N° 8) unterschrieben der Schultheiß Fabian Baum, Christophel Grill und für das Gericht Hans Caspar Mäurer. Das alte Hirtenhaus stand übrigens in der Westergasse, zwischen dem Grundstück des Velten Kleins (in Richtung Pfrimm) und der Gemeindegasse. Das neue „Grill´sche“ Schulhaus wurde umgewidmet und lag zwischen den Gebäuden der Erbengemeinschaften Jörg Schmitt und Hans Waldmann in der Nähe des damaligen Gemeindegrabens.

Dieser Tausch brachte mittelfristig nur eine kleine Verbesserung der Schulsituation. Bereits ab 1720 war das „Grill´sche Schulhaus“ wieder viel zu klein. Der Lehrer  und Schulmeister  Johann Nicol Conradi (1707 -1729)[1] beklagte laufend die beengte Situation, ohne dass sich was änderte. Für die Gemeinde gab es dringendere Probleme. Denn Pfarrer Gräßer jammerte über den offensichtlich schlechten Zustand der Lutherischen Kirche St. Peter, die vielleicht sogar baufällig war. Die Gemeinde sparte, wo sie nur konnte und verkaufte Tausend Klafter Holz aus ihrem Donnersberger Wald, damit sie den Kirchen-Neubau 1724 schultern konnte. So wurde das Schulhaus hinten angestellt. Im Jahr 1733 endlich tauschte die Gemeinde das „Grill´sche“ Schulhaus mit dem weit größeren Wohngebäude des Johannes Benninghoff, wobei natürlich auch Geld fließen musste. Schulmeister war damals  Georg Wilhelm Rotenberger,  1729 – 1769.

Schulschwänzer in 1720

Das Schulschwänzen war damals wie heute ein weit verbreiteter Sport. Vor allem bildungsferne und einkommensschwache Familien setzten ihre Kinder lieber anders ein. Die geht aus einer Verordnung des lutherischen Konsistoriums zu Kirchheim hervor, welches Klage führt, dass die Eltern ihre Kinder nur des Winters zur Schule schicken und des Sommers gar nicht. Deshalb bestimmte eine von der Kanzel verlesene Verordnung, „der letzte Termin für den Beginn der Schule sei die Woche nach dem Michaelisfest (29. September). Somit standen die Kinder volle vier Monate für die landwirtschaftlichen Arbeiten zur Verfügung.  Wer sich nicht darin hielt, wurde bestraft. Die Verordnung setzte die Geldstrafe von einem Albus fest, wenn Eltern ihre Kinder vom Schulbesuch abhielten und das war viel Geld. Den drei Lutherischen Schulmeistern[2] Conradi Albisheims war es mit großer Geschicklichkeit gelungen, allen lutherischen und reformierten Schülern und Schülerinnen nicht nur die Hauptstücke der christlichen Lehre beizubringen, sondern sie im Lesen, Schreiben, Singen und Rechnen zu unterrichten; denn ohne dieses Wissen wurden die Kinder nicht konfirmiert und aus der Schule entlassen.

Tauschkontrakt am 1. Mai 1733

Am 1.5.1733 schlossen die Gemeinde und die Familie Johannes Benninghoff mit seiner Ehefrau Susanna Catharina den Tauschvertrag über die zwei unten bezeichneten Objekte. Der Vertrag wurde auf teuerem, gestempeltem Papier in Schönschrift auf einem Doppelbogen verfasst. Das Papier hat das Wasserzeichen der Albisheimer Papiermühle. Der Amtsschreiber C.A. Hoesgen aus Kirchheim hielt den Tauschgrund fest. Er schrieb, das Schulhaus sei bei der stark wachsenden Jugend viel zu klein. Die Gemeinde gab das frühere Grill´sche Schulhaus ab, das nun nach 35 Jahren ganz andere Grundstücksnachbarn hatte. Dies waren 1733 Gottfried Weyl, Matthias Leuck  und in Richtung Pfrimm (Süden) das Grundstück des Herrn Koffler und nördlich, zum Berg hin (= Norden) der Ziegeleibesitzer Sebastian Dietz.

