1795 – 1815

1798: Einführung des Standesamtes in der Pfalz, von Detlef Uhrig

  • 1.5.1798: die Standesämter nahmen ihre Arbeit auf; Vorsitzender war der Bürgermeister, bzw. sein Vertreter (Adjunkt).
  • Die Pfarrer mussten ihre Kirchenbücher abschließen und bei der zuständigen Gemeinde abgeben (sie blieben dort bis 1815, ab 1950 kamen sie ins Archiv der jeweiligen Landeskirche in Speyer).Nach dem 2. Weltkrieg ließen die Mormonen alle Kirchenbücher und standesamtlichen Akten (weltweit) verfilmen, so dass Interessierte sie gegen Bezahlung beim nächsten “Family Rsearch Centre” einsehen können.
  •  Diese Akten wurden doppelt geführt, um gezielte oder zufällige Vernichtungen unmöglich zu machen. Denn die Geburtseinträge waren Grundlage der Einberufungen zum Militär.. Die Zweitschriften kamen zur Sicherheit in die Kantonsverwaltungen, spätere Kreisverwaltungen, wo die meisten nach dem 2. WK. vernichet wurden..
  • Diese Akten waren durchgehend nummeriert worden und wurden Jahrgangs weise gebunden, zur Kontrolle war ein Index eingebunden.
  • Die Bayerische Regierung ließ in 1875 für die Jahre 1798 bis 1874 alphabetische Verzeichnisse für alle Familien anfertigen, so dass der Genealoge sehr schnell die gewünschten Familiendaten finden könnte . ,

     Erstellung der Urkunden durch das Standesamt von Detlef Uhrig

    1.  Die Geburtsurkunde: der Säugling musste unmittelbar nach seiner Geburt dem Bürgermeister, bzw. dem Adjunkten gezeigt werden, der sich vom Geschlecht des Kindes überzeugte. Das Kind musste einen typisch männlichen Vornamen trage. der männliche Vorname Marie war nur in Kombination mit Marie Jean, Maria Thomas  etc möglich. Die Geburtsurkunde wurde von 2 Zeugen unterschrieben. Die strenge Klassifizierung war im Hinblick auf die Wehrpflicht von Bedeutung.

  • 2. die Sterbeurkunde: Neu war, dass jede Gemeinde einen Leichenbeschauer einstellen musste, der sich davon überzeugen musste, dass kein Mordfall vorlag. Diese Neuerung zeigt die dringende  Notwendigkeit angesichts der zahlreich  vermuteten Mord- bzw. Todschlagsfälle. Die häusliche Gewalt war traditionell , zum Teil bedingt durch den hohen Alkoholkonsum. Die Sterbeurkunde wurde auch von 2 Zeugen unterschrieben.
  • 3. Hochzeitsurkunde: das Brautpaar bestellte unter Vorlage der Geburtsurkunden sein Aufgebot, das an der Tür des Gemeindehauses aufgehangen wurde. Die Beschaffung der Geburtsurkunde war z.T. zeitraubend, wenn der Partner von auswärts, oder sogar aus einem anderen Staat kam. Die Brautleute mussten das Einverständnis der Eltern beibringen, das auch am Hochzeitstag in Anwesenheit des Bürgermeisters, bzw. des Urkundsbeamten abgegeben werden konnte. Dies wurde im Akt festgehalten und von den Eltern unterschrieben. Bis 1874 brauchten die Brautleute vier Trauzeugen, danach nur noch 2. Nach aktuellem Recht ist kein Trauzeuge mehr notwendig. Diese Akten sind umfassende Darstellungen der Familie. Waren die Eltern bereits verstorben, so enthält der ausführliche Hochzeitsakt auch deren Sterbedaten. Hinzu kamen die Namen der Großeltern väterlicher- und mütterlicherseits. Da die Trauzeugen i.d.R. auch Verwandte der Brautleute waren, lassen sich die genealogischen Daten überprüfen und ergänzen