30.5.1752: Verordnung zum Schutz von Straßen von Fürst Carl August

30.5.1752: der schwer kranke Fürst Carl August

 

erließ diese Verordnung zum Schutz der Straßen: bitte klicken Sie: 

Diese obige Verordnung hat etwa die Größe von DIN A 1. Diese Verordnung hing also öffentlich aus: Da dieses Gebot trotz Vergrößerung schwer zu lesen ist, folgt die Abschrift:

Verordnung zum Schutz der Straßen

erlassen zu Kirchheim, Dienstag, den 30.5 1752,

Der nassauische weilburgische Fürst Carl August war ja fast tag täglich mit seiner Kutsche unterwegs und sehr oft auf kam er in seine Residenzstadt Kirchheim am Donnersberg. Die Kutsche wird schon sehr bequem gewesen sein, aber die Straßenverhältnisse waren nicht die Besten. So sah er mit eigenen Augen, wie einige mutwillig die Infrastruktur zerstörten. Deshalb erließ er die nachstehende Verordnung, die großformatig, als Plakat gedruckt war und dann jährlich vom Pfarrer Gümbel jeweils am 1. Julisonntag  von der Kanzel verlesen wurde. Das erste Mal war dies am 6. Sonntag nach Trinitatis 1752 = 9. Juli 1752. Nach Rücksprache mit seinen Ministern diktierte der Graf seinem Sekretär in die Feder:

„Da ich (man) vielfältig fast täglich mit besonderem Missfallen wahrnehmen muss, dass die mit viel Mühe und Kosten zum Gemeinwohl in Stand gebrachten Chausseen, Landstraßen und die hin und wieder angelegten Alleen, sowohl von Einheimischen als auch von Fremden, teils aus vorsätzlicher Bosheit und Mutwillen beschädigt und verdorben werden, so kann diesem Unwesen und diesen strafbaren Handlungen nicht länger tatenlos zugesehen werden. Wir sahen uns aus landesväterlicher Sorgfalt  für das Gemeinwohl genötigt, die nachfolgende Verordnung zu erlassen“:

  1. Niemand soll sich unterstehen, wer es auch sei, von der Chaussee oder Landstraße durch die Gräben abzufahren, Strafe 3 Rheinische Thaler
  2. Weil die Gräben zum Ablauf des Gewässers und zur Trockenhaltung der Chausseen, Landstraßen ständig offen und sauber gehalten werden müssen, ist es den Grundstückseigentümern verboten, bis an den Graben zu ackern. Sie müssen beim Ackern, Pflügen und Fahren mindestens 3 Schuh (= 3 x 0,29 m) weit vom Graben weg bleiben, ansonsten droht ihnen eine Strafe von 3 Rheinischen Thalern.
  3. Wenn es bergauf geht, versuchen die Fuhrleute das Rückrollen durch Sperren mit Ketten[1] zu verhindern, wodurch leider die Chausseen zerrissen und ruiniert werden. Sofern es die äußerste Not erfordert, soll dies durch Schleifen (Keile) unter den Rädern verhindert werden.
  4. An den Straßen und Chausseen entsteht ein großer Schaden, wenn die Fuhrleute immer im gleichen Gleis (= Spurrille) fahren. Wir ordnen deshalb an, dass Spurrillen nicht mehr benutzt werden dürfen, wenn sie tiefer als 3 Finger Strafe 30 Kreuzer (= ½ Gulden).
  5. Wo es aber notwendig ist, dass die Wald– oder Grundstücksbesitzer auf ihr Eigentum fahren müssen, so werden der Schultheiß, die Gerichts- und Gemeindeleute jeder Gemarkung verpflichtet, steinerne oder hölzerne Brücken zum Überfahren so anzulegen, dass man darüber gemächlich passieren und das Wasser darunter ohne Unterlass ablaufen kann.
  6. 14 Tage nach Publikation dieser allgemeinen Verordnung hat jeder Eigentümer unverzüglich die auf seinen Gütern neben der Chaussee stehenden Bäume, – die noch schwache Stämme haben – mit jeweils drei geraden, starken Pfählen von einer Länge von etwa 2,40 m Oberkante Erde zu versehen und unten, in der Mitte und oben fest anzubinden. Zum Schutz der Rinde ist Moos oder Stroh mit zu verwenden.
  7. Jeder Orts-Schultheiß soll innerhalb von 14 Tagen dem Landrat und dem Chaussee Direktor mit einer zuverlässigen Einzelaufstellung (Spezifikation) anzeigen, wie viele Bäume an seinem Chaussee- Abschnitt in den Äckern, Wiesen oder anderen Feldern fehlen. Unverzüglich hat er den fraglichen Eigentümern zu befehlen, die leeren Plätze im kommenden Herbst mit geraden, tauglichen Wild oder zahmen (veredelten) Birnen- Kirsch– bzw. Apfelbäumen zu besetzen, die eine Mindesthöhe von 9 Schuhen (= 2,7 m) haben müssen. Wo aber die Gemeinde selbst an die Chaussee angrenzt, so hat der Schultheiß die Bäume auf Gemeindekosten anpflanzen zu lassen.