Haus und Hof der Familie Benninghoff war mit seinen 23 Ruthen um 50 % größer als das Objekt der Gemeinde Albisheim. Es lag an der Kirchgasse. Östlicher Nachbar war Henrich Haußmann und nach Westen lag das Haus des Johannes Schwind. Unterhalb war die Gemeindegasse. Das Objekt der Familie Benninghoff war frei und ledig aller Herrschaftlicher Lasten, weder verpfändet noch beliehen. Es stellte einen erheblichen Wert dar. Da musste die Gemeinde Albisheim tief in die fast leere Geldkiste greifen. Die Vertragsparteien wurden sich einig, dass die Gemeinde Albisheim 225 Gold-Gulden drauf bezahlen musste. Es wurden zwei Raten vereinbart. Am Michaelistag, den 29.9.1733 waren die ersten 125 Gulden fällig, während die letzten Hundert ein Jahr später, auch an Michaelis 1734 fällig waren. Die zwei Termine wurden bewusst so gewählt, da an diesem Tag auch die Gemeindesteuern wie das Ohm- und Bottengeld fällig waren. Außerdem erhielt die Gemeinde von den Staatssteuern – Einnahmen noch 600 Gulden (= 5 %), so dass sich die Gemeindeeinnahmen auf insgesamt 1.200 Gulden beliefen.

Der Vertrag wurde dem Oberamt Kirchheim zur Bestätigung vorgelegt. Die amtliche Zusage mit Siegelung erfolgte erst am 24. Januar 1734, also vier Monate nach Zahlung der ersten Rate. (Urkunde 19 aus Fac

[1]) Johann Nicol Conradi stammte aus Saarbrücken und wurde dort um 1666 geboren. Er kam 1707 nach Albisheim und starb 61jährig am 25.2.1727 an der Tuberkulose. Seine Witwe Anna Maria  heiratete am oo 13.9.1729 den reichsten Albisheimer Bauern Balthasar Göhring vom Heyerhof. Der nächste Schulmeister für 30 Jahre war Georg Wilhelm Rotenberger

[2] ) Johann Nicol Conradi bis † 25.2.1729, Georg Wilhelm Rotenberger bis 1769 und Johann Georg Friedrich Rotenberger bis 1779,

 

Donnersberggymnasium

Bilder sind aus der homepage des Donnersberggymnasiums: Schüleraustausch

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Chronik – Nordpfalzgymnasium Kirchheimbolanden

Detlef.Uhrig@t-online.de

 Frau Eva-Maria Saas, beste Lehrerin

 Gruppenfoto

Gruppenfoto

Insgesamt 16 Lehrkräfte und sechs Pädagogen-Teams aus zehn Bundesländern wurden am Montag, den 26.09.2016, in Berlin  geehrt. Rund 4.500 Schüler/innen und Lehrkräfte beteiligten sich an der achten Auflage des Wettbewerbs. Er wird seit 2009 jährlich von der Vodafone-Stiftung und dem Deutschen Philologenverband veranstaltet.

Mit der Auszeichnung würdigte die Jury das herausragende pädagogische Engagement von Frau Saas, Lehrerin für Chemie, Biologie und Naturwissenschaften am NPG.  Frau Saas wurde in der Wettbewerbskategorie „Schüler zeichnen Lehrer aus“ von ihren Abiturienten des Chemie-Leistungskurses und Stammkurses 2016 nominiert. Ihre Schülerinnen und Schüler hoben besonders ihre herausragende Fachkompetenz hervor, den hohen fachlichen Anspruch an die Schülerinnen und Schüler und den Anspruch an sich selbst, niemanden zurückzulassen und alle zu bestmöglichen Leistungen zu führen. Ebenso beeindruckten ihr außerschulisches Engagement, ihre große Geduld und Hingabe und ihr Bemühen, alle „auf das Leben nach dem Abitur“ vorzubereiten.
“Frau Saas versteht es einfach, ihren Schülern ihr Wissen verständlich beizubringen und sie in allen Lebenslagen zu motivieren”, lobten die Schüler ihre Chemie- und Biologie-Lehrerin.
Den Unterricht bei Frau Saas beschreiben die Schüler als hart. Zu Beginn einer Stunde werde zuletzt Gelerntes abgefragt, Hausaufgaben gebe es genug und auch vor Sonderstunden schrecke die Lehrerin nicht zurück. Doch mit der Zeit wurde den Schülerinnen und Schülern klar, für wen das ist – für sie und ihr Abitur. Ihre Lehrerin habe auf alle noch so verwirrend gestellten Fragen eine Antwort parat gehabt und sich mit großem Engagement dafür eingesetzt, dass jeder sein Abitur besteht.
Die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) zeigte sich erfreut, dass auch in diesem Jahr wieder eine Lehrerin aus Rheinland-Pfalz unter den Preisträgern ist:
„Die Auszeichnung für Eva-Maria Saas zeigt, dass Schülerinnen und Schüler genau sagen können, was sie sich von ihren Lehrkräften wünschen. Sie anerkennen und schätzen den anspruchsvollen Fachunterricht ihrer Lehrerin ebenso wie ihr ehrliches persönliches Interesse an jeder Schülerin und jedem Schüler. Was kann man einer Lehrkraft Schöneres sagen als: ‚Wir haben in dieser Zeit viel gelernt, nicht nur über Chemie, sondern auch für unser Leben und für uns selbst‘.“ „Diese Auszeichnung“, so Hubig, „ist ein motivierendes Signal an alle engagierten Lehrerinnen und Lehrer. Sie zeigt, dass ihr fachlicher und menschlicher Einsatz für die Schülerinnen und Schüler wahrgenommen wird und Früchte trägt.“

Die Initiatoren des Wettbewerbs „Deutscher Lehrerpreis – Unterricht innovativ“ wollen mit der Auszeichnung die positiven Leistungen von Lehrkräften sowie Schülerinnen und Schülern würdigen und in den Vordergrund der öffentlichen Wahrnehmung rücken.

Frau Maria-Eva Maas, Kommentar des SWR Fernsehens

Den Unterricht bei Saas beschreiben die Schüler als hart. Zu Beginn einer Stunde werde zuletzt Gelerntes abgefragt, Hausaufgaben gebe es genug und auch vor Sonderstunden schrecke die Lehrerin nicht zurück. Doch habe sie auf alle noch so verwirrend gestellten Fragen eine Antwort parat gehabt und sich mit großem Engagement dafür eingesetzt, dass jeder sein Abitur besteht. Ebenso beeindruckte die Schüler Saas’ außerschulisches Engagement sowie ihre große Geduld und Hingabe.

 

 

14.12.2016: 9.Klasse des Rittersberggymnasiums KL experimentieren bei der BASF

 

Progymnasium

Das erweiterte Bildungsprogramm, das Progymnasium: 1894 – 1948

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Lehrer Heinrich Schierstein

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Das Schuljahr in der Pfalz begann nach Ostern. Die Schüler bekamen drei Zeugnisse. 1. das Sommer-Zeugnis, 2. das Winterzeugnis, das am letzten Schultag vor Weihnachten ausgehändigt wurde und 3. am letzten Schultag vor den Osterferien das Jahreszeugnis.

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Die Lehrer in 1938

  • Pieverling von, Studiendirektor
  • Hans Schlegel, Studienprofessor
  • Otto Bechtloff, Studienrat
  • Franz Ulschmid, Studienrat
  • Friedrich Vogelsang, Studienrat
  • Ferdinand Neumerkel, Studienassessor
  • Otto Richter, Studienassessor
  • Emil Wild, Studienassessor
  • Heinz Polster Studienassessor

Franz Schupp, Schuldiener

 

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Die Volksschule, immense Klassengrößen, unsichere Bezahltung

Volksschule: die Situation in 1834 in der Pfalz:

1834 lebten in der Pfalz 547280 Menschen, darunter waren 105.546 schulpflichtige Kinder. Sie wurden unterrichtet von insgesamt 1.189 Lehrern. dies waren:
  • 593 evangelische Hauptlehrer, plus 72 evangelische Hilfslehrer,
  • 402 katholische Hauptlehrer und 103 kath. Hilfslehrer,
  •  19 israelitische Elementarlehrer
  • jeder Lehrer unterrichtete im Durchschnitt 89 Kinder, obwohl die Schülerzahl seit 1817 auf 80 Kinder begrenzt sein sollte (§ XV der Schulordnung). In Albisheim gab es 170 Kinder, die in 2 Klassen aufgeteilt wurden. die Unterklasse umfasste die 1. bis 4 Klasse; die Oberklasse 5 – 7. Schuljahr.  In diesem Fall unterrichtete der Hauptlehrer die Oberklasse und die Unterklasse wurde von dem schlechter bezahlten Schulgehilfen unterrichtet.

  • 1884: Lehrer Carl Pfleger, 1884 mit 82 Schülern
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  • Die Lehrerbesoldung

    Die Lehrer wurden fest angestellt. Gemäß $ VIII der Schulordnung  sollten die Schullehrer 300 Gulden pro Jahr bekommen, in Städten wie Kaiserslautern, Speyer mit mehr als 2.000 Einwohner sollten sie 400 Gulden erhalten.  Da damals auch die Gemeinden auch schon zu geringe Einnahmen bei zu hohen Schulden aus der Napleonischen Zeit hatten, erreichte kaum ein Lehrer die gewünschte Einkommensempfehlung. Die Lehrer bewohnten eine für sie kostenfreie Wohnung im Schulhaus.

  • Die Finanzierung war anfänglich eine Mischfinanzierung. Die Eltern, zahlten je Kind 1 Gulden und 8 Kreuzer Schulgeld, Arme Leute wie Tagelöhner, Kleinbauern konnten diese Betrag meistens nicht aufbringen, denn er entsprach der Entlohnung von drei Arbeitstagen. Ganz unmöglich war dies, wenn sie mehrere schulpflichtige Kinder hatten. Bei einer Klassenmesszahl von 80 Kindern erhielt der Lehrer rein rechnerisch 80 x 1 fl 8 x = 80 Gulden und 640 Kreuzer = 90 Gulden und 40 Kreuzer. Neben den einkommensschwachen Familien, gab es Zahlungsunwillige, die zusätzlich Schwierigkeiten machten. Die Differenz sollte aus der Gemeindekasse fließen. Konnte der Lehrer Orgel spielen, erhielt er für diesen Dienst monatlich 6 Gulden. Singen mit der Schulklasse am Grab brachte ihm nochmals 1 fl je Fall ein.  Mit den Zuschüssen der Gemeinde dürfte der Lehrer oft bis 1850 keine 300 fl jährlich bezogen haben.. Neben der kostenlosen Lehrerwohnung teilte ihnen die Gemeinde einen Schulgarten zu, den die Lehrer mit ihren Schülern bewirtschafteten. Jeder Schulsaal hatte einen Ofen, den die Schulkinder beheizen sollten. Es gab also neben dem Tafeldienst, den Ofen- und den Gartendienst der Schüler.  Die Kinder hatten das Brennmaterial mitzubringen.
  • Da die Besoldung relativ gering war, stellten die Gemeinden oft die Lehrer auch noch als Gemeindeschreiber an, wo sie garantiert nochmals 300 Gulden verdienen konnten.

1. evang. Volksschul-Lehrer in Kibo

  1.  Jacob Knöbel * 20.4.1781 in Monzenheim, kam 1800 nach Kibo,  er begann als Schuldiener = Lehrer in Ausbildung. Er war 2 x verheiratet. 1. Ehe oo 27.4.1800 die fast 14 Jahre ältereHenrietta Carolina Krück,  32 Jahre u. 6 Monate alt, * 19.10.1767 in Kibo,   T. d. Johann Elias Krück,  gestorben am 30.4.1804; ref. Schuldiener in Kibo,  u. Elisabetha Margaretha, geb. Birckel in Kibo,  Durch diese Eheschließung blieb Jacob Knöbel der franz. Militärdienst erspart. Nach dem Tod seiner Frau 2. Ehe oo 8.3.1810 Anna Maria Kanofsky, * 16.10.1785,  24 Jahre alt,   T. d. Peter Kanofsky,  Bäckermeister u. Anna Maria, geb. Heser, Philipp Jacob Dürkheimer * 11.2.1771
  2.  Johann Conrad Küstner, * 21.11.1782  # 11941; in Kibo, † 26.2.1837,  Sohn des Lehrers Joh. Küstner.  Conrad Küstner war 2x verheiratet. Er hatte die Schwestern  Gerheim geehelicht, Töchter des Joh. Philipp Gerheim.  Nach dem Tod des Conrad Küstner, bestellte die Stadt:
  3. Joh. Heinrich Gaß* 1.2.1811 in Rockenhausen,  Schullehrer in Kibo,  27 Jahre alt,   Witwer der am 10.6.1837 in Kibo † Catharina Elisabetha, geb. Sevin  S. d. in Rockenhausen † Ackersleute Ludwig Gaß,  u. Catharina, geb. Ritter,  die Großeltern : Veith Ritter,  u. Barbara, geb. Liebrich (Familie Rok 18706) ; oo 19.7.1838  Maria Elisabetha Dreher, * 29.11.1816 in Kibo,  31 Jahre alt,   T. d. Wilhelm Dreher,  61 Jahre alt,  u. Angelika Henrietta, geb. Alt,  56 Jahre alt,  Gutsbesitzer in Kibo

    2. israelitische Lehrer in Kibo. Die jüdischen Lehrer machten die gleiche Lehrerausbildung am Lehrerseminar KL, wie die Ev. bzw. kath Kollegen.

