18. Jahrhundert: Jüdische Viehhandler in Kibo

The Jewish livestock traders in the 18th century

By Detlef Uhrig, Viehhandel im 18. Jahrhundert, Quelle: die Viehhandelsakten

Für diese Religionsgruppe wurden im 18. Jahrhundert keine Familienbücher  geführt. Sie stehen in Steuerlisten, wo für jeden Bewohner die Grundsteuern für ihren Grundbesitz einzeln aufgeführt sind. Hinzu kam die Besteuerung der Kühe mit jeweils 5 fl. je Tier. Die Juden zahlten keine Personalsteuer, sondern Schutzgeld, das direkt der fürstlichen Kasse zufloss. Sie leisteten auch keine „Gemeinschaftsarbeit“ = Fronarbeit, wie alle anderen Bürger, sie zahlten 5 fl. Frongeld je Erwachsener Person. Sie tauchen auch in allen Viehhandelslisten, Versteigerungslisten und Grundbüchern der entsprechenden nassau-weilburgischen Gemeinden auf. Aber systematische Familiennachrichten fehlten. Erst mit der Einführung des Standesamtes Mitte 1798 und den damit verbundenen vollen Bürgerrechten können die genealogischen Linien aufgebaut werden. 1730 gab es in Kibo sechs jüdische Hauseigentümer-Familien.

  • Jud Samuel in der Schlossgasse 23;
  • Jud Mortgen in der Schlossgasse 36,
  • Jud Löw in der Schlossgasse 39,
  • Jud Gätzlich in der Langgasse 45,
  • Jud Jacob in der Langgasse 49 ½
  • Jud Löw Moses in der Langgasse 59,

Viehhandelsakten, Original Text

Albisheim, den 1.7.1772 verkauft Judt Jockel von Kirchheim einen Ochsen von Farb wolfstromig mit aufgeworfenem Gehörn an Bürcky Jacob von hier für 50 Rfl, sage fünfzig Rheinische Gulden, gleich Bargeld und 30 Kreuzer  Trinkgeld. So ist der Verkäufer dem Käufer guth für Frische und Gesundheit, wie es Landesbrauch ist.

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Albisheim, den 27.8.1772 verhandelte Leuck Hermann von hier ein Paar Ochsen, der eine braun roth, der andere scheckig, beide mit aufgeworfenem Gehörn, sind geschätzt auf 60 Reichsthaler – an den Judt Jockel von Kirchheim für ein Paar Stiere, der eine braun roth mit einem weißen Kopf, der andere gelb roth, beide mit aufgeworfenem Gehörn; die Stiere auf 50 Reichsthaler geschätzt, So gibt der Jockel zudem dem Leuck 10 Reichsthaler, die in 14 Tagen zu zahlen sind. So ist einer dem anderen guth für Frische und Gesundheit, wie es Landesbrauch ist.

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Albisheim, den 24.4.1776 verkauft Schutz Judt Jockel von Kirchheim ein Paar Ochsen, beide von Farb braun-gelb mit Blessen, der eine mit aufgeworfenem Gehörn, der andere mit krummen Gehörn an Weil Andreas von hier für 85 fl. gleich bar zu zahlen. So ist der Verkäufer dem Käufer guth für Frische und Gesundheit, wie es Landesbrauch ist.

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Albisheim, den 18.7.1776 verhandelt Bürcky Johannes  ein Paar Ochsen von Farb braun roth mit weisem Kopf und aufgeworfenem Gehörn, sind geschätzt 83 fl:  an Schutz Judt Jockel Görschig von Kirchheim auf ein schwarz Walach Pferd, ist geschätzt 38 Gulden,  so gibt der Jockel dem Johannes Bürcky in Zeit 14 Tag: 30 Reichsthaler (= 45 fl) hinzu. So ist einer dem ander guth für Frische und Gesundheit, wie Landesbrauch ist. Und der Jockel dem Bürcky auch guth für die vier Hauptmängel

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Albisheim, den 4.8.1777 verhandelt der Schutz Judt Jockel Gäschtich aus der Langgasse 45 in Kirchheim eine Stute Pferdt, ist von Farb schwarz an Limmer Wilhelm Peter (im Tausch) auf ein schwarz Walag Pferdt. So gibt der Limmer am kommenden Michaely 1777 hinzu 5 Carlin; und sind beyde Handelsleuth einander guth für Frische und Gesundheit und daß Limmer sein Pferdt, daß er verhandelt, hats den Schlebauch, da ist er dem Gäschlich nicht guth darfür, sonsten aber haben sie beyde gehandelt, wie es Handelsbrauch ist. (1 Unterschrift)

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Albisheim, den 26.10.1789 verhandelt der (Schuhmacher) Steinmann Leonhard eine Kuh, ist von Farb gelb mit weißem Kopf, geschätzt 25 fl und ein Reipling, kastanienbraun, geschätzt 8 fl. – an den Schutz(judt) Assel Joseph von Kirchheim

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Albisheim, den 25.6.1790 verhandelt der Becker Peter eine Kuh, ist von Farb schwarz braun mit einem weißen Kopf und krummen Gehörn, ist geschätzt 24 fl – an den Samuel Joseph aus der Schloßgasse 23 in Kirchheim auf eine Kuh, ist von Farb schwarz mit aufgeworfenem Gehörn, ist geschätzt 35 fl. So gibt der Peter Becker zur Aufgab hinzu 11 fl und 2 Viertel Gerste auf die Weihnachten 1790 zu zahlen. So ist der Samuel Joseph von Kirchheim guth darfür, daß die Kuh, die der Peter Becker bekommt, nicht selbst frisst und auch nicht schmeist und kein Fürfall hat. So ist einer dem anderen guth dafür, wie die Landrechte sind.

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Albisheim, den 2.8.1790 verkauft der Stichter Theobald eine trächtige Kuh, ist von Farb gelb an den Schutz(judt) Anschel Joseph von Kirchheim für 39 fl, bar zu zahlen. So ist der Verkäufer dem Käufer guth für Frische und Gesundheit, wie die Landsrchte sind.

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Albisheim, den 17. Ventôse im 7. Jahr (= 7.3.1799) verkauft der Göhring Jacob senior von hier eine Kuh, ist von Farb gelb braun mit einem weißen Blesse und aufgeworfenem Gehörn; diese Kuh ist trächtig (tragbar); an den Jud Mayer Süßkind von Kirchheim für fünfzig Gulden und dreißig Kreuzer Trinkgeld. So ist der Verkäufer dem Käufer guth für Frische und Gesundheit, wie die Landesrechten sind. So ist der Verkäufer dem Käufer guth für den Fürfall.