19.10.1813: Napoleon wurde bei Leipzig vernichtend geschlagen, Rückzug der Truppen durch die Pfalz

25.11.1813:  Durchmarsch  franz. Einheiten auf dem Rückzug

Am 25.11.1813 marschierte die 109 Mann starke >8. Tireilleurs de la Jeune Garde< (die Schützen der Jungen Garde) in Albisheim ein, die bis zum 29ten hier blieb. Die Verantwortlichen des Albisheimer Gemeindebüros verteilten die Soldaten auf die Privatquartiere in Albisheim und Einselthum. Einige von den jungen Männern waren schwer krank und hatten sich noch mit letzter Kraft hierher geschleppt. Noch am Nachmittag luden die Fuhrleute Peter Damm (der Schmied), Karl Emmel, Friedrich Wilhelm Göhring[1], Schneidermeister Carl Diefenbach, (*3.3.1768, Adjunkt und Gemeindeeinnehmer) einige der Schwerkranken auf und brachten sie unverzüglich zum Lazarett nach Kirchheim. Für Carl Diefenbach endete diese Hilfeleistung tödlich. Er hatte sich angesteckt und verstarb am 17.12.1813, bevor er seine schlampig geführten Akten ordnen konnte[2].

Da wohl die ganze Militär-Einheit angesteckt war, transportierten die Fuhrleute Tag für Tag Kranke nach Lautern und Kirchheim. Die private Unterbringung und Versorgung der  vielen Soldaten in den stark belegten Bürgerhäusern dürfte allen etliche Sorgen verursacht haben. Die Einheit erhielt für ihre Pferde 26 Zentner Heu und 644  Rationen an Lebensmitteln! (siehe Fußnote 486).

Auch die Situation in der überbelegten französischen Garnison Kirchheim war während dessen so schlimm gewesen, dass die Albisheimer Fuhrleute Tag für Tag kranke Soldaten dort abholten und zum nächsten Lazarett nach Winnweiler brachten.

Am 27.11.1813 fuhren Georg Michel Gräßer, Peter Gauck, Jacob Laysy, Johannes Kägy und Philipp Rockenfelder. Am 28ten transportierten Friedrich Weil, Philipp Weil, Jacob Emrich der Alte, Henrich Stöhr und Jacob Brubacher Kranke nach Winnweiler und so ging es an einem fort bis zum 18. Dezember.

29.11.1813 ritt das 15. Dragoner Regiment in Albisheim ein, das bis zum 5. Dez. hier Station machte[3]. Auch sie hatten Kranke in ihren Reihen. Johann Baum  brachte am 1.12. einige von ihnen nach Winnweiler. Jacob Brubacher ritt am 2.12.1813 für deren Offiziere als Ordonnanz nach Kirchheim. Das gleiche tat Jacob Bürky am 4.12.1813.

Das 27. Reiter- und Jägerbataillon (27. Régiment des chasseurs)  machte  vom 2.12.1813 bis zum 21.12.1813 zusätzlich in Albisheim und Einselthum Station, sie verkannten die Gefahren, die von den vielen eigenen, aber auch von den bettlägerigen Grippekranken/Typhus Albisheimern ausgingen. Sie schlugen die Warnungen in den Wind, denn sie deuteten dies nur als Ausreden. Sie argwöhnten, die Albisheimer würden dies alles nur vortäuschen, um sich vor den Einquartierungen mit ihren Belastungen drücken zu können. Anstatt sich aber fernzuhalten,  schliefen sie trotzdem in den Häusern und steckten sich dort schnell an. Die 90 Hütten und Häuser Albisheims waren voll belegt, so auch die Hütte des 62jährigen Arbeiters und Kleinbauern Philipp Weil (* 19.8.1751), der auch über 2 Pferde verfügte und im November und bis Mitte Dezember 1813 an 20 Tagen im Wesentlichen Kranke nach Kirchheim, Lohnsfeld, Winnweiler, aber auch nach Lautern transportierte. Am 16.12.1813, morgens um 5 Uhr starb der 23jährige Brigadier Francois Culisse[4] im Haus seines Gastgebers Phil. Weil und wurde noch am gleichen Tag auf dem Albisheimer Friedhof beerdigt. Culisse stammte aus dem kleinen Ort >Bran le Compte<, im Departement Memmapes gelegen. Den Totenschein N° 39 unterschieben als Zeugen Philipp Weil und der Reiter Leutnant Louis Latteur, Chef der 20. Jägerkompanie des 27. Reiter- und Jägerregiments. Die Soldaten packten daraufhin ihre anderen erkrankten Kameraden schnell auf ihre Wagen und verschwanden in Richtung Kaiserslautern, um dann hinter Verdun Stellung zu beziehen. Culisse war der einzige franz. Soldat, der in Albisheim verstarb, während es in Kibo doch sechs waren, die ihre Eltern nicht mehr sahen.

[1]) Göhring Fried. Wilhelm, Gutsbesitzer,  *  28.6.1761 vom Heyerhof,  oo   16.2.1789 Maria Cath Breitenbruch, er starb † 27.6.1822 (hatte sich vielleicht angesteckt, überlebte aber die Krankheit)

[2]) 5 Jahre nach seinem Tod wurden endlich die Schulden Albisheims festgestellt. In diesem Zusammenhand prüfte der neue Einnehmer die Abrechnungen Diefenbachs. Ergebnis war, dass viel Geld fehlte und die Witwe ihr Vermögen verlor.  Quelle: ihr Schreiben vom 6.2.1819 an das Landcommissariat in Kibo

[3]) laut der Aufstellung „Etat des Bons pour des vivres et fourage fournés, depuis le 25 Novembre jusqu´au 8 Décembre 1813.. „ bekam diese Einheit 55 Zentner Heu geliefert.

[4]) aus dem Sterberegister Albisheim von 1813