    22.2.1828 Heirat des  Joseph Nathan Asser, * 15.4.1790 in Gunzenhausen in Franken,  37 Jahre alt, israelischer Schullehrer in Kibo,   S.  d. am 22.9.1802 in Gunzenhausen † Nathan Asser,  Handelsmann,  u. Fandele, geb. Landauer,  mit Sara Seller, * 4.10.1796 in Altenmuhr in Franken (= Muhr am See); 30 Jahre alt;  T. d. in Altenmuhr † Jacob Feiß Seller,  Handelsmann daselbst,  u. Hiale, geb. Mandel;

    10.11.1837 Heirat des Jacob Sulzbacher * 16.2.1809 in Sulzbach,  28 Jahre alt, israel. Schullehrer in Kibo,   S. d. Samuel Sulzbacher,  Buchhändler in Sulzbach,  u. Gitla, geb. Wolf,  mit Regina Reisel, geb. Schwarz, * 28.6.1812: in Kibo,  25 Jahre alt,   T. d. am 4.8.1836 † Handelsmannes Joseph Schwarz,  u. Jenredel, geb. Löwenbach;

    3. Die Schulaufsichtsbehörde („Land-Commissariat“) Kibo bemängelte 

    *am 2.4.1838 u.a., dass Kinder wegen Armut der Eltern ungestraft den Unterricht versäumten. „Armut sei kein Entschuldigungsgrund“


  4. 4. Die Schulaufsicht Kirchheimbolanden schrieb am  2.4.1839

15.2.1843: die Majestät des Königs …

obiges Schreiben betraf das Schulbuch: Bayerische Geschichte für Schulen und Familien” Autor Fick. bitte lesen sie selbst

  • Die Schulaufsicht Kirchheimbolanden forderte  am 31.10.1843 die Lehrer auf:

    1. die Schulsäle täglich zu lüften

 

sie wöchentlich einmal mit Wasser zu reinigen,

 

die Türen und Fenster alle 14 Tage zu putzen

 

diese Arbeiten dürfen aber auf keinen Fall von Schülern übernommen werden.

21.5.1844: Bürgermeister und sein Stellvertreter versäumten ihre Aufsichtspflicht über die Schule


  • 2. Die Schulaufsichtsbehörde Kirchheim bemerkte, dass oft Lehrer und Gehilfen sich auf halbe, ganze und mehrere Tage vom Schulort entfernen, ohne die Erlaubnis von dem Distrikt Schulinspektor erbeten und eingeholt zu haben. Ein solches Benehmen darf nicht mehr vorkommen (Anmerkung des Autors: dies war während des Aufstandes 1844 üblich, weil manche Lehrer als Redner, Meinungsbilder aktiv gewesen waren)

  • 3. Es wurde bemängelt, dass die Sonntagsschüler in der Regel nicht zu den angesetzten Prüfungen erschienen

  • 4.  … bemängelte, dass der Unfug des Wegfangens von Singvögeln und des schonungslosen Aushebens der Vogelnester zur Frühlings- und Sommerzeit meistens von den Sonntags- und Werktagsschulen verübt werde. Wir stellen den Schulinspektoren und Lehrern die Aufgabe, diesen Leichtsinn zu bekämpfen  und nicht zu ermüden, bis es gelungen ist, diesen milden Sinn in den Gemütern der Kinder zu begründen, der allein die Tiere vor roher Behandlung bewahren kann.

