1842: Leistungen der Ärzte von Kibo

Arztleistungen in 1842

  • Im März 1842 erkrankte der 19jährige Johann Georg Motz,* 18.6.1822, schwer an einer ungenannten Krankheit. Seine sehr besorgte Mutter, die Witwe ließ den praktischen Arzt Herrn Dr. Weigel[1] aus Kibo kommen, der für die ärztliche Hilfeleistung 48 x verlangte. Da die 54jährige Witwe Margretha Elisabetha Motz[2], geb. Conrad sehr arm war, übernahm die Gemeinde „armutshalber“ diese Kosten. Aber die ärztliche Kunst war vergebens. Joh. Georg verstarb. Auch schon damals waren Beerdigungen teuer. Der Schreiner Christian Göhring fertigte die Todeslade, die die mittellose Witwe natürlich nicht begleichen konnte. Also sprang die Gemeinde wieder ein. Die Kosten der Todeslade in Höhe von 6 Gulden erhielt der Schreiner am 25.4.1842 vom Gemeindeeinnehmer ausgehändigt.
  • Ende 1842 bzw. in den ersten Januartagen des Jahres 1843  starb die ledige Catharina Motz[3], * 10.1.1800, die am 6.5.1833 ihre Tochter Wilhelmina Motz zur Welt gebracht hatte. Die Gemeinde übernahm die Kosten für ihre Todeslade in Höhe von 6 fl. Damit ihr Vater etwas Geld in die Hände bekam, beschäftigte ihn die Gemeinde in 1843 als Bettelvogt an 150 Tagen! (siehe unten)
  • Ein weiterer Sozialfall war die Familie des Georg Werkle, der als Nachtwächtermit 36 Gulden pro Jahr sich und seine Familie nur mangelhaft ernähren konnte. Seine 14jährige Tochter Jacobina, * 3.12.1827, erkrankte mehrmals an einer rätselhaften Krankheit. Ratlos, hilflos bat der Vater den praktischen Arzt Dr. Weigel aus Kibo um ärztliche Hilfe, der etliche Mittelchen verschrieb. Daraufhin ging der Vater mehrmals nach Kibo, so am 27., 29. 31. Jan. und 8.2.1841 um diverse Mixturen beim Apotheker Friedrich Dercum[4] in Kibo zu holen. Das Mädchen brauchte ½ Jahr später wieder Medizin. Lt. der Rechnung vom 20.1.1843 waren dies am 3. August Tropfen und am 8. Dezember Pulver. Im Januar 1842 bekam Jacobina weitere Tinkturen und Pülverchen. Aber die damalige ärztliche Kunst und Pharmazie versagten. Übrig blieben die Apotheker- und Arztrechnung in Höhe von 4,35 fl bzw. 1,48 Gulden, sowie die Sargkosten von 6 fl., die auch aus der Gemeindekasse bezahlt wurden.
  • Der Unterarzt Georg Werner[5] aus Kibo behandelte die arme Witwe Ernestina Christina Müller[6], geb. Gauch, die im Januar bei Glatteis gefallen war und sich eine offene Wunde am Oberschenkel zugezogen. Die Wunde hatte sich entzündet und war vereitert Der Unterarzt presste die Wunde mehrmals aus und bekam dafür 8 Gulden von der Gemeinde Albisheim bezahlt! Seine Bemühungen waren vergebens. Ernestine Gauch starb am 2.2.1843!
  • Der Kantonsarzt Hitzfeld[7] impfte auch dieses Jahr (1842) auf Gemeindekosten Kinder armer Familien gegen die Pocken. Diesmal war es der Sohn der armen Familie Beck, den 13jährigen Ludwig Beck, * 25.2.1829, wofür Hitzfeld für 14 x bekam. Ludwig Beckgehörte später zu den 39 Albisheimern, die 1851 nach Amerika auswanderten und vorher vom Pfarrer Gyßling als Trost, als Segen, das Heilige Sakrament des Abendmahles erhalten hatten.

Ein Jahr später erhielten Philipp, * 5.6.1842 und die Barbara Enders * 10.7.1834, den Pockenschutz vom gleichen Arzt!

  • Außerdem stellte die Gemeinde dem ArmenfondsAlbisheim 150 Gulden zur Verfügung. Leider ist das Rechnungsbuch dieses Jahres nicht mehr vorhanden. Deshalb können keine weiteren Angaben über die dort getätigten Ausgaben gemacht werden.

