1755: Fürst Carl Christian bekämpft die Bestechung, von Detlef Uhrig

Nicht nur heute im 21. Jahrhundert beklagen wir die Bestechlichkeit einiger Leitender Beamter & Mitarbeiter. Aber dies ist kein neues Übel, sondern lähmte schon in der „guten alten Zeit“ jede vernünftige Verwaltung.  Am 4.11.1755 erließ Carl Christian, Fürst von Nassau- Weilburg, Graf zu Saarbrücken und Saarwerden, Herr zu Lahr, Wiesbaden und Idstein erneut eine entsprechende VO, um das übel wuchernde Unkraut auszureißen. Er schreibt

Nachdem wir bei Antritt unserer Regierung unser Augenmerk auf merkwürdige Vorgänge gefallen ist, stellen wir fest, dass das Geschenk Geben und Nehmen immer mehr einreißt. Bereits mein Vater hatte am 24.5.1746 eine entsprechende Verordnung erlassen, ohne die leidige Unsitte beseitigen zu können.

Wir gebieten allen unseren hohen oder niederen Bediensteten[1], wer es auch sei, keinem, der in unseren Diensten steht, weitere Nutzbarkeiten in Anspruch zu nehmen, egal welchen Namen sie auch haben oder wo sie auch herrühren. Denn diese Leute werden durch Geschenke blind gemacht oder auf Abwege gebracht.

Wir gewähren diesen unser gnädigstes Zutrauen, während die sich nicht darum kehren und Geschenke annehmen. Diese könnten im Rahmen einer außerordentlichen Vergeltung in Geld oder in betrügerischer Absicht auch in Eß &- Trinkwaren bestehen. Dies gilt nicht nur für den Beamten, sondern auch für den Umweg über die Mitglieder seiner Familie.

Wer bei dem ersten Überführungsfall erwischt wird, muss das 30fache an Geldstrafe bezahlen, wovon der Anzeiger die Hälfte bekommt. Beim zweiten Vergehen wird der Ehrlose aus dem Dienst entfernt und einer langen Gefängnisstrafe unterzogen, selbst wenn der erste Fall eigentlich geringfügig war.

[1] ) Der Albisheimer Schultheiß Johann Philipp Schauß äußerte in seinem Bericht XXII # 5, vom 3.7.1736, Punkt 13. Seite 4 den Verdacht, dass der Unterförster der Kirchheimer Forstverwaltung einige Pfründe von den Dannenfelsern genommen hätte, um die Albisheimer um ihr Holz zu betrügen. Zudem hätten sie ihn bedroht.