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Jüdischer Friedhof Albisheim – Jewish cemetery in Albisheim, von Detlef Uhrig

Jewish cemetery in Albisheim, north of the village, two fields, size 2.920 sqm.

Max Gümbel * 24.2.1842, died 9.1.1908 in Munich; married oo 21.2.187 Rosa Seelenberger * Berdesheim

 

Grabstein des Selig Seligmann * 10.2.1811, gestorben am 11.7.1884, war verheiratet mit  Helene Franck * 22.6.1819 Ilbesheim, unten Sohn Joseph S.

Michael Mandel * 26.11.1835, died 19.4.1917, married 12.1.1864 Gertrud Rothschild * 9.1.1845 Offenbach, died 10.7.1912

Joseph Gümbel * 6.8.1858, gestorben am 22.3.1924, war verheiratet oo 1.5.1889 Julia Ulmann * 31.1.1862 Merchingen und starb 16.9.1928

Joseph Gümbel

Hermann Metzger * 3.71837, married oo 12.6.1867 Rosa Klein * 18.3.1843, died 14.7.1925

 

Emma Metzger * 8.8.1879, died  1.8.1833 und Johannes Metzger * 10.3.1875, verschleppt nach Gurs, ermordet in Ausschwitz

10.11.1795: blutiger Kampf um die Nordpfalz

10.11.1795: blutiger Kampf um die Nordpfalz

Die französische 11. Division und ein Teil der 10, der Rhein- und Mosel Armee hatten sich von Rockenhausen, Dannenfels, südlich von Bolanden und zwischen Marnheim und dem Heyerhof in Stellung gebracht. siehe die franz. Karte

28.10.1795: Die französischen Generäle Jourdan und Pichegru zogen sich mit den ihnen verbliebenen 35.000 Mann der 11. Division und der Rhein- und Moselarmee hinter die Verteidigungslinie entlang der Höhen südlich der Pfrimm zurück, die von Worms, Pfeddersheim über Kirchheimbolanden bis nach Rockenhausen reichte.

Sofort wurden auf dem markanten Bergrücken des Albisheimer Saukopfs Verschanzungen bezogen, die von den zwangsverpflichteten Bewohnern der Umgebung in mühseliger Handarbeit errichtet worden waren. Wie man auf der beigefügten Karte erkennt, waren besonders zwischen dem Heyerhof und Marnheim, südlich der Pfrimm starke Einheiten positioniert. In Einselthum waren 200 reitende Jäger, in und um Albisheim war das starke 15. franz. Reiterregiment mit seinen 301 Reitern 7 Tag lang stationiert gewesen.

Der schwächste Punkt in der langen Linie war die Position um Kirchheimbolanden und dort setzten die Strategen den Hebel an. Am 2.11.1795; der österreichische General Nauendorf rückte gegen Kirchheimbolanden vor und lieferte den Franzosen bei Ilbesheim und Stetten mehrere blutige Gefechte. General St. Cyr schickte Verstärkungen, um den Durchbruch der Österreicher zu verhindern.

 

Räuberbanden: Schinderhannes, Thomas Bückler, Nathan Schmaye

politisches Ziel des Präfekten Jeanbon St. André: Bekämpfung der Räuberbanden

Nicht nur Fahnenflüchtige und Kriegsdienstverweigerer machten Probleme. Massive Kopfschmerzen bereiteten die vielen Räuberbanden, aber auch Freischärler, die im Schutz der dunklen Nacht die französischen Sammellager leer räumten oder sie gar ansteckten. Der bekanntest war Johannes Bückler, genannt der Schinderhannes

Der franz. Staat errichtete auf Anweisung  des Präfekten Jeanbon St. André  an den Gerichtshöfen der Departementverwaltungen Sondergerichte ein (Cour de Justice Criminelle Spéciale), so auch in Mainz, das unter dem Vorsitz seines Gerichtspräsidenten Reebmann stand. Die Beisitzer waren die Herren Brellinger, Darousse, Constantin, Duesberg, Spinosa.. Im Oktober 1810 behandelte das mit 6 hochrangig besetzten Richtern und Generälen  an 9 neun Tagen die Straftaten Albisheimer Bürger in öffentlichen Sitzungen. Der Chef der kaiserlichen Staatsanwaltschaft übernahm persönlich die Anklage. Der  Generalstaatsanwalt Richter Tissat beschuldigte in seiner Anklageschrift vom 30. September den 93jährigen Nathan Schmaye, auch Schmaye Baruch genannt, als Wiederverkäufer Hehlerware gelagert, angeboten und verkauft zu haben. Erster Prozesstag war der 15.10.1810. Polizisten und andere Zeugen waren geladen, die seit Monaten begangenen, schweren Vergehen in der Gegend  zu erhellen und die wahren Täter namhaft zu machen.  Denn unter anderem  in der Nacht vom 7. auf den 8. September 1809 waren mehrere unbekannte Personen in das Lager in Harxheim eingebrochen und hatten es leer geräumt. Auf Grund von Hinweisen untersuchten die Polizisten das Haus des alten Mannes in Albisheim und fanden im ganzen Haus gestohlene Ware. Der Pflichtverteidiger wird wohl auf Nathan eingeredet haben, die Klappe zu halten und sich und andere nicht zu belasten. Aber der vielleicht bereits Demenzkranke packte aus und belastete seinen 33jährigen Enkelsohn Nathan Schmaye aus Albisheim, daran beteiligt gewesen zu sein.  Am 22. Oktober hielten Staatsanwalt und Verteidiger ihre Playdoyers  und das Gericht zog sich zur Beratung zurück. Am 24. Oktober war die Urteilsverkündung. Der Vorsitzende Reebmann verlas das Urteil, das gemäß der Akte Albisheim wie folgt begann:

„Urteil des Cour de Justice Criminell Spécilale beim Departement Donnersberg, eingerichtet durch Napoleon, durch Gottesgnade Kaiser der Franzosen  König von Italien, Beschützer des Rheinbundes, Friedensstifter der Schweizer Kantone wird Nathan Schmaye zur Todesstrafe verurteilt. Die Vollstreckung erfolgt auf dem öffentlichen Platz der Stadt Mainz“[1]

[1]) Diese Bericht steht im Sterberegister Albisheim von 1810, franz.

weiterlesen: Blücher 

Balthasar Gräser verspielte Haus und Hof

  • den 11.1735 ward begraben Heinrich Balthasar Gräßer, alt 42 Jahre. (→ Sein Sohn Conrad Henrich † 14.5.1736, alt 20 Monate). Leider hatte Pfarrer Gümbel nicht diese Todesursache vermerkt. Über 14 Jahre nach seinem Tod erstellte der Amtsschreiber Friedrich Henrich Lucae[1] des Oberamtes Kibo am 7.2.1750 ein Inventarium, das die katastrophale Finanzlage der Familie dokumentierte. Balthasar Gräßer hatte immense Schulden hinterlassen. Wie war es dazu gekommen?
  • Heinrich Balthasar Gräßer war nämlich der Spielsucht verfallen gewesen. Die Residenzstadt Kirchheim war damals ein Zockerzentrum gewesen, in der sich etliche Berufsspieler, Gauner sehr zum Unwillen des Landesvaters ihr Unwesen trieben.  Es gab etliche Spielhöllen in denen bei verderblichen Hazard – Spielen etliche Bürger ihr sauer erworbenes Vermögen stündlich aufs Spiel setzten, um sehr schnell reich zu werden. Aber in diesen kitzligen Momenten setzten sie sich der Gefahr der gänzlichen Verarmung aus. Gräßer gewann gelegentlich, um ihn bei der Stange zu halten, um ihn anzufüttern, aber meistens ging er enttäuscht mit leeren Taschen heim, während andere von Fortuna reich geküsst wurden. So lieh sich Gräßer bei allen möglichen Leuten Geld, um weiter spielen zu können, denn die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Gräßer hatte sein sämtliches Vermögen verpfändet, um an Geld heran zu kommen, aber dann setzte der Tod seiner Unvernunft ein Ende.
  • So eröffnete die Weilburg´sche Verwaltung in Kirchheimdas Insolvenzverfahren, das laut Akte damals „Concursus Creditorum“ hieß. Das ganze Vermögen des Balthasars kam unter den Hammer und wurde versteigert. Nichts blieb übrig. Deshalb konnte keiner der vier Kinder, die noch 1750 am Leben waren, aus dem Vermögen des Vaters etwas erben.[2] Allerdings blieb das Vermögen der Mutter unangetastet, das sie mit in die Ehe eingebracht hatte. 

[1] ) Friedrich Henrich Lucae war Amtsschreiber und mit Susanna Elisabetha Galle verheiratet. Sohn Justus Christian kam am 14.10.1744 in Kibo auf die Welt.

[2]) Das franz. Bürgerliche Gesetzbuch  = Code Civil von 1804, Livre III. titre 12ième, § 1965: gestattete keine Klage wegen einer Spielschuld oder wegen Zahlung einer Wette. „ La loi n´accorde aucune action pour une dette du jeu ou pour le paiement d´un pari“ Livre III, titre 12ieme

24.12.1781: Kanzler von Botzheim erließ sanfte Strafmilderungen

24.12.1781: Fürst Carl Christian war in bester Weihnachtsstimmung: sanfte Strafmilderungen, verkündet von Herrn von Botzheim

Die nun etwas abgemilderte Strafandrohung des Herrn Fürsten Carl, Fürst zu Nassau bezieht sich auf die vom → 12.7.1742, erweitert sie aber auch andere strafbare Tatbestände, die im Kirchheimer Schloss begangen wurden. Dort steht Folgendes:

„…wenn irgend jemand, er sei ein fremder oder einheimischer Domestik, männlichen oder weiblichen Geschlechts, der sich unterstehen würde, in unseren Schlössern und dazu gehörigen Gebäuden, wie Orangerie, Marstall, Officen, Kellern, Küchen, Zuckerbäckereien, Wasch- und Backhäusern Geld, Hausrat, Mobilien uns selbst oder den darin sich aufhaltenden Bedienten, Domestiken und Fremden, oder wenn ein Kamerad dem anderen im Wert von einem bis 25 Gulden in diebischer Weise entwendet, wenn sie älter als 18 Jahre sind, dann sollen sie nicht mehr mit der Todesstrafe, sondern mit einer 10jährigen Zuchthausstrafe belegt werden, es sei denn, dass bei dem verübten Diebstahl andere schwerwiegende Taten begangen wurden. Wenn der Dieb noch keine 18 Jahre alt ist oder der Wert der Sache beträgt weniger als ein Gulden, dann sollen die Straftäter willkürlich bestraft und weggejagt werden.

Die Hehler und Ratgeber, die die gestohlenen Sachen in ihren Häusern oder an anderen Ort verborgen halten, am Verkauf oder nur am Fortbringen beteiligt waren, oder aber mit Rat und Tat behilflich waren, ob sie etwas davon genossen haben oder nicht, werden mit zehnjähriger Zuchthausstrafe oder mit Auspeitschen und ewiger Verbannung bestraft, es sei denn, nach Art des Diebstahls würde die Todesstrafe drohen“, wenn der Wert 25 Gulden überstiegen hatte.

Und damit niemand hierin einige Unwissenheit vorschützen könne, soll diese Verordnung nicht allein in den Städten und von den Beamten auf dem Lande publiziert und alle Jahre öffentlich von den Kanzeln erneuert, sondern auch von unseren Hofmarschällen überwacht werden, dass jedem Domestiken, der bei Hof oder in eines unserer Schlösser in Diensten aufgenommen wird, deutlich vorgelesen wird.

Carl, Fürst zu Nassau

Begleitschreiben vom 13.2.1782

Weinrich, der Beamte des Fürstlichen Constistorium informierte alle Pfaffer, dass sie diese Verordnung am nächsten Sonntag nach dem Gottesdienst von der Kanzel verlesen sollten. Die vier lutherischen Pfarrer Hahn, Machwirth, Liebrich und Kayser bestätigten den Empfang und die Verkündung verfolgt am Sonntag , den 3.3.1782, auf Oculi (siehe oben)

12.8.1784: Sorge um die gesicherte Ernährung: Schutz der fürstlichen Obstbäume in Schul- und Pfarrgärten

Obwohl es sich eigentlich von selbst versteht, dass meine Untertanen sic das Eigentum auf unseren Grundstücken befindlichen Bäumen  sich anmaßen dürfen , noch nach Gefallen darüber disponieren können und dass somit auch kein Pfarrer und Schulmeister mit denen auf den Pfarr- und Schulgärten befindlichen Obst- und anderer Bäume. Es muss verhindert werden, dass “bei Erledigung eines Pfarr- oder Schulamtes, oder verwitwete Familie eines Pfarrers oder Schulmeisters bei ihrem Abzug nach Willkür damit schalten und walten dürfen. So habe ich doch bisher missfällig wahrgenommen, dass dagegen mehr und mehr gehandelt wird. Zumal noch fruchtbare Obstbäume höchst sträflich und eigennützig unter allerlei leerem Geschwätz abgehen und das Gehölz zu eigenem Nutzen verwendet worden sei.

Man findet es deshalb nötig, ausdrücklich zu verordnen, dass sowohl sämtliche Ehefrauen der Pastoren und Schulmeister und andere Untertanen, die auf den Kirchen-, Pfarr- und Schulgärten oder auf anderen Gütern stehenden Obstbäumen, sowie mit den Gütern selbst, in guter Pflege und Obhut halten sollen. Dieselben sind tunlich zu mehren und neue anzupflanzen.

Kein Obstbaum darf – er sei fruchtbar oder nicht, unter welchem BlaBla es auch immer sein möge, eigenmächtig abgehauen oder ausgehoben werden. Im  Falle aber dass es die Notwendigkeit erforder sollte, einen dergleichen Baum entweder wegen seiner Unfruchtbarkeit oder aus anderen hinreichenden Gründen wegzuschaffen, so ist davon beim fürstlichen Amt die gebührende Anzeige zu tun und die Erlaubnis darüber abzuwarten.

Im Falle der Wegschaffung des einen oder anderen Baums,  so ist gleichwohl an Stelle des abgehenden Baum ein anderer nützlicher Baum von dem Untertanen auf seine eigene Kosten anzupflanzen.

Übrigens ist die Verordnung auch den Schulmeistern wohl einzuschärfen und der Empfang dieses Schreibens ist von den Herren Pfarrern darunter zu notieren und sobald zu den Pfarr-Akten genommen werden. Abschrift dieses Rundschreibens geschah in Weiburg, den 12.8.1784, gez. Weinrich

1777: Carl Christian förderte die Wirtschaft

28.4.1777: Carl Christian förderte die Wirtschaft

Die wichtigsten Regeln:

Der Fürst  hatte eine beträchtliche Summe Geldes ausgesetzt, um einen Wetteifer zu erwecken, um zu Fleiß und Arbeitsamkeit aufzurufen und zu ermuntern

  1. Ein Dukaten für den Anbau des besten Klees
  2. Ein Carolin für die Ernte des meisten Klees
  3. Ein Carolin, wenn das Hornvieh während des ganzen Jahres im Stall verbleibt
  4. Ein Carolin für den Anbau des besten Hanfes
  5. Prämien an zwei Personen, die den meisten Hanf gesponnen haben, 1 Carolin für den Besten, ½ Carolin für den 2. Besten
  6. Prämien an zwei Personen, die das meiste Leintuch produziert und exportiert hatten. Ein Carolin für den Besten, ½ Carolin für den Zweitbesten
  7. Prämien von 1 und ½ Carolin an die zwei, nicht gelernten Leinenweber, die das meiste Leinentuch in ihrer eigenen Stube produziert hatten.
  8. Eine Prämie von 15 Gulden an den Mann, der das feinste Garn spinnen kann, Zehn Gulden an die Weibsperson, die gleiches kann.
  9. Zwei Belohnungen von je einem Dukaten an die Personen, die auf ihren Feldern von mindestens ¼ Morgen Größe den meisten Weizen und an den Bauern, der den feinsten Weizen erntete.
  10. Die Prämien sollen auf 3 aufeinander folgende Jahre gezahlt werden.