Fürst Carl August von Nassau-Weilburg: regierte 1719 – 1753, von Rebekah Brand & Detlef Uhrig

Fürst Carl August von Nassau-Weilburg * 17.9.1685,† 9.11.1753.  regierte von 1719 – 1753

seine Militärausbildung in Sachsen

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als sächsischer Botschafter in Paris

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1. Regierungsphase bis 1730

Carl August setzte nahtlos die väterliche Politik fort. So entstanden in wenigen Jahren allein in Albisheim ab 1720 die Papiermühle, die untere Schmelzmühle für Eisen, die obere Schmelzmühle für Quecksilber, Zinn, Kupfer, die Steinmühle als Ölmühle.

Erleichtert wurde dies durch die Religionsfreiheit gemäß dem Frieden von Rijswijk. Die Verwaltung Nassau-Weilburg warb in allen deutschen Ländern um Arbeitskräfte für die Bergwerke Heubusch, Bennhausen, auf der Haid und Bergleute aus Thüringen und Sachsen kamen. Natürlich waren alle Handwerker erwünscht, favorisiert wurden aber Schmiede jeder Richtung, Maurer, Dachdecker, Zimmerleute, Wagner, Sattler, Uhrmacher, Gerber Büchsenmacher, Ziegler. Und der Zuzug setzte ein, viele machten ihr Glück. Andere wie die vielen Schneider, Bäcker und Schuhmacher litten unter der starken Konkurrenz &  die Strohdecker, ab 1751 ein aussterbender Beruf und neigten zur Auswanderung.

1726 Einführung der Kartoffel

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Vorteile der Kartoffel, genannt Grundbirne

  • Einfacher Anbau auf leichten, sandigen Böden, wie z. B. in der Nordpfalz;
  • Hoher Hektarertrag bei gleichem Boden, das 8 bis 9 fache einer Getreideernte:
  • Wenn Getreide 45 dz, dann an Kartoffeln 398 dz, im 18. Jahrhundert nur etwa die Hälfte davon
  • vielfältige Verwendbarkeit als Gemüse, Schnaps (Alkohol), Pommes frites, Brot etc.
  • Erleichterte die Grundversorgung der stark wachsenden Bevölkerung

    1726 Einführung der Gelben Rübe

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  • Die Karotte und die Kartoffel lösten die Kastanie als Grundnahrungsmittel ab!
  • 1720: Regeln zur Verhinderung der Steuerhinterziehung

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Den Herrschern stand 10 % der Feld-Ernte zu. Damit die Steuerhinterziehung erschwert wurde, durfte nur in Anwesenheit des Beamten geerntet werden. Die Uhrzeiten waren: von 7 bis 12 Uhr  und 13 bis 18 Uhr. Die Bezahlung der Helfer sollte erst nach der Erhebung des Zehnten erfolgen. Von der Steuer waren also die Tagelöhner, Mägde und Knechte nicht betroffen. Staatliche oder private Landgüter waren gleichermaßen belastet. Bei geringer Ernte war der staatliche Anteil entsprechend gering.

Das Getreide kam garbeweise in die Zehntcheune des jeweiligen Ortes, wo Tagelöhner als Handfröner (gegen Bezahlung) die Ernte  droschen und die Körner in Säcke abfüllten. (siehe ausführlichen Bericht unter : 1720: Regeln zur Verhinderung der Steuerhinterzeiehung

Kirchheim,  den 25.6.1722: Vertreibung  des Bettler Gesindels: die Tag- und Nachtwachen sind fleißig angehalten, das Kommen fremden Gesindels zu verhindern.

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„Die reisenden Juden aber sollen bei jeder Obrigkeit oder Kanzlei, auch von denjenigen Ortes wo sie durchziehen, ihre Papiere unterschreiben lassen, denn wir wollen verhindern, dass Zigeuner und dergleichen liederliche Leute sich hier niederlassen.“

  • XVII.

Alles fremde Bettelgesindel und herrenloses Gesindel samt der Betteljuden so sie sich bei Bürgern oder Beisassen oder sonst wo aufhalten oder eingeschlichen haben, welche meistenfalls ansteckende Krankheiten haben, müssen binnen Monatsfrist ihre Strecke weiter fortsetzen und dürfen nie mehr unsere Lande weder mit noch ohne Pässe wieder betreten. Alle Einwohner sind bei Strafe und bei drohendem Verlust des Bürgerschaftsrechtes angehalten, niemanden zu beherbergen. Sonst verlieren sie auch den Herrschaftlichen Schutz  für Leib und Leben. Die dagegen verstoßen, werden ohne Ansehen der Person mit Ruten „gstrichen“. Dieses Verbot gilt auch für die Gastwirte und die Tag– und Nachtwachen an den Kirchheimer Stadttoren und Albisheimer Pforten. Es ist bei willkürlicher Geldstrafe verboten, fremde, noch weniger verdächtige Personen logieren zu lassen. Alle Städte, Flecken und Dörfer sind verpflichtet,  für ihre Armen und Bettler selbst zu sorgen, damit keiner wegen Bettlerei  anderen Ortes angetroffen wird.

Negativ Aspekte: u.a. die Bettlerinnen brachten ihre Kinder draußen irgendwo in Gebüschen auf die Welt. Die Pfarrer” erbarmten sich” die Kinder zu taufen.

Fürst Carl August bekämpfte Korruption, Vetternwirtschaft und Unterschlagung während seiner ganzen Regierungszeit: Beispiel aus 1704/1729: 

  • Der Albisheimer Pfarrer J. Adam Gümbel war im April 1726 nach dem Tod seines Vorgängers Franz Christian Gräßer vom Fürsten Carl August als lutherischer Pfarrer von Albisheim bestellt worden. Seine Vergütung sollte er aus den Erträgen des Klostergutes Rothenkirchen erhalten, so wie es 835 n.Chr. durch den König Ludwig dem Frommen festgelegt worden war. Gümbel sprach immer wieder beim Pächter Balthasar Gräßer vor, aber ohne je einen Gulden oder Korn zu erhalten. 1729: Da Gümbel unbedingt die Bezüge brauchte, um seine Familie ernähren zu können, blieb er hartnäckig, lese den ausführlichen Bericht: “Fürst Carl August bekämpfte Korruption …”

Für Menschen unserer Zeit ist es überraschend zu sehen, wie viele Gasthäuser es allein in Kibo damals gab. Die katholische Bäckerfamilie Philipp Jacob Leininger (Familienbuch Kibo # 12347) hatte direkt hinter dem Unteren Stadttor ihr Gasthaus Drei Kronen betrieben. Diese Lage war perfekt, denn alle Reisende aus Richtung Kaiserslautern mussten dort vorbei. Dies änderte sich schlagartig als um 1740 die Bäcker-Familie Franz Kanofsky (Familienbuch # 11148 ff.) in der Vorstadt, also vor dem Stadttor ihr Gasthaus Zur Post eröffnete und mit der Posthalterei betraut wurde. So hielten jetzt dort die Postkutschen und die Gäste nahmen dort ihr Quartier. Vor dem Oberen Stadttor bewirtschaftete die Familie Georg Bender (Familienbuch # 2350) in der  1A-Lage im heutigen Haus Langgasse 37 das Gasthaus Zum Goldenen Ritter. Dies ist eine eindrucksvolle Fachwerksanlage mit viel Platz für Kutschen und Pferde. In der Innenstadt waren 5 weitere Gasthäuser, von denen die bekanntesten die Gasthäuser Zum Löwen – Familie Baum, Familienbuch # 2181- und zum Weißen Roß sind. Es könnte durchaus auch sein, dass in diesen beiden Lokalen wohlhabende Bürger und Bauern ihr ganzes Vermögen in Hazardspielen verzockten. Noch ein Hinweis: vor dem Tod waren sie alle gleich, aber nicht in den Gaststätten. So dürften die Tagelöhner in den drei ungenannten „Kneipen“ ihren Tageslohn versoffen haben, während zuhause Frau & Kinder am Hungertuch nagten

Ein weiterer Rückschritt war die französische Besetzung während des Polnischen Bürgerkrieges, als Fürst Carl August von Nassau-Weilburg einen Teil der Reichstruppen gegen die Armeen Ludwig XV. kommandierte. Um die Stimmung nicht anzuheizen, verordnete die weiter funktionierende zivile Nassau/Weilburgische Verwaltung in Kirchheim am 26.5.1734 als erstes die absolute Bürgerruhe[1]. Kein Pfarrer sollte von der Kanzel öffentlich über die Kriegsgründe nachdenken (raisonnieren) Die Hohe Regierung untersagte den Predigern zudem über andere Religionen herzuziehen, sie zu verleumden und unter keinen Umständen zu beleidigen. Sehr viel deutlicher ist die Anweisung vom 20.9.1735, die die Bezeichnung „Reiteraktionen“ trägt. „ Man muss sein Möglichstes tun, um geheime Geburten (Wochenbette) von Prostituierten zu verhindern, denn hinterher würden die Kinder oft umgebracht oder massakriert“. Dieser Befehl ist eine Wiederholung der Verordnungen vom 2.12.1704 und dem 18.2.1726“, in der die Huren u.a. in Albisheim als verdächtige und unkeusche Personen benannt werden.

Aber nicht jeder hielt es zuhause ruhig aus. Die Situation war für manchen so bedrückend, dass er auswanderte. Wie z. B. der Johann Georg Drescher, der am 19.10.1699 in Albisheim als 7. Kind der Eheleute Tobias Debus Drescher und der Anna Barbara Grill auf die Welt gekommen war. Er war zu Fuß mit seiner Familie nach Rotterdam gelaufen und dort an Bord des Segelschiffes St. Andrews gegangen. Das Schiff lief zuerst Plymouth an, bevor es den Atlantik überquerte. Joh. Georg wurde am 12.9.1734 in Philadelphia im Statehouse registriert.

Nach der 2jährigen französischen Besetzung während des Polnischen Erbfolgekrieges und seinem militärischen Ende in 1735 verbesserte der mittlerweile zum Fürsten ernannte Graf Carl August von Nassau-Weilburg umfassend die gesamte Infrastruktur seines Fürstentums. Angefangen bei der Besteuerung,  über Schul- und Bauordnungen, Straßenbaumaßnahmen und vieles mehr.

Die Städteplanung und Realisierung: 1733 – 1751

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Planerläuterung: Der Schlosspark dominiert, er war größer als die erweiterte Stadt von der “Neumayer Str. ” bis runter zum Vorstadttor. Die Wege innerhalb des Parks sind im rechten Winkel angeordnet. Nördlich der Schlosspark-Achse war der fürstliche Weinberg. Das 2 1/2 stöckige Schloss bekam die traditionelle Hufeisenform, mit dem repräsentativen Innenhof für Staatsempfänge, Paraden etc. Links neben dem Schloss, 6 m höher, parallel zum Westflügel entstand die Paulskirche auf einem 7.500 qm großem Bauplatz. Die Fürstenfamilie betrat die neue Kirche über den ebenerdig gelegenen Parkausgang. Die Prinzengasse  = Amtsstraße war die lineare Fortsetzung bestehender Bausubstanz.

Fürst Carl August erwählte Kibo zu seiner neuen Residenz. Wohl ab 1733 reifte der Plan, den er ab 1734 realisieren ließ.  Carl August hatte die Ideen und bekannte Architekten ihrer Zeit setzten um. Nach dem Gesamtkonzept erfolgte die Umwandlung Kibo von einer umwallten „mittelalterlichen“ zu einer modernen, offenen Rokoko- Stadt. Die benötigten Garten-Grundstücke im Gebiet Pfauengarten erwarb er von

  • N° 130, Maurermeister Paul Pistor, der einen Großteil der Maurerarbeiten am Schloss erledigte, den Ballsaal errichtete und 1737 und 1742 – 1751 auch zum Bürgermeister Kibo gewählt wurde (# 15502);
  • N° 131: von Georg Kraus, (# 11822)
  • N° 132: Andreas Köchlein, Drechslermeister, Einwanderer aus der Schweiz (# 11780)
  • N° 145: von der Witwe des Maurermeister Jacob Werner * 1670 Weilburg, † 4.10.1730; (# 23762)
  • N° 146: Zimmermann Conrad Kunz ( # 11950)
  • N° 147: Johannes Merck, herrschaftlicher Oberjäger (13252)

Der Realisierung stand erstmals die nördliche Stadtmauer von der Peterskirche bis zum Café Mandala entgegen. Sie wurde 1734/35 unter dem Protest der Bürger Kirchheims abgerissen, da sie durch diese offene Wunde ihre Sicherheit gefährdet sahen. Andererseits wurden dadurch viele Arbeitsplätze geschaffen. Bürgermeister Georg Friedrich Eberhard (# 5027) verfasste am 16.3.1734 ein Schreiben an den Fürsten, in dem er die Bedenken des Stadtrates und seiner Bürger darstellte. Aber dies alles half nichts, der Graben wurde zugeschüttet und mit den Steinen der Stadtmauer wurde der obere Teil der Schlossmauer (bis zur Orangerie) erreichtet

Zentrum war das repräsentative Schloss, das ab dem Herbst 174I herrschaftliche ausgestattet wurde. Das fürstliche Paar war auf Einkaufstour und erwarb nur erlesene Stücke. Bei jeder Heimfahrt brachte das Fürstenpaar kutschenweise wertvolle Möbel, Gemälde und feinste Dekorationsstücke mit, die er und seine Gattin persönlich in Frankfurt ausgesucht hatten. Darunter war wertvolles Porzellan und Tafelsilber, das ihn und seine Gäste bei Tisch erfreuen und vom neuen Ruhm und Glanz zeugen sollte.  Alles war fein säuberlich auf Transportlisten festgehalten worden.

Am Montag, den 2.7.1742 spät abends erreichte das Fürstenpaar aus Richtung Mainz-Kastell mit ihren 15 voll gepackten Kutschen das neue Schloss in Kirchheimbolanden Es war viel zu spät, um noch etwas auszupacken. Deshalb ließ der Fürst die Kutschen unter Bewachung parken und ging nach einem Schlummertrunk zu Bett.   Am nächsten Morgen, ließ der Fürst nach und nach die Kutschen abladen. Er verglich was ankam mit der entsprechenden Packliste. Dies hätte alles so schön sein können, aber dann kam aus heiterem Himmel die eiskalte Dusche, die ihn aus den fürstlichen Planungen in die tiefsten menschlichen Niederungen hinab riss. In seinem Beisein wurde ausgepackt und alles Suchen half nichts, da fehlte bereits die Hälfte der gekauften Wertsachen. Wo waren diese hingekommen? Carl August schöpfte Verdacht und ließ im Schloss und allen Nebengebäuden Inventur machen. Da fehlte ein Großteil der Gegenstände! Wer hatte sie geklaut? Einer schob die Verantwortung auf den Anderen. Keiner wollte es gewesen sein. Fürst Carl August war entsetzt, schockiert. Er schreibt: „während unseres Aufenthaltes in Kirchheim ist von unserem Tafelservice, von den Kutschern und auch sonst wie von den in unserer Livree stehenden Dienern, sogar während der Aufwartung verübte Diebstähle und Entwendungen vorgenommen worden“. Die sprichwörtlich berühmt gewordenen silbernen Löffel wurden ganz einfach eingesteckt und niemand wollte es gewesen sein. Wertsachen waren verschwunden. Wer hatte sie genommen, wo waren sie verblieben? So aufgeschreckt, geschockt ging er rigoros gegen Korruption und Schlamperei seiner eigenen Angestellten & Führungsschicht vor, die sich in den Jahren der franz. Besatzungszeit und somit seiner Abwesenheit eingeschlichen hatten. Mancher Beamter verlor über Nacht seine Stellung. Mit Recht wurde er als harter Hund beschrieben, weil er ohne Ansehen der Person vorging. Er erließ er am Samstag, den 12.7.1742 ( = Vortag zu 7. Sonntag nach Trinitatis) folgende Verordnung.

  1. Ab dem Tag der ordentlichen Verkündigung an gilt Folgendes: Sei er Mann oder weiblichen Geschlechts, Fremde oder Einheimische, welche sich unterstehen, in unserem Schloss oder in den uns gehörenden Gebäuden, Orangerie, Marstall, Büros, Kellereien, Küchen, Zuckerbäckereien, Wasch- und Backhäusern Geld, Hausrat, Mobilien oder sonstiges zu entwenden oder stehlen, was mehr als einen Gulden gekostet hat, so soll diese Person, wenn sie das Lebensjahr zurückgelegt hat, ohne Ansehen und Rücksicht, ob es das erste oder zweite Mal geschehen ist, ob es einen Gulden oder 100 wert sei, zwei mal 24 Stunden aufgehenkt und mit dem Strang vom Leben zum Tod[2] gebracht werden. Die unter 18 Jahren aber sollen nach Maßgabe des Rechts kurzfristig und schleunigst abgestraft und vom Hof weggeschafft und niemals mehr dort gelitten werden.
  2. Dergleichen Leute, die zu den Diebstählen Rat und Tat geben, die gestohlene Sachen in ihren Häusern und Logements verbergen, oder zu dem Verkauf und Fortbringung behilflich gewesen sind, sie mögen davon genossen haben oder nicht, werden mit Auspeitschen bestraft und ewig aus dem Land verwiesen. Aber zuvor müssen sie mit den Hauptverbrechern und Dieben eingekerkert Während des Vollzugs derer Todesstrafe müssen sie zusehen.

Damit mir keiner Unwissenheit vorschützen könne, so soll diese Verordnung nicht allein in der Stadt, sondern auch von den Beamten auf dem Land publiziert und alle Jahre am 7. Sonntag nach Trinitatis von allen Kanzeln und jedem Domestiken von seinem Vorgesetzten laut und deutlich verkündet werden“[3].

Aber da wurde nicht nur geklaut, was nicht niet- und nagelfest war, sondern einige der Beamten,  Schultheißen und Pfarrer waren korrupt, die nur gegen Geld oder geldwerten Vorteil in gewünschter Weise aktiv wurden. Darunter müssten wohl auch die Albisheimer gelitten haben, die bei ihren Waldprozessen oft von merkwürdigen Entscheidungen überrascht wurden. Deshalb erließ der Graf am 24.5.1746 eine Verordnung, um die Korruption einzudämmen. (Suchbefehl → 24.5.1746)

So emotional aufgeladen, ließ er auch die Schulordnung verschärfen!

1741/1742 Fertigstellung  des Schlosses im früheren Pfauengarten, Anlage des Schlossparkes, Bau des Ballsaales und der Orangerie, die Amtsstraße u. v.m. So stieg Kibo zur Residenz des Fürstentums Nassau-Weilburg auf.  Kibo mauserte sich von der mittelalterlichen Kleinstadt zur attraktiven, weltoffenen Rokokostadt. Die nördliche Stadtmauer wurde abgetragen und ihre Steine gaben dem neuen Schlosspark einen stolzen Rahmen. Nun war der Weg frei für die Expansion nach Norden. Durch den Bau der Prinzengasse = heutige Amtsstraße, die Verlängerung der Langgasse und mit den Querverbindungen wie Neue Gasse, Breite Straße etc. war Platz für die Noblen & Edlen, aber auch die erfolgreichen Handwerksmeister und verdiente Soldaten fanden ein eigenes Heim. Es wurde viel gebaut entsprechend der modernen fürstlichen Bauordnung von 1751. Der Bau reiner Fachwerkshäuser wurde nun verboten, die Strohdächer verschwanden und die Ziegler und Dachdecker hatten alle Hände voll zu tun. Die offiziellen Gebäude erhielten weiterhin die traditionellen Schieferdächer, eingedeckt von den „Leyendeckern“

Fürst Carl August regierte sehr umsichtig, man könnte sagen modern. Er packte die Probleme an und fand hierfür auch noch heute gültige Lösungswege: u.a.:

Schulordnung vom 24.8.1737

  • auf 16 Seiten schilderte der Fürst Carl August von Nassau-Weilburg die ungenügende Schulsituation in seinem Land nach dem Polnischen Erbfolgekrieg. Bitte klicken Sie auf “Schulordnung vom 24.8.1737“; Auf Wunsch kann ich dem Interessenten eine Kopie des Originals per email zuschicken.
  • Forstordnung vom 12.1749

    u.a. mit dem Zwang zur koordinierten Aufforstung großer Kahlflächen,

  • Bitte lesen Sie die umfangreiche Darstellungen: Feuer-Bau- und Brandordnung 

  • vom 4.1.1751, 33 Seiten, mit dem Verbot neue Fachwerkhäuser zu errichten, der Strohdächer, Gründung der Feuerwehren in allen Orten und deren Einsatz, Gründung der Brandkasse u.v.m.

  • Straßen und Chaussee- Ordnung vom 5.3.1752;

Genauso umsichtig ließ er seinen einzigen Sohn und Nachfolger Carl Christian ab 1744 durch den dänischen Obristen Carl de la Pottries erziehen, der auch nach seinem Tod in 1753 gemeinsam mit dem Fürsten Carl von Nassau-Usingen als Statthalter die Staatsgeschäfte weiterführen sollte.

[2]) Scharfrichter zu dieser Zeit waren Valentin Nord und sein Folterknecht & Schwiegersohn  Johann Valentin Hoffmann. Valentin Nord ist der Sohn des Paul Nord, der schon um 1700 das Scharfrichteramt in Kirchheim ausgeübt hatte. Die Kindtaufen und Hochzeiten der Henker Kirchheimbolandens waren sowohl Familien- als r auch Treffen von Berufskollegen aus Oppenheim, Mainz, Mannheim, Becherbach, die zur damaligen Fortbildung gehörten.

[3]) Diese Verordnung wurde vom Fürsten Carl Christian am 24.12.1781 etwas abgemildert. (Akt XXVIII N° 46). Verfasser war Kanzler von Botzheim. Pfarrer Kayser erhielt die als Rundschreiben verfasste VO am 28.2.1782 vom Pfarrer Liebrich und verlas sie Sonntag, Okuli, den  3.3.1782  zusammen mit der vom →12.7.1742.

Fürstliche Vorladung

Das Fürstliche Amt forderte den Schultheißen Kimpel von Albisheim auf, Georg Zimmer und Henrich Corell von Albisheim  am 23.8.1746 dem fürstlichen Amt vorzuführen