Archiv der Kategorie: Bayern

Krankenversicherung für Dienstboten

Krankenversicherung für Dienstboten

Beitragspflichtig waren nach dem “Armengeetz” vom 29.4.1869, Art. 20

  • alle in der Gemeinde im Dienste oder in einer ständigen Arbeit stehenden, nicht heimatberechtigten Personen, soweit solche nicht bereits der Gemeindekrankenversicherung angehörten, also namentlich die Dienstboten, die unbezahlten Lehrlinge und
  • alle in der Gemeinde heimatberechtigten, dienenden und arbeitenden Personen, wenn sie weder einen eigenen Hausstand haben, noch bei ihren Eltern wohnten.
  • Die Höhe der Beiträge betrug im Quartal für
  1. Männer über 16 Jahre zahlten 1,56 Mark,
  2. Weibliche Personen über 16 Jahre 1,12 Mark,
  3. Jugendliche unter 16 Jahren = 0,78 Mark
  • Die Dienstherren oder Arbeitgeber hafteten für die richtige Bezahlung der Beiträge. Rückständige Beiträge wurden nach den damaligen Bestimmungen zwangsweise kassiert!
  • Dank der Hebelisten der einzelnen Jahre kennen wir sowohl die Dienstmädchen als auch deren Arbeitgeber. Im ersten Quartal waren es 93, im II. Quartal 91, III. Quartal 98 und im IV, Quartal 117 Personen als Arbeiter und Dienstmädchen oder in ähnlicher Position bei 53 Arbeitgebern beschäftigt gewesen.

Donnersberggymnasium

Bilder sind aus der homepage des Donnersberggymnasiums: Schüleraustausch

liebes Donnersberg Gymnasium, wir unterstützen Euch! Bitte sendet uns Bilder von Euren Veranstaltungen und geschichtliche Infos, die nicht dem Datenschutz unterliegen, wie z. B.  Namen früherer Kollegen des Progymnasiums und Gymnasiums und Abiturienten,  Namen im Krieg gefallener Schüler und Kollegen etc.

Chronik – Nordpfalzgymnasium Kirchheimbolanden

Detlef.Uhrig@t-online.de

 Frau Eva-Maria Saas, beste Lehrerin

 Gruppenfoto

Gruppenfoto

Insgesamt 16 Lehrkräfte und sechs Pädagogen-Teams aus zehn Bundesländern wurden am Montag, den 26.09.2016, in Berlin  geehrt. Rund 4.500 Schüler/innen und Lehrkräfte beteiligten sich an der achten Auflage des Wettbewerbs. Er wird seit 2009 jährlich von der Vodafone-Stiftung und dem Deutschen Philologenverband veranstaltet.