 

[1]) Weigel, Dr.  Philipp Franz, praktischer Arzt in Kibo  * 27.1.1814 in Kandel, S. des Notars Johann Franz Weigel u. Maria Katharina Josephina geb. Walther, aus Kandel;  Hochzeit am 3.6.1837 mit Theresia Maria Franziska, geb. von Mangste,  * 5.2.1816 in Müchen,   ihre Eltern. Karl von Mangste, Sekretär am Königl. Rechnungshof in München oo Barbara geb. Riedhöfer, München;  Trauzeugen:  Ludwig Sartorius, Notar in Rockenhausen, 34 Jahre alt;  Georg Jakob Gießen, Landkommissar u. Verwandter in Kibo, 64 Jahre alt;  Friedrich Victor Dercum, Apotheker u. guter Freund, 41 Jahre alt;  Franz Dercum, Landkommissar in Pirmasens, 36 Jahre alt;  alle waren von Kibo.

[2] ) Motz Georg Heinrich, * 22.12.1763 oo 22.8.1807 Mar. Elis. Conrad, * 10.3.1786. Das Ehepaar hatte 7 Kinder, von denen 4 als Kinder gestorben waren. Nur die beiden ältesten Kinder,  Tochter Maria,* 1810 und Sohn Johann Peter, erreichten das Erwachsenenalter und gründeten ihrerseits Familien.

[3] ) Joh. Georg Motz und Catharina Motz waren 3. Grades miteinander verwandt gewesen. Ihr gemeinsamer Vorfahr war Johann Ludwig Motz * 8.12.1735 gewesen.

[4])  Dercum  Friedrich Viktor, * um 1796 in Blieskastel,   † 23.9.1871 in Kibo,  mittags um halb 1 Uhr,  Apotheker in Kibo, 75 Jahre alt, * in Blieskastel, Hochzeit in Mauchenheim Friederika Louisa geb. Fitting, * in Mauchenheim,  Tochter der Eheleute, Gutsbesitzer Hermann oo Cath. Mathäus, Ehefrau † 9.8.1863. Dercum war Sohn  des in Blieskastel am 03.05.1825 verstorbenen Franz Karl Christoph Dercum, Friedensrichter, u. der Anna Regina geb. Weidmann.

[5]) Werner  Johann Georg,  Unterarzt in Kibo,  * 18.4.1790  in Grünstadt,  Ehemann d. Friederika geb. Jäger, * 1804,  S. d. in Grünstadt verst. Hutmachersleute Ferdinand Gottlieb Werner u. Sibilla geb. Durk.  Unterarzt Werner starb am 2.6.1858, morgens um 5 Uhr in Kibo

[6]) Johann Philipp Müller kam am 14.8.1770 in Albisheim auf die Welt. Die Eheschließung mit Ernestina Christina Gauch war am 26.6.1800. Der Ehemann starb am 15.2.1814 an der europaweit wütenden Scuche, vielleicht einer Grippewelle. In den Albisheimer Akten sind  2 Geburten verzeichnet!

[7]) Dr. Hitzfeld  Johann Ludwig,  * 13.2.1794 in Kandel,  Kantonsphysikus (Kantonsarzt)  in Kibo,  Sohn  des Gerichtsarztes Johann Baptist Hitzfeld und der Magdalena geb. Herzog, beide in 1821 wohnhaft in Zweibrücken,  Heirat am 15.11.1821 Anna Maria geb. Weinkauf,  * 20.5.1797 in Kibo, Poststallhalterin in Standenbühl,  T. d. königl. Oberförsters Friedrich Weinkauf, u. der am 24. 10.1807 † Maria Christina geb. Ditmar, alle von Kibo,  sie war die Witwe des am 1.10.1820 in Standenbühl † Anton Lierre, Poststallhalter dort;  Trauzeugen:  Friedrich Preyß, Renter und Großvater der Frau, 76 Jahre alt;  Jakob Anton Brogino, Handelsmann und guter Freund, 44 Jahre alt;  Andreas Joseph Roquiquet, Gerichtsbote und guter Freund, 29 Jahre alt;  Christoph Völkel, Gutsbesitzer und guter Freund, 50 Jahre alt,  alle waren von Kibo. Dr. med. Hitzfeld starb am 29.9.1869 in Kirchheimbolanden.