1559: Einführung der Schulpflicht

1559: Beginn der Schulpflicht im Raum Kibo – Die Grafen & Fürsten von Nassau – Weilburg waren ihrer Zeit weit voraus!

1559 führte der Graf von Nassau – Weilburg in seinem Herrschaftsgebiet die Lutherische Lehre ein und übernahm die Kirchenordnung des Herzogtums Pfalz Zweibrücken, wie sie oben angedruckt ist. Als wichtige Glaubensäule gehörte dazu der Heidelberger Katechismus. Hartnäckige katholische Pfarrer verließen die heutige Pfalz und fanden dann eine seelsorgerische Arbeit bei den Erzbischöfen Mainz bzw. Trier. Der Übergang auf die neue Konfession klappte ohne großen Widerstand, denn die Bevölkerung sah nun endlich auch Perspektiven für sich.

 1575: Bei der Kirchenvisitation im Bereich des Oberamtes Kirchheim deckten die Inspektoren noch kleine Defizite auf. So waren noch nicht alle Marienaltäre und Heiligenbilder entfernt worden, denn diese  visuellen Eindrücke hatten die Gläubigen verinnerlicht. Und von Liebgewonnenen trennt man sich nicht gerne. Sie wurden aber von den Reformatoren als Götzenbilder angesehen. Deshalb fort mit und schade aus der Sicht eines Kunstliebhabers. Aber immerhin waren bereits drei Schulen in Kirchheim, in Morschheim und in Albisheim in Betrieb. Diese Schulen waren natürlich reine Konfessionsschulen, in die nur die Lutheraner, aber auch die Reformierten Schüler unterrichtet wurden. Die Juden und Katholiken hatten ihre eigenen Bildungseinrichtungen. Die Lehrer wurden vom Oberamt Kirchheim berufen, unterstanden aber dem jeweiligen Ortsgeistlichen.

Ab 1648

Der 30jährige Krieg unterbrach nun die weitre Entwicklung des Schulwesens. Aber knapp ein Jahrzehnt nach dem Frieden zu Münster hatten die Albisheimer wieder eine Schule mit einem Schulmeister. Aus der Beschreibung des Amtes Kirchheim aus dem Jahr1657 erfahren wir auch etwas über die Besoldung des Albisheimer Lehrers Hans Jacob Brun. Zur Naturalbesoldung hatte er das St. Marien Altargut, eine Wiese und einen Weinberg. Von jedem Kind bekam er im Jahr einen Gulden und als Glöckner bezog er vom Mönchhof (= Großes Otterberger Hofgut) 16 Malter Korn. Bei Beerdigungen und Hochzeiten wohlhabender Mitbürger sang der Schulchor und der Lehrer bekam 15 Kreuzer, wofür er sich ein Huhn hätte kaufen können.

1678 folgte ihm Georg Albert Haaß, der nur 5 Jahre im Amt war. Der nächste Schulmeister war Johannes Walter und ab 1690 bis 1707 war Andreas Werling im Amt. Die jeweiligen Schulmeister sind in dem Lutherischen Kirchenbuch Albisheims ab 1660 festgehalten, wenn sie als Paten standen oder selbst Kindtaufen hatten oder verstarben. Die Schulmeister Albisheims hatten hier eigentlich eine Lebensstellung. Da die Pensionierung noch unbekannt war, unterrichteten sie bis zum letzten Atemzug, ebenso wie die Pfarrer. Der Lehrer wohnte bis Ende 1698 zusammen mit dem Hirten im Hirtenhaus, wo er auch die Kinder unterrichtete.

Schulraumsituation 1698

Ende 1698: Mit dem Zuzug vieler Menschen nahm zwangsläufig auch die Schülerzahl Albisheims kräftig zu. Aber die Schulkinder saßen im bisherigen kleinen Unterrichtsraum im Hirtenhaus fast aufeinander. So war ein sinnvolles Lernen fast unmöglich. Deshalb musste ein größeres Haus her. Deshalb suchte der siebenköpfige  Gemeinderat unter Leitung seines Schultheißen Fabian Baum (nach dem Abzug der Franzosen) nach einem größeren Objekt innerhalb des Ringwalles. Christoph Grill war auch Mitglied des Gemeindevorstandes und er erklärte sich bereit, sein Haus gegen das kleinere Hirtenhaus einzutauschen, wenn ihm der Wertunterschied von 12 Gulden ausgeglichen würde. Mit dem Vertragsabschluss am 21. Dezember 1698 bekam Grill diesen Betrag bar ausbezahlt. Diesen „Kaufbrief“ (Urkunde N° 8) unterschrieben der Schultheiß Fabian Baum, Christophel Grill und für das Gericht Hans Caspar Mäurer. Das alte Hirtenhaus stand übrigens in der Westergasse, zwischen dem Grundstück des Velten Kleins (in Richtung Pfrimm) und der Gemeindegasse. Das neue „Grill´sche“ Schulhaus wurde umgewidmet und lag zwischen den Gebäuden der Erbengemeinschaften Jörg Schmitt und Hans Waldmann in der Nähe des damaligen Gemeindegrabens.