Mit der Auszeichnung würdigte die Jury das herausragende pädagogische Engagement von Frau Saas, Lehrerin für Chemie, Biologie und Naturwissenschaften am NPG.  Frau Saas wurde in der Wettbewerbskategorie „Schüler zeichnen Lehrer aus“ von ihren Abiturienten des Chemie-Leistungskurses und Stammkurses 2016 nominiert. Ihre Schülerinnen und Schüler hoben besonders ihre herausragende Fachkompetenz hervor, den hohen fachlichen Anspruch an die Schülerinnen und Schüler und den Anspruch an sich selbst, niemanden zurückzulassen und alle zu bestmöglichen Leistungen zu führen. Ebenso beeindruckten ihr außerschulisches Engagement, ihre große Geduld und Hingabe und ihr Bemühen, alle „auf das Leben nach dem Abitur“ vorzubereiten.
“Frau Saas versteht es einfach, ihren Schülern ihr Wissen verständlich beizubringen und sie in allen Lebenslagen zu motivieren”, lobten die Schüler ihre Chemie- und Biologie-Lehrerin.
Den Unterricht bei Frau Saas beschreiben die Schüler als hart. Zu Beginn einer Stunde werde zuletzt Gelerntes abgefragt, Hausaufgaben gebe es genug und auch vor Sonderstunden schrecke die Lehrerin nicht zurück. Doch mit der Zeit wurde den Schülerinnen und Schülern klar, für wen das ist – für sie und ihr Abitur. Ihre Lehrerin habe auf alle noch so verwirrend gestellten Fragen eine Antwort parat gehabt und sich mit großem Engagement dafür eingesetzt, dass jeder sein Abitur besteht.
Die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) zeigte sich erfreut, dass auch in diesem Jahr wieder eine Lehrerin aus Rheinland-Pfalz unter den Preisträgern ist:
„Die Auszeichnung für Eva-Maria Saas zeigt, dass Schülerinnen und Schüler genau sagen können, was sie sich von ihren Lehrkräften wünschen. Sie anerkennen und schätzen den anspruchsvollen Fachunterricht ihrer Lehrerin ebenso wie ihr ehrliches persönliches Interesse an jeder Schülerin und jedem Schüler. Was kann man einer Lehrkraft Schöneres sagen als: ‚Wir haben in dieser Zeit viel gelernt, nicht nur über Chemie, sondern auch für unser Leben und für uns selbst‘.“ „Diese Auszeichnung“, so Hubig, „ist ein motivierendes Signal an alle engagierten Lehrerinnen und Lehrer. Sie zeigt, dass ihr fachlicher und menschlicher Einsatz für die Schülerinnen und Schüler wahrgenommen wird und Früchte trägt.“

Die Initiatoren des Wettbewerbs „Deutscher Lehrerpreis – Unterricht innovativ“ wollen mit der Auszeichnung die positiven Leistungen von Lehrkräften sowie Schülerinnen und Schülern würdigen und in den Vordergrund der öffentlichen Wahrnehmung rücken.

Frau Maria-Eva Maas, Kommentar des SWR Fernsehens

Den Unterricht bei Saas beschreiben die Schüler als hart. Zu Beginn einer Stunde werde zuletzt Gelerntes abgefragt, Hausaufgaben gebe es genug und auch vor Sonderstunden schrecke die Lehrerin nicht zurück. Doch habe sie auf alle noch so verwirrend gestellten Fragen eine Antwort parat gehabt und sich mit großem Engagement dafür eingesetzt, dass jeder sein Abitur besteht. Ebenso beeindruckte die Schüler Saas’ außerschulisches Engagement sowie ihre große Geduld und Hingabe.

 

 

14.12.2016: 9.Klasse des Rittersberggymnasiums KL experimentieren bei der BASF

 

Progymnasium

Das erweiterte Bildungsprogramm, das Progymnasium: 1894 – 1948

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Lehrer Heinrich Schierstein

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Das Schuljahr in der Pfalz begann nach Ostern. Die Schüler bekamen drei Zeugnisse. 1. das Sommer-Zeugnis, 2. das Winterzeugnis, das am letzten Schultag vor Weihnachten ausgehändigt wurde und 3. am letzten Schultag vor den Osterferien das Jahreszeugnis.

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Die Lehrer in 1938

  • Pieverling von, Studiendirektor
  • Hans Schlegel, Studienprofessor
  • Otto Bechtloff, Studienrat
  • Franz Ulschmid, Studienrat
  • Friedrich Vogelsang, Studienrat
  • Ferdinand Neumerkel, Studienassessor
  • Otto Richter, Studienassessor
  • Emil Wild, Studienassessor
  • Heinz Polster Studienassessor

Franz Schupp, Schuldiener

 

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1832: Hambacher Fest

Das Hambacher Fest: 27.5.1832

(besucht die Weinstraße, es ist wunderschön dort, Ihr erlebt einen Augen- und Zungen-Schmaus. bitte klick mich an und sie sehen meine ganze Schönheit.)