[Hinweis zu diesem Foto: Die Straßengräben waren immer gemäht. Das Straßenprofil war gekrümmt, so dass das Regenwasser gut in die Gräben ablaufen konnte. Gefahren wurde in der Straßenmitte, kam ein Fahrzeug entgegen, dann wichen die Fahrzeuge nach rechts aus].

  1. Es soll sich ja keiner einfallen lassen, einen solchen gestalteten Allee-Baum mit dem Pflug, Karren oder einem anderem Geschirr zu nahe zu kommen und dessen Wurzeln zu beschädigen. Der mindest Arbeitsabstand zu diesen Bäumen beträgt 3 Schuh (= 0,9 m). Sollte aber solch ein Baum geschädigt werden, so ist der Eigentümer verpflichtet, einen neuen Baum zu bezahlen.
  2. Sollte es sich jemand unterstehen, einen Chaussee-Baum zu beschädigen oder umzuhauen, so soll der boshafte Frevler –wer er auch sei – mit einer willkürlichen Strafe oder einer halbjährigen Arbeitsstrafe belegt werden. Der den Übeltäter zur Anzeige bringt, erhält 2 Rheinische Thaler als Belohnung. Außerdem muss der Schädiger dem Baum Eigentümer einen Gulden und 30 Kreuzer bezahlen.

Damit sich keiner mit Unwissenheit entschuldigen kann, so wurde der Inhalt nicht allein durch öffentlichen Druck bekannt gemacht, sondern jährlich einmal von allen Kanzeln verlesen, so wie es nachweislich Pfarrer Gümbel durch Aktenvermerk tat. Da aber in Albisheim nur 300 der 400 Einwohner  Lutheraner waren, mussten die anderen, aber auch die Kirchenschwänzer anders erreicht werden. Deshalb befahl der Landesfürst Carl August, dass am nächsten Tag (= Montag) der Schultheiß Abraham Kimpel der ganzen versammelten, Gemeinde, allen Männern, Weibern und Kindern die Verordnung nochmals bekannt zu machen hatte und diese zweifache Publikation alle Jahre auf die nämliche Art und Weise zu wiederholen war. Außerdem wurden gedruckte Exemplare an allen Stadttoren Kibos & Göllheim und an den Türen der 18 Ratshäusern wie Marnheim, Bolanden, Albisheim- und an den Zollhäusern bei Immesheim und Zell, in allen Wirtsstuben zu jedermanns Wissenschaft angeschlagen.

[1] ) Sie wurden wie die heutigen Schneeketten angebracht und ruinierten die nassen, verregneten, verschneiten  Straßen sehr schnell.