Balthasar Gräser verspielte Haus und Hof

  • den 11.1735 ward begraben Heinrich Balthasar Gräßer, alt 42 Jahre. (→ Sein Sohn Conrad Henrich † 14.5.1736, alt 20 Monate). Leider hatte Pfarrer Gümbel nicht diese Todesursache vermerkt. Über 14 Jahre nach seinem Tod erstellte der Amtsschreiber Friedrich Henrich Lucae[1] des Oberamtes Kibo am 7.2.1750 ein Inventarium, das die katastrophale Finanzlage der Familie dokumentierte. Balthasar Gräßer hatte immense Schulden hinterlassen. Wie war es dazu gekommen?
  • Heinrich Balthasar Gräßer war nämlich der Spielsucht verfallen gewesen. Die Residenzstadt Kirchheim war damals ein Zockerzentrum gewesen, in der sich etliche Berufsspieler, Gauner sehr zum Unwillen des Landesvaters ihr Unwesen trieben.  Es gab etliche Spielhöllen in denen bei verderblichen Hazard – Spielen etliche Bürger ihr sauer erworbenes Vermögen stündlich aufs Spiel setzten, um sehr schnell reich zu werden. Aber in diesen kitzligen Momenten setzten sie sich der Gefahr der gänzlichen Verarmung aus. Gräßer gewann gelegentlich, um ihn bei der Stange zu halten, um ihn anzufüttern, aber meistens ging er enttäuscht mit leeren Taschen heim, während andere von Fortuna reich geküsst wurden. So lieh sich Gräßer bei allen möglichen Leuten Geld, um weiter spielen zu können, denn die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Gräßer hatte sein sämtliches Vermögen verpfändet, um an Geld heran zu kommen, aber dann setzte der Tod seiner Unvernunft ein Ende.
  • So eröffnete die Weilburg´sche Verwaltung in Kirchheimdas Insolvenzverfahren, das laut Akte damals „Concursus Creditorum“ hieß. Das ganze Vermögen des Balthasars kam unter den Hammer und wurde versteigert. Nichts blieb übrig. Deshalb konnte keiner der vier Kinder, die noch 1750 am Leben waren, aus dem Vermögen des Vaters etwas erben.[2] Allerdings blieb das Vermögen der Mutter unangetastet, das sie mit in die Ehe eingebracht hatte. 

[1] ) Friedrich Henrich Lucae war Amtsschreiber und mit Susanna Elisabetha Galle verheiratet. Sohn Justus Christian kam am 14.10.1744 in Kibo auf die Welt.

[2]) Das franz. Bürgerliche Gesetzbuch  = Code Civil von 1804, Livre III. titre 12ième, § 1965: gestattete keine Klage wegen einer Spielschuld oder wegen Zahlung einer Wette. „ La loi n´accorde aucune action pour une dette du jeu ou pour le paiement d´un pari“ Livre III, titre 12ieme