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In Kibo trafen sich sonntags nach dem Gottesdienst die Männer zum Frühschoppen, während die Frauen brav heimgingen, um das Sonntagsmahl zu kochen. Dies war hier im Süd-Westen überall üblich. Natürlich wurde getrascht, aber hier im Südwesten war viel zu diskutieren, zu lamentieren, denn den Menschen brannten die Probleme unter den Nägeln. Zentraler Diskussionsort war das ideal gelegene Gasthaus „Zur Neuen Post“, Neue Allee- nur wenige Schritte von der Paulskirche, der Peterskirche und der Synagoge entfernt.  Inhaber: Joh. Theobald Ritter,  Posthalter und Gastwirt

Worüber wurde laut geschimpft, lamentiert? Das war die beschissene wirtschaftliche Rezession nach dem Untergang des Napoleonischen Kaiserreiches in 1815. Die Zugehörigkeit zum Königreich Bayern ab 1816 brachte eine wirtschaftliche Isolation durch die neue, unerbittliche Grenze vor der Haustüre, zu Rheinhessen, die jeden wirtschaftlichen Aufschwung ausbremste. Die Menschen arbeiteten wie verrückt und kamen dennoch auf keinen grünen Zweig. Zudem der verflucht brutale bayrische Militärdienst in den Festungen Landau und Germersheim, der die  die Psyche zerstörte, Die jungen Soldaten hatten mehr Angst vor ihrem Ausbilder, als vor dem Tod.  Massenweise packten die Nordpfälzer, die Kerchemer ihren Krempel, um dem Elend der Armut, der Unterdrückung zu entfliehen. Sie wanderten i.d.R. über Le Havre bzw. Rotterdam nach Amerika, Brasilien etc. aus.

Der einzige Vorteil nach der „Befreiung“ war, dass der uralte Adel nicht mehr zurückgekommen war. So konnte sich das liberale Bürgertum in der Pfalz besser entfalten als in preußischen Landesteilen, denn die konservativen Gegenkräfte waren weit weg. Aber die alten franz. Freiheitsrechte waren noch greifbar, sie waren kein Traum;  man wollte sie wieder zurückhaben

Die Kirchheimer „Diskussions- Gruppe“ war etwa 40 Personen stark, die sich regelmäßig auch abends trafen  und von denen wurden später im Frankfurter Schwarzbuch folgende Bürger genannt, die dann auch nach dem Hambacher Fest angeklagt und auch zum Teil zu Haftstrafen verurteilt wurden. Dies waren Christian Ackermann, Ludwig Ackermann, der Metzger Ludwig Bechthold * 8.7.1779 (# 2258) , Schmied Philipp Christian Braunewell * 16.6.1800, Jacob Anton Brogino * 5.4.1779 ( # 2916), der Bäcker Jacob Daum * 13.11.1798 in Duchroth, der Tünchermeister Peter Thiel * 15.1.1802 (#20685), der Küfer Peter Greis * 23.4.1797 Miesbach, der Schlosser Jacob Wilhelm Kirchner * 6.6.1774, der Makler Joh. Peter Kolb, der Dreher Heinrich Lapp, der Kaufmann Fritz Carl Lennig, der kath. Pfarrer Jacob Mayer, der Bäcker Jacob Christina Miesel, der Kaufmann Franz Pilgram (#15496), der Posthalter Joh. Theobald Ritter * 6.5.1792 (# 16440), der Gerichtsbote Andres Joseph Ropiquiet, der Notar Carl Wilhelm Schmidt, die Orgelbauer Philipp Schmidt senior und Wilhelm Schmidt junior, der Baukandidat Carl Schmidt, der Schreiner Franz Carl Schmidt, der Musikant Adam Schuler, der Glaser Joh. Philipp Siegler * 14.1.1803 (# 195823), der Küfer Friedrich Steller, der Buchdrucker Carl Thieme, aus Marnheim der Wirt Wagner und vom Bolanderhof der Bauer Friedrch Rupprecht. Als „größte und unverschämteste Schreier dieser Gruppe“ wurden der Einnehmer Abend aus Marnheim und der Pfarrer Berkmann aus Einselthum genannt. Die oben Genannten fuhren zusammen mit ihren Kutschen nach Neustadt, um für einen demokratischen Staat zu demonstrieren ( Quelle Hans Döhn, a.a.O. S. 339)