  • Lehrerseminar in Kaiserslautern, in der Bezirkshauptstadt

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Die Volksschullehrer in 1938

  • Adam Gutensohn, Bezirksoberlehrer
  • Ferdinand Freder, Oberlehrer
  • Johannes Hafter, Oberleher
  • Christian Jordan, Oberlehrer
  • Georg Lawaldt, Oberlehrer
  • Elisabeth Kuhn, Oberlehrerin
  • Julius Cappel, Hauptlehrer
  • Max Rös, Hauptlehrer
  • Ernst Christmann, Lehrer
  • Ferdinand Schardt, Lehrer
  • Else Schach, Lehrerin
  • Helene Rauch, Handarbeitslehrerin
  • Erna Gröschel, Handarbeitslehrerin
  • Theo Riemann, Schuldiener

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Landwirtschafts- und Gewerbeschule Kaiserslautern

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Lage der Gewerbe- und Landwirtschaftsschule:entlang der heutigen Ludwigsstraße, gegenüber ist heute das Pfalztheater. Hinter der “Naturalien-Sammlung” entstand an der Ecke zum Benzion-Ring die Oberrealschule, spätere Naturwissenschaftliche Gymnasium, heute Hohenstaufen-Gymnasium.  links ist der Maxplatz, dort war die Kerwe und gastierten der Circus.

 

Die von dem Bayrischen Schulministerium konzipierte Bildungspolitik in 1829 wurde von dem Gremium der Landräte der Pfalz abgelehnt, denn die Bayrische Regierung war auf das obligatorische Lernen  der Lateinischen und Griechischen Sprache fixiert. Aber warum sollten sich Jugendliche mit der toten Materie beschäftigen, wenn sie sich doch der Landwirtschaft, technischen Berufen, vor allem wenn sie sich der technischen Entwicklung zuwenden wollen. Man verwies auf die Bedeutung der Französischen Sprache, denn damals war Frankreich noch die führende Wissenschaftsnation in Europa. Musterschule: École Polytechnique in Paris. Die pfälzischen Regionalvertreter favorisierten die Gewerbeschulen, die landwirtschaftliche, gewerblich-technische, baugewerbliche und chemisch-technische Abteilungen aufwiesen. 1834 öffnete in Kaiserslautern  die für die Nordpfalz zuständige Landwirtschafts- und Gewerbeschule, die am Benzinoring KL gelegen war.

Die aufgenommenen Schüler gehörten i.d.R. der bürgerlichen Oberschicht an, die es sich leisten konnten, ihren Söhnen ein möbliertes Zimmer  plus Verpflegungskosten in KL zu finanzieren. Söhne sozial schwacher Familien konnten aufgenommen werden, ohne Schulgebühren zahlen zu müssen, wenn sie eine Bestätigung ihrer Bedürftigkeit ihrer Heimatgemeinde vorlegen konnten, siehe nachstehende Bekanntmachung vom 18.9.1860

Bis zum 50jährigen Jubiläum in 1884 erhielten  dort  etwa 1.000 Pfälzer die wissenschaftlich, technische Grundausbildung für ihr später erfolgreiches Leben, aber auch die Überzeugung eingeimpft, der brutalen Bayrischen Militärplicht auf jeden Fall auszuweichen. So wussten alle, dass man für 1.850 Gulden einen Ersatzmann gewinnen konnten, der für sie die Knochen hinhalten würde. (Bitte lesen sie hierzu den Artikel von Philipp Weigel * 29.1.1847),.

An bekannten Schülern nennt Jürgen Kedrigkeit in seinem Beitrag “Landrath der Pfalz” Michael Pfaff  für das Schuljahr 1836/37 und die Brüder Heinrich und Wilhelm Raab (1833 – 1837) als erfolgreiche Absolventen. (siehe Philipp Weigel * 29.1.1843) Weitere bekannte Persönlichkeiten sind Dr. Carl Andreas Glaser und Heinrich von Brunck, die Ehrenbürger von Kibo, siehe unten

Dr.  Carl Andreas Glaser, * 27.6.1841 Kibo, Ehrenbürger

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(Foto aus Hans Döhn, a.a.O. S. 364)

Der Ehrenbürger Kirchheimbolandens, der  Chemiker Dr. Carl Andreas Glaser * 27.6.1841 in Kibo, †  25.7.1939 in Heidelberg, begraben in Mannheim. Von 1855 bis 1856 war er an der Gewerbeschule Kaiserslautern, danach studierte er an den polytechnischen Schulen in Nürnberg und München. Seinen wissenschaftlichen Feinschliff erhielt er bei Justus von Liebig und Adolph Strecker. Mehrere Patente tragen seinen Namen. Ab 1869 war er bei der BASF, wo er maßgeblich die Geschäftspolitik und Entwicklung bestimmte. Von 1912 bis 1920 war deren Aufsichtsratsvorsitzender.

Dr. Heinrich von Brunck * 26.3.1847 Ehrenbürger von Kibo

(Foto aus Hans  Döhn. a.a.0. S. 367)

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Heinrich Brunck, * 263.1847 in Winterborn, Sohn des Landtagsabgeordneten Friedich Carl Brunck, besuchte im Schuljahr 1860/63 die Gewerbeschule in Kaiserslautern. Der  strebsame Heinrich Brunck war ab 1863 an der Fachschule für Chemie in Zürich. Ab 1865 studierte er in Genf und lernte sehr viel bei Friedrich August Kekulé, Wilhelm Körner und Carl Leverkus.

Ab 1869 arbeitete er noch bei der recht kleinen BASF. Zusamen mit  Friedrich Engelhorn, Carl Klemm, Heinrich Caro und Carl Andreas Glaser machten sie die BASF zum weltweit führenden Chemie-Unternehmen.  Von 1901 – 1906 war Brunck Generaldirektor der BASF, danach bis zu seinem Tod Aufsichtsrats-Vorsitzender.

Seine Bedeutung für Kibo: Heinrich von Brunck erwarb die gesamte ehemalige Schlossanlage, mit dem Schlossgarten und dem Ballhaus. Brunck ließ den ehemaligen Schlosspark mit 64 verschiedenen Baumarten zu einem englischen Garten anlegen. Der Schlosspark Kibo ist eine Attraktion.  Die Stadt Kibo erwarb das Ensemble für den symbolischen Preis von 1 Mark

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siehe nächsten Beitrag: Philipp Weigel * 29.1.1843

 

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Lateinschule, später Progymnasium, von Detlef Uhrig

Lateinschule  Kibo: 1835 – 1894

Die Lateinschulen wurden von den Bayrischen Bildungspolitikern favorisiert, sehr zum Leidwesen der Pfälzischen Landräten. die lieber an der Praxis, Technik, ‘Naturwissenschaft  ausgerichtete Schulen mit Französisch gesehen hätten.  Sie sagten, die Lateinschulen beschäftigen sich zu sehr mit toter Materie.

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1835 Wiedereröffnung der Lateinschule, Träger wurde die Stadt Kibo. Erster Schulleiter bis 1849 war Dr. Carl Alois Fischer:

1. Dr. Carl Alois Fischer (Familienbuch # 6462)  heiratete;

10.11.1842  Dr. Carl Alois Fischer, * 29.11.1803 in München,  38 Jahre alt,  “Subdirektor” der Lateinschule in Kibo,  wohnhaft in Bischheim,   S. d. Johann Michael Fischer,  † 23.3.1835 in Ansbach in Bayern,  Gerichtsbote in Ansbach,  u. Henriette, geb. Hohl,  74 Jahre alt; mit Franzisca Fabel, * 25.8.1823 in Odernheim ,  Kanton Obermoschel,  19 Jahre alt,   T. d. am 3.3.1839 † Friedrich Jacob Fabel,  Rentner dort wohnhaft gewesen,  u. der am 30.4.1827 † Juliana, geb. Böckler,  Odernheim;  die Großeltern väterl. Seite: Johann Nicolaus Fabel,  † 5.5.1801 in Gaugrehweiler,  u. Charlotta Friederica, geb. Simon,  † 11.8.1910 ebenda;  Großeltern mütterl. Seite: Friedrich Böckler,  † 9.10.1837 in Zotzenheim † Friederica, geb. Bentz;  Trauzeugen:  1.) Theobald Ritter,  Posthalter,  50 Jahre alt; 2.) Friedrich Theodor Wantzel,  Revierförster,  56 Jahre alt; 3.) Philipp Christian Fischer,  Gutsbesitzer,  66 Jahre alt;  4.) Caspar Heim,  Steuerkontrolleur,  44 Jahre alt;  alle sind guter Freunde in Kibo

Die Familie Fischer bekam 6 Kinder: 1. Julia Tusnelda Fischer * 24.8.1843, (2.) Friedrich Alois Arnim fischer * 21.9.1845, (3.) die Zwillinge Carl Fischer * 18.2.1846, (4.) Ludwig Fischer, beide Kinder starben am 16.4.1846, (5.) Ludwig Wilhelm Fischer * 16.4.1846 und (6. Ernst Wilhelm Ludwig Fischer * 19.5.1849.

Lateinschule, später Progymnasium, von Detlef Uhrig weiterlesen