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# 23112: Philipp Weigel * 2.9.1843 von Detlef Uhrig

Philipp Weigel * 2.9.1843, von Detlef Uhrig

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# 23112: Philipp Weigel * 2.9.1843 drückte sich legal vorm Militärdienst

Joh. Philipp Weigel war bereits mit goldenen Löffeln am 2.9.1843 im Mund auf die Welt gekommen. Sein Vater Jacob Ludwig Weigel aus Marnheim hatte mit Bedacht die reiche Maria Elisabetha Lauer geheiratet. Ihre reiche Mitgift von etwa 10.000 Gulden hatte sich Jacob Ludwig durch einen vorehelichen Ehevertrag mit seiner Braut und seiner verwitweten Schwiegermutter Friederica Lauer, geb. Ermarth gesichert. Sohn Joh. Philipp Weigel hatte die guten Ratschläge  seines Vaters verinnerlicht. Er trat in die Fußstapfen seines Vater, bzw. aller seiner Vorfahren, die alle wussten, wie man Amt und Geld  erfolgreich miteinander verknüpft.

Als erstes hatte er ab 1856 mit 15 Kollegen aus der ganzen Pfalz jahrelang im Wintersemester die Königlich Bayerische und Landwirtschafts- und Gewerbeschule in Kaiserslautern besucht, wo er bei einer befreundeten Familie in der Steinstraße hatte wohnen dürfen.

Zeugnis der “Kreis-Landwirthschafts- u. Gewerbschule” Kaiserslauternschul

 

So studierte er dort die letzten Erkenntnisse einer profitablen Bewirtschaftung und bekam so einen feinen Schliff und viele nützliche Hinweise für sein weiteres Leben. Das dort gewonnene Netzwerk half ihm auch 1866, als er einen Ersatzmann für seinen Militärdienst gesucht hatte. Denn der bayerische Militärdienst war überhaupt kein Zuckerschlecken gewesen. Im Gegenteil, er war gefürchtet für seine menschenfeindliche Behandlung der jungen Soldaten. Wer sich drücken konnte, machte es! Das bayerische Wehrgesetz hatte ein Schlupfloch geöffnet, das bereits im französischen Recht unter Napoleon möglich gewesen war.

Besonders schlimm für jeden jungen Mann war der berüchtigt harte, bayerische Militärdienst, vor dem sich reiche Söhne drücken konnten, wenn sie einen Ersatzmann stellten. Dank seiner Verbindung gewann Johann Philipp  einen jungen Südpfälzer, der für ihn die Knochen und den Kopf hinhielt.

Der Einstandsvertrag

Am 27.6.1866 reiste Joh. Philipp Weigel nach Speyer, um sich mit dem Ersatzmann Paul Weber aus Burrweiler (bei Landau) beim Notar Zöller zu treffen. Gegenstand war  der „Einstandsvertrag“, der auf dem § 55 des Heerergänzungsgesetzes beruhte.

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Text: „vor mir Friedrich Zöller, koeniglich bayerischem Notäre zu Speyer in der Pfalz und den genannten Zeugen erschienen:
1. einerseits Philipp Weigel
, Oeconom, wohnhaft zu Albisheim, Bezirksamt Kirchheimbolanden, aus der Altersklasse 1843 und
2. andererseits Paul Weber, Oeconom, wohnhaft zu Burrweiler, Bezirksamt Landau
, dermalen Feuerwehrmann und Aufseher bei der koeniglichen Zeughausverwaltung in Germersheim. Dieselben erklären, sie wollten einen Einstandsvertrag verbriefen lassen. Der Notär las ihnen daraufhin den §55 des Heeresergänzungsgesetzes vor. Sofort erklärten die Erschienen, den von ihnen geschlossenen Vertrag sei folgender:

Einstandsvertrag: Seite 2

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Paul Weber verpflichtet sich für Philipp Weigel in den Militärdienst einzutreten und alle Pflichten treu und gewissenhaft zu erfüllen, die demselben während seiner ganzen sechsjährigen Dienstzeit in der Armee seiner Majestät des Königs von Bayern obliegen.

Dagegen verpflichtet sich Philipp Weigel als Einstandspreis die Summe von 1.850 Gulden zu bezahlen. Davon sind 1.000 Gulden als Caution für den Ersatzmann in der betreffenden koeniglichen Klasse 850 Gulden aber zu seiner allmählichen Verwendung bei der Zeughausverwaltung Germersheim zu hinter-legen. Die Kosten des Gegenwärtigen zahlt der Einsteller.

Hierüber Urkunde: Geschehen zu Speyer auf des Notars Amtsstube am 26.6.1860:

Die Urkunde hatte übrigens 43 Gulden 34,5 x gekostet, die Weigel gleich bar bezahlte.

Philipp Weigel war nun für alle Zeiten den verdammt unbequemen Militärdienst los und brauchte deshalb auch nicht als Soldat im Deutsch/Französischen Krieg seinen Kopf hinhalten. Da er wohl keinem Albisheimer von diesem Geschäft erzählt hatte, wurde auch nicht über ihn schlecht geredet. Nun konnte Philipp ungestört seinen Geschäften nachgehen und sein Vermögen vermehren.