Dieser Tausch brachte mittelfristig nur eine kleine Verbesserung der Schulsituation. Bereits ab 1720 war das „Grill´sche Schulhaus“ wieder viel zu klein. Der Lehrer  und Schulmeister  Johann Nicol Conradi (1707 -1729)[1] beklagte laufend die beengte Situation, ohne dass sich was änderte. Für die Gemeinde gab es dringendere Probleme. Denn Pfarrer Gräßer jammerte über den offensichtlich schlechten Zustand der Lutherischen Kirche St. Peter, die vielleicht sogar baufällig war. Die Gemeinde sparte, wo sie nur konnte und verkaufte Tausend Klafter Holz aus ihrem Donnersberger Wald, damit sie den Kirchen-Neubau 1724 schultern konnte. So wurde das Schulhaus hinten angestellt. Im Jahr 1733 endlich tauschte die Gemeinde das „Grill´sche“ Schulhaus mit dem weit größeren Wohngebäude des Johannes Benninghoff, wobei natürlich auch Geld fließen musste. Schulmeister war damals  Georg Wilhelm Rotenberger,  1729 – 1769.

Schulschwänzer in 1720

Das Schulschwänzen war damals wie heute ein weit verbreiteter Sport. Vor allem bildungsferne und einkommensschwache Familien setzten ihre Kinder lieber anders ein. Die geht aus einer Verordnung des lutherischen Konsistoriums zu Kirchheim hervor, welches Klage führt, dass die Eltern ihre Kinder nur des Winters zur Schule schicken und des Sommers gar nicht. Deshalb bestimmte eine von der Kanzel verlesene Verordnung, „der letzte Termin für den Beginn der Schule sei die Woche nach dem Michaelisfest (29. September). Somit standen die Kinder volle vier Monate für die landwirtschaftlichen Arbeiten zur Verfügung.  Wer sich nicht darin hielt, wurde bestraft. Die Verordnung setzte die Geldstrafe von einem Albus fest, wenn Eltern ihre Kinder vom Schulbesuch abhielten und das war viel Geld. Den drei Lutherischen Schulmeistern[2] Conradi Albisheims war es mit großer Geschicklichkeit gelungen, allen lutherischen und reformierten Schülern und Schülerinnen nicht nur die Hauptstücke der christlichen Lehre beizubringen, sondern sie im Lesen, Schreiben, Singen und Rechnen zu unterrichten; denn ohne dieses Wissen wurden die Kinder nicht konfirmiert und aus der Schule entlassen.

Tauschkontrakt am 1. Mai 1733

Am 1.5.1733 schlossen die Gemeinde und die Familie Johannes Benninghoff mit seiner Ehefrau Susanna Catharina den Tauschvertrag über die zwei unten bezeichneten Objekte. Der Vertrag wurde auf teuerem, gestempeltem Papier in Schönschrift auf einem Doppelbogen verfasst. Das Papier hat das Wasserzeichen der Albisheimer Papiermühle. Der Amtsschreiber C.A. Hoesgen aus Kirchheim hielt den Tauschgrund fest. Er schrieb, das Schulhaus sei bei der stark wachsenden Jugend viel zu klein. Die Gemeinde gab das frühere Grill´sche Schulhaus ab, das nun nach 35 Jahren ganz andere Grundstücksnachbarn hatte. Dies waren 1733 Gottfried Weyl, Matthias Leuck  und in Richtung Pfrimm (Süden) das Grundstück des Herrn Koffler und nördlich, zum Berg hin (= Norden) der Ziegeleibesitzer Sebastian Dietz.

Haus und Hof der Familie Benninghoff war mit seinen 23 Ruthen um 50 % größer als das Objekt der Gemeinde Albisheim. Es lag an der Kirchgasse. Östlicher Nachