6.7.1809: Präfekt Jeanbon St. André ordnete an:

wer desertierte, wurde hart bestraft, (Verordnung des Präfekten Jeanbon St. André)

Hintergrund dieser verschärften Strafvorschriften: Als Folge der vielen Napoleonischen Schlachten des franz. Kaiserreiches waren Hunderttausende Gefallene und Verwundeten zu beklagen. Deshalb desertierten allein   in 1809 im gesamten Département Donnersberg  5.000 junge Männer vor dem Wehrdienst. In ganz Frankreich dürften es fast 200.000 gewesen sein.

  • “Indem Sie dann Ihre Untergebenen unterrichten, werden die Konscribierten, die ihre Pflicht nicht erfüllen, der Soldat, welcher seine Fahne verlässt, der öffentliche Beamte, welcher kein wachsames Auge auf die Strafbaren hat, der Bürger, welcher Letztere begünstigt und endlich diejenigen, welche sich in Konscribierten- Sachen mischen, von Unwissenden Gelder erpressen und die oberen Behörden zu hintergehen suchen, die Strafe kennen lernen, welche ihrer erwartet”
  • „In Gemäßheit der Gesetze vom 17. Ventôse achten (= 8.3.1800),
    Floréal elften (= 26.4.1803) und des kaiserlichen Dekrets vom
    8. Fructidor dreizehnten Jahres (= 26.4.1805) , wird ein jeder Konscribierten, welcher zum Marschieren aufgerufen wird und sich nicht stellt oder sich stellt, aber auf dem Wege zur Korps desertiert, vom Tribunal in erster Instanz seines Bezirks zu einer körperlichen Strafe und nebst dieser zu einer aus seinem eigenen Vermögen oder der seiner Eltern zu entrichtender Geldstrafe von 1.500 Franken verurteilt“.

  • Das nämliche Gesetz erkennt eine Geldstrafe von 300 bis 3.000 Franken gegen jeden Bewohner Frankreichs, welcher wissentlich einen Ausreißer verheimlicht, sein Entlaufen begünstigt oder ihn auf irgendeine Art den gegen ihn gesetzlich gemachten Verfolgungen entzogen hat.
  • Das Gesetz vom 28. Nivôse siebenten und das Dekret vom 8. Fructidor dreizehnten Jahres erkennen eine Strafe von 300 bis 1.000 Franken gegen jeden Arzt oder Chirurgen, jeden bürgerlichen Beamten und gegen jeden Ober- und Unteroffizier der Armee, welche falsche Gebrechen attestieren oder für Untersuchungen oder sonstige Verrichtungen Geschenke annehmen. Zu meinem größten Missvergnügen habe ich wahrgenommen, dass viele Konscribierte mit lügnerischen Zertifikaten von den Bürgermeistern und Munizipalräten versehen waren, die ihnen falsche Gebrechen bezeugten Man wird zukünftig mit größter Strenge dagegen verfahren.
  • Auffällig ist, dass sich die meisten Widerspenstigen freiwillig stellten, nicht in der Absicht, um zu einem Korps abzugehen, sondern als dienstuntauglich in ihre Gemeinde zurückgeschickt zu werden. Viele haben sich selbst zu diesem Zweck Gebrechen beigebracht oder sich die Selbstverstümmelung durch niederträchtige Menschen machen lassen. Der Rekrutierungsrat hat sie auf der Stelle zu arrestieren und als doppelt Strafbare in das Depot (Gefängnis) nach Straßburg abführen lassen.

  • Neben den Geldstrafen wird von dem Tribunal auch noch eine körperliche Strafe und zwar nach Befund der Sache ausgesprochen.
  • Die Zahlungspflichtigen haben binnen von 8 Tagen die Strafe im Bureau des Einnehmers zu entrichten. Wenn nicht, muss der Einnehmer sofort mahnen. Die Eltern, bzw. Vormünder hafteten persönlich mit ihrem gesamten Vermögen, dass die Söhne ihrer Pflicht nachkommen. Die vom Bürgermeister veranlasste Zwangshypothek überstieg in der Regel den Wert der Immobilien. War also ein Gezogener flüchtig, so ruinierte er in der Regel seine Familie. In Vorbereitung der Zwangsversteigerung hatte der Bürgermeister den Wert des Grundstückes zu schätzen. Maßgeblich waren die Größe, die Bausubstanz und der Ertragswert. Daraus ergab sich der Schätzwert.
  • „Wenn nach Ablauf dieser vierzehntägigen Frist die Zahlung unterblieb, so wird die Zwangsvollstreckung des gesamten Besitzes durchgeführt. Sollten sich innerhalb der festgesetzten Zeitfristen kein Steigerer finden oder ist die darauf gebotene Summe zu gering, so muss der Einnehmer (Carl Diefenbach) bieten. Alsdann fallen diese Grundstücke dem Staate anheim und werden als Domänen-Güter verwaltet“.
  • „Ich hoffe, dass die Strenge in Ausübung dieser Maßregeln, viele widerspenstige Conscribierte dazu bestimmen wird, ihr begangenes Verbrechen durch ein freiwilliges Stellen gut zu machen und dadurch von sich und ihren Eltern die Vollziehung des Urteils abzuwenden.
  • Meine Herren Bürgermeister und Einnehmer, Sie haben keine Ursache, furchtsam zu Werke zu gehen, denn die Oberen Gewalten werden Sie gegen jede Bosheit schützen.

Ich warne Sie, nichts zu attestieren, wenn Sie nicht von der Wahrheit überzeugt sind. Seien Sie vielmehr darauf bedacht, zu verhüten, dass die oberen Behörden nicht hintergangen werden.  Ich schließe nun mein Schreiben mit der Bitte, sich mit den darin enthaltenen Verfügungen genau bekannt zu machen und diese nach Pflicht und Gewissen zu vollziehen.

Ich grüße Sie Jeanbon St. André

1809: “falsche Beschuldigung des Soldaten Jacob Grafenberger”

Der Bürgermeister der Doppelgemeinde Engel Pabst schrieb am 25.8.1809 an den Präsidenten des Departements Donnersberg, Herrn Jeanbon St. André wie folgt
  • Herr Präfekt!
  • Christian Grafenberger[1], wohnhaft in der Gemeinde Einselthum, machte mir heute die Anzeige, dass er unter dem Datum des 21ten dieses (Monats) einen Mahnbrief durch den Herrn Revenue (Steuereinnehmer) erhalten habe, in dem er izu einer Strafe  550 Francs verurteilt wurde, weil sein Sohn Jacob Grafenberger,  als widerspenstiger Conscribierter vom Jahr 14 erklärt worden war.
  • Dieser Conscribierte ist aber schon vor drei Jahren nach seiner Bestimmung zur Armee abgegangen und laut seinem letzten Brief vom 1. März 1809 ist derselbe bei dem 24ten Regiment Attacheur à Cheval in Deyso im Departement „de la Dies“ im Piemont.
  • Ich wollte es nicht unterlassen, Ihnen weiteren Bericht zu erstatten. Weil eben besagter (Christian) Grafenberger einen 2ten Sohn namens Johannes Grafenberger[2] vom Jahr 10 an bei der Armee hat. Er kann Sie persönlich mit seinem in Händen habenden Brief überzeugen[3], damit Sie gewissen Aufschluss einsehen können und die Abänderung wegen dieser Strafe in ihrem Kontrollen machen könne.
  • Der ich die Ehre habe, Sie mit der höchsten Hochachtung zu grüßen Engel Pabst.

Die oben angegebenen Jahreszahlen entstammen dem franz. Revolutionskalender, der in 1806 außer Kraft gesetzt wurde. Das Jahr 10 der Französischen Republik begann am 23.9.1801 und endete am  22.9.1802. Demnach war Johannes Grafenberger bereits 7 Jahre Soldat in der franz. Armee gewesen.

Jacob hatte sich im Jahr 14 der Wehrpflicht entzogen, das vom 23.9.1805 – 22.9.1806 ging. Auf dem Schreiben des Bürgermeisters Engel Pabst ist auch noch ein Vermerk  „Gendarmerie vom 30. Mai 1806“ Aufgrund des massiven Druckes auf sich und seine Familie stellte er sich und wurde bereits 1806 Soldat, ohne dass dies in den Mainzer Unterlagen vermerkt worden wäre.

 

[1]) Christian Grafenberger war mit oo  Gertraud Eppig verheiratet.  Sein Sohn Johann Jacob kam am 10.9.1785 nachmittags um 1 Uhr auf die Welt

[2]) Johannes Grafenberger * 22.3.1789 in Einselthum, morgens um 3 Uhr. Sein Zwillingsbruder starb bald nach der Geburt

[3]) Dieses Dokument ist Bestandteil eines dicken Aktenbündels. Der Originaltext ist etwas schräg formuliert und wurde deshalb vom Autor geändert er lautet: „und denselben persönlich bei ihnen mit seinem in Händen habenden Brief zu überzeugen

26.9.1809: Jeanbon St. André antwortete

Jeanbon St. André antwortete mit einem Briefkopf der Finanzabteilung und der Wehrpflichtigen. “Die Antwort, mein Herr,auf Ihren Brief vom 25ten dieses Monat, ich teile ihnen mit, dass der genannte Jacob Grafenberger, verurteilt in Jahre 14, der durch die Gendarmerie gefangen wurde, bevor er sich bei seiner Einheit gemeldet hatte, ist es mir unmöglich diese Strafe zurück zunehmen, da sie bewiesen ist. Wegen vergleichbarer Fälle

Kommentar: die Verwaltung bestrafte also auch weit zurückliegende Fälle.

Formulare zur Bearbeitung der Fahnenflucht

weiterlesen: Räuberbanden, wie Schinderhanndes