17.4.1751: Feuerwehr, deren Abläufe, Geräte und Video

17.4.1751, es war Samstag nach Ostern: Fürst Carl August erließ in Kibo die 35 seitige Feuer-, Bau- und Brandordnung

gedruckt in Wetzlar von Nicolaus Ludwig Winckler, Diese Verordnung ist sehr umfangreich, regelte umfassend  die Feuerwehrordnung, die Abläufe der Feuerbekämpfung.  Sie baute auf der Feuerverordnung vom 14.2.1748 auf. siehe oben; Das neue Baurecht verbot den Neubau von Fachwerksbauten und Strohdächern und gründete 1751 die erste Brandversicherung, Dieses fortschrittliche Recht gegossen in 75 §§, erlassen in Kirchheimbolanden, am 17.4.1751, Samstag nach Ostern

 

Da ich denke, dass die damalige Druckschrift gut zu lesen und verständlich ist, verzichte ich auf die Abschrift

ad § 2: die Hacken (Haacken) und Leitern konnten von den Einwohnern ausgeliehen werden, wenn der dafür Verantwortliche informiert war. Sie mussten nach dem nötigen Gebrauch wieder unverzüglich zurück gegeben werden.  Der nächste Abschnitt verlangt bzw. verdeutlicht, dass in jedem Ort eine große oder Hauptspritze vorhanden sein musste, die regelmäßig  zu pflegen war und dass der Ort mindestens dreimal jährlich eine Feuerwehr-übung abzuhalten hatte. Die unten abgebildete Spritze dürfte aus der Zeit der Verordnung stammen. 

Das nächste Foto zeigt eine Feuerwehrspritze aus 1630, eine alte und bewährte Technik, Zur Bedienung brauchte mal 2 x 2 = 4 Leute, die sich abwechselten. Die Löschmannschaft hatte üblicherweise mindestens 12 Mann

Ablauf des Löschens

1. Die Hochdruck-Spritze wurde von je 2 x 2 Pumpern bedient, die im Minuten-Rhythmus durch frische Kräfte ersetzt wurden. Diese Gruppe umfasste i.d.R. 12 Mann.
2.) Auf der Feuerleiter stand der Spritzer,
3.) Andere Helfer zogen mit Harken, Hacken das Feuer auseinander. Wenn nötig, wurde die Häuser links und rechts abgerissen, damit nicht die ganze Straßenfront vernichtet werden sollte.

4. Wenn es Feueralarm gab, mussten alle Einwohner mit ihren Ledereimern zum Brandherd  eilen. Die Wasserzufuhr erfolgt durch eine doppelte Menschenkette von Helfern, in die sich Frauen und ledige Damen einreihen mussten. Die gefüllten Eimer wurden von Hand zu Hand zur Feuerspritze gereicht, dort ausgekippt und die leeren Eimer kehrten zum  Löschteich  zurück. Bis 1770 war dies in Kibo der lange städtische Wassergraben vor der Stadtmauer, heute “Neue Allee” vom Café Enkler bis hin zum Café Mandala.

Musste allerdings das Löschwasser aus Brunnen  gepumpt werden, dann hatten die Pumper eine anstrengende, zeitraubende Arbeit zu erledigen mit fatalen Folgen, wie man sich vorstellen kann.

Die nächsten §§ erlaubten, forderten den Einsatz von Ordnungskräften, um Diebereien und Plünderungen zu verhindern. Wenn nötig, durften bzw. mussten angrenzende Gebäude abgerissen werden, um Großbrände zu verhindern. § 10 erfordert den Einsatz von Läufern bzw. Reitern in die Nachbarorte, um weitere Hilfskräfte zu aktivieren.

§ 11: Bildung “doppelter” Menschenketten zur Wasserversorgung der Feuerspritzen

  • 3 15) Wenn ein Feuer völlig und gänzlich gelöscht ist, so müssen alsbald so viele Leute aus dem Amtsbezirk, wo der Brand gewesen ist,mit Schippen, Gabeln und Hacken beschrieben werden, welche die Feuerläufer ablösen und sogleich die Brandstätte räumen. Auch jene alle 24. Stunden abgelöst werden, bis alles völlig geräumt ist. da von der Brandstätte

nächster Beitrag: 1751: Gründung  der Feuerversicherung, Brandkasse