Zurück zum Hambacher Fest: Es hatte ein Jahr Vorbereitungszeit gekostet, um Deutschland-weit diese Demonstration für eine demokratisches Deutschland zu organisieren. Datum war der letzte Sonntag im Mai 1832, ein sehr guter Tag, an dem man mit Sicherheit davon ausgehen konnte, dass das schön warme Frühlingswetter mitspielen würde. Treffpunkt war der Marktplatz in Neustadt an der Weinstraße ( damals an der Hardt), nachdem man sich den göttlichen Segen in der Stiftskirche geholt hatte. Dabei waren die Landräte Paul Camille Denis und sein Freund aus Jugendtagen Daniel Ritter, Posthalter aus Diemerstein- Frankenstein, der dort seinen Bruder Theobald Ritter. Posthalter in Kibo traf.

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bitte ein Klick und ihr seht alle Details

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Das Hambacher Fest war ein Volksfest, bei dem einige Redner schwungvolle Reden hielten. die Bandbreite der Visionen gingen von einem demokratischen Bundesstaat, mit und ohne Österreich. bis zu einer konstitutionellen Monarchie . Welcher Weg auch beschritten worden wäre, die Fürsten Deutschlands hätten Macht und Einfluss abgeben müssen.  Auf Drängen des österreichischen Staatskanzlers Metternich ließ der Bayrische König bayrische Truppen in die Pfalz einmarschieren, die kurzen Prozess mit den Aufständischen machten.. Sofern die führenden Redner nicht in die Schweiz, Frankreich, USA flüchten konnten, kamen sie in den Knast und wurden angeklagt.

Aber keiner der etwa 40 Teilnehmer aus Kibo hielt in Hambach eine Rede. Durch ihre Teilnahme hatten sie jedoch einen kleinen persönlichen Beitrag geleistet. Der Friedensrichter Wenz berichtete an die Gerichtsbehörden, der Pfarrer Berkmann aus Einselthum habe bei Trinkgelagen unter wildem Toben liberale Reden gehalten.

Nun die Berichte Hans Döhn:

der Fall Theobald Ritter, Gastwirt und Posthalter in Kibo,

Vom Volksfest Hambacher  Fest hoch motiviert und begeistert heimgekehrt, setzten die Kirchheimer Freiheitskämpfer ihre Tätigkeit fort. Am 2. Weihnachtstag 1832 fand im Gasthaus Neue Post eine große Versammlung statt. Und am Neujahrstag gabs im gleichen Lokal des Theobald Ritter nochmals einen Bürgerball, “Tanz ins Neue Jahr” für den die Polizeistunde aufgehoben worden war.

Nun  die angeblich schlimme Provokation: Theobald Ritter hatte in seiner Gastwirtschaft einen Leuchter in Menschengestalt aufgestellt,  aber mit einem Eselskopf, bekleidet mit einer bayrischen Uniform, Diese Figur hielt in der Hand eine Regierungerklärung , die das Hambacher Fest betraf.  Diese Figur sollte angeblich den den pfälzischen Regierungspräsidenten von Adrian-Werburg darstellen, der im Frühjahr 1832 in die Pfalz gekommen war. und am 22.6.1832 den Freiherrn von Stengel abgelöst hatte. Nach dem Wenz seinen Bericht über diese Ungeheuerlichkeit abgegeben hatte. leitete der Zweibrücker Staatsanwalt Schenkl  polizeiliche Schritte ein.

Am 16.2.1833 entzog die Generalverwaltung der Bayrischen Post dem Posthalter Ritter seinen Dienstvertrag als Posthalter. Theobald Ritter hatte aber mächtige Freunde und Fürsprecher wie den Gerneralverwalter in München, so dass er ab dem 15.4.1833 wieder seinen Postservice weiterführen durfte.

Der Fall Pfarrer Berkmann, Einselthum

6.1.1833 verständigte die Bayrische Regierung die evangelische Kirchenverwaltung in Speyer über das Verhalten ihres Pfarrers Berkmann und beantragte dessen Entlassung. Denn der habe in seinen liberalen Predigten von unterdrückter Freiheit gesprochen, er habe gepredigt „schlechte Fürsten, schlechte Pfaffen, sind´s die alles Unrecht schaffen. Als er am 3.6.1835 in Einselthum in seiner Predigt angeblich zum Rebellion aufgerufen hatte, entließ ihn die ev. Kirchenverwaltung.

Pfarrer Berkmann klagte gegen seine Entlassung und am 17.1.1834 wurde der Fall vor dem Appellationsgericht – heute Oberlandgericht – in Zweibrücken behandelt. Das Gericht sah kein Fehlverhalten, keine strafbare Handlung des Pfarrers, so wurde Berkmann freigesprochen und die ev. Landeskirche musste Berkmann wohl oder übel wieder einstellen.

Am 3.6.1834  hielt Berkmann in Einselthum seinen ersten Gottesdienst wieder ab. Die Liberalen aus Kibo nutzten diesen Tag zu einer Groß-Demonstration, der mit einem großen Fest mit Böllerschüssen zu Ehren des Pfarrers endete.

Fortsetzung folgt. 

Beide Landräte Paul Camille Denis und Daniel Ritter fielen in Ungnade und wurden ihres Amtes als Landrat enthoben.

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Polizeiordnung, Straßenreinigung, Verkehrssicherheit

1864: Polizeiordnung, Straßenreinigung, Verkehrssicherheit

Es war verboten:

  1. innerhalb der Gemeinde schneller als im Trab zu reiten oder auch die Kutschpferde galoppieren zu lassen. Beim Einbiegen in die Straßen durfte nur im Schritt geritten oder gefahren werden, um ein Zusammenstoß mit Menschen oder anderen Fuhrwerken zu verhindern;
  2. Während des Gottesdienstes, sowie während des Unterrichtes mit der Peitsche zu knallen oder sonstigen Lärm zu verursachen. Das mutwillige Peitschenknallen war generell untersagt;
  3. während des Winters mit Pferdeschlitten ohne Schellen zu fahren;
  4. Auf den Gassen war sogleich nach dem Schneefall eine freie Bahn zu kehren und bei Glatteis Sand, Asche oder Sägemehl zu streuen;
  5. Bei Schnee und Eis waren die Straßenrinnen stets offen zu halten. Bei eintretendem Tauwetter war das Eis aufzubrechen und der Matsch zusammen zu kehren.
  6. Während der Nacht durften auf den Straßen aus Sicherheitsgründen keine Wägen herumstehen. Wenn es doch notwendig war, so war das Fahrzeug mit einer Laterne zu versehen und die Deichsel war hoch zu klappen. Das gleiche galt für herumziehende Gewerbetreibende, denen auch das Übernachten in ihren Fahrzeugen verboten war.
  7. Kehrpflicht: Alle Straßen waren von den Anreinern jeden Samstag, sowie vor Feiertagen zu kehren. Bei trockenem Wetter war zur Staubbeseitigung die Kehrfläche vorher zu wässern. Bei großer Hitze und Trockenheit hatten die Hausbesitzer vor ihrem Anwesen zweimal täglich die Verkehrsfläche mit frischem Wasser zu nässen; und zwar morgens zwischen 9 und 10 Uhr und nachmittags zwischen 4 und 5 Uhr.
  8. Während öffentlicher Bekanntmachung mittels der Schelle haben Fuhren und Reiter in angemessener Entfernung stille zu halten, bis die Bekanntmachung vollzogen ist. Ebenso war störendes Geschrei untersagt.
  9. Das Verrichten natürlicher Bedürfnisse auf Straßen und Plätzen ist verboten“.

    die 2 Polizeidiener in  1864

    Gunkel Michael Anton, * 4.11.1820 in Ruchheim/Pfalz,

    Hatzfeld Jacob, * 18.4.1804 oo 27.9.1833  Anna Maria Lauckhardt (Familienbuch # 8339)

1819: Preise und Versteigerung

1819: Preise  und Versteigerungpreise-1819

Hinweis:  12 Loth waren 175 Gramm,

Diese Meldung vom 22.5.1819 enthält auch die Versteigerungs-Anzeige Am 21.6.1819 ließ der Notar Neumayer[1] von Kirchheimbolanden auf Veranlassung der Hohen Königlichen Bayerischen Regierung vom 16.4.1819 die seit fast 1000 Jahren im Besitz der Gemeinde Albisheim befindliche „Königsweidezwangsversteigern. Der Notar veranlasste deshalb die oben abgedruckte Annonce im neuen Kirchheimbolander Wochenblatt am 21.5.1819. Gleichzeitig ließ er die Versteigerung der 75 Grundstücke[2] im ganzen Kanton durch die Schelle ankündigen

Die Versteigerung fand in der „Behausung“ des Philipp Lauers statt, der zu jener Zeit der reichste Bürger Albisheims gewesen war. Phil. Lauer[1] hatte zu den Kriegsgewinnlern gehört, der mit zahlreichen Geschäften, (die heute nicht mehr nachvollziehbar sind), viel Geld verdient hatte. Als Zeichen seines Erfolges baute er 1815 das hübsche klassizistische Haus in der Hauptstraße, während Albisheim durch permanente Durchmärsche der preußischen, russischen, bayerischen Truppen massiv finanziell gelitten hatte.

Aus dem erzielten Versteigerungserlös der „Königsweide“ in Höhe von etwa 15.000 fl befriedigte das Landcommissariat die Ansprüche der 29 Albisheimer Gläubiger!

[1]) Philipp Lauer , * 29.3.1773, Gutsbesitzer und Wirt des Gasthauses Zum Löwen , hatte am 14.7.1793  Maria Friedrica Ermarth, * 3.2.1771, Tochter des reichen Friedr. Ludwig Ermarth geheiratet. Das Ehepaar hatte 9 Kinder, die allesamt reiche und einflussreiche Partner ehelichten. Phil. Lauer starb am 16.3.1838.  Drei Kinder nahmen Partner aus der Familie Schloßstein. Seine jüngste Tochter Elisabetha    oo  1840 den Marnheimer Ludwig Weigel, der auch sein Gasthaus übernahm.  Siehe Familienbuch Albisheim   # 12011

[1] ) Neumayer, Georg, * um 1783 in Worms, Notar, seine Eltern: Gottfried Neumayer, Verwalter des Stiftes Neuhausen bei Worms und der Maria Anna, geb. Hermann, * um1760 in Obwalburg/ Main. Georg Neumayer war mit Christina Theresia Kirchner, * 27.11.1799 in Kibo verheiratet. Er wohnte in der Prinzengasse, die heute Amtsstraße heißt. In seinem Wohngebäude ist heute wiederum ein Notariat

[2]) Allerdings hatte die Gemeinde die fraglichen 75 Grundstücke der Königsweide noch am 9.5.1817, vormittags ab 10 Uhr meistbietend auf 6 Jahre verpachtet. Jeder Bieter hatte wie damals üblich, einen Bürgen zu stellen. Der jährliche Pachterlös wurde noch // in 1.287,85 FF bzw. 597 fl 45 X ausgewiesen. Am 14.5.1817 bestätigte Herr Wied von der Bezirksdirektion in Kaiserslautern die Pachtverträge[2].

Cholera Fälle in Albisheim

1832: Cholera in Albisheim, Kibo wurde aktiv:

Würde heute eine Cholera – Seuche ausbrechen, dann würde der Krisenstab sofort Alarm auslösen und nach vorhandenen Plänen situationsgerecht reagieren. Wie genau dies allerdings in 1832 ablief, wissen wir nicht? Auf jeden Fall informierte die Gemeinde das Landeskommissariat, die ihrerseits Herrn Dr. Heinrich Oberle[1] von Kirchheim nach Albisheim schickte, um „nach dem Rechten zu sehen“. Der Text des Auszahlungsbelegs N° 71 lautet: „eine Tagesgebühr wegen den in den Gemeinden des Kantons Kirchheim im Falle des Eindringens der Cholera zu treffenden Vorkehrungen“ veranlasste das Königliche Landeskommissariat am 18.10.1832 die Zahlung von 2 Gulden. Am 10.11.1832 wurde der Betrag Dr. Oberle in Neulauterburg ausgehändigt. Dr. Oberle dürfte

  • die Einrichtung einer kleinen Isolierstation und
  • die Verbesserungen der Wasserversorgung mit Einhaltung entsprechender Hygieneregeln veranlasst haben

Ein weiteres Aha-Erlebnis brachte der Beleg # 106/1832 des Schreinermeisters Christian Göhring[2] vom 9.6.1832: er schreibt, er „habe in Gefolge mündlichen Accords auf Rechnung der Gemeindekasse von Albisheim, dass er bei Ausbruch der Cholera für Cholerakranke der Gemeinde Albisheim in dem bestimmten Lokal[3] fünf Bettstellen und zwei Nachtstühle, sowie 5 Strohsäcke um den accordmäßigen Betrag von 41 Gulden 23 X geliefert und bitte deshalb um gefällige Anweisung“. Der Betrag wurde am 11.6.1832 angewiesen und zwei Tage später vom Land-Kommissariat in Kirchheim bestätigt! Christian Göhring nahm 1832 auch die Leichenschau vor. Laut seiner Aufstellung war in 1832 der erste Sterbefall der der Jüdin Elisabetha Benedikt gewesen.  Zusammen hatte Albisheim in jenem Jahr nur 17 Todesfälle zu beklagen gehabt.  Je Sterbefall berechnete er 24 x. Viele Jahrzehnte blieb diese Gebühr unverändert.

Jacob Anton Brogino[4] aus Kirchheim (Familienbuch Kibo # 2917) lieferte für diese Betten 5 Wolldecken, das Stück für 3fl 40, zusammen für 18 fl 20. Rechnungsdatum war der 20.8.1832!

Da die standesamtlichen Akten damals keine Todesursachen benannten, können keine Quantifizierungen vorgenommen werden. Der Krankheitsverlauf in Albisheim dürfte sehr milde verlaufen sein, denn der Leichenbeschauer Christian Göhring rechnete nur 17 Sterbefälle ab. Wenn wir noch die 2 Totgeburten abziehen, dann  gab es  1832  sogar verhältnismäßig wenige Sterbefälle.

[1]) Dr. Heinrich Oberle, war der Sohn des Rentmeisters Johann Anton Oberle, der laut seiner Sterbeurkunde vom 7.4.1849 (STA Kibo) in Schlettstadt/Elsaß  im Nov. 1775 auf die Welt gekommen war . Seine Mutter Margretha Weimar stammte aus Bingen und starb 55 jährig am 21.12.1818 in Kibo. Über Dr. Oberle ist wenig bekannt. Als er 1832 für Albisheim tätig wurde, hatte er 25jährig gerade sein Medizin-Studium abgeschlossen. Er dürfte den Bau der kleinen Isolierstation mit 5 Betten veranlasst haben!

[2]) Christian Göhring, * 14.8.1784, † 31.10.1848, oo 15.4.1813 Maria Barbara Göhring, * 226.1790, † 21.4.1856, die Familie hatte 11 Kinder, siehe Familienbuch Albisheim unter # 7089!

[3]) Wo sich dieses bestimmte Lokal befand, wurde aber nicht genannt!

[4]Brogino  Jakob Anton,  * 5.4.1778 in Kibo, † 28.4.1854, nachmittags um 2 Uhr in Kibo, 75 Jahre u. 23 Tage alt, Kaufmann u. Gutsbesitzer hier,  Ehemann  der  Katharina geb. Lennig, 63 Jahre alt,  S. d. in Kibo am † 15.8.1793  Kaufmanns Joseph Brogino u. der Maria Susanna Iganzia geb. Meletta, * 29.8.1744 (deren Eltern hießen Bernhard und Maria Margaretha NN).  Familienbuch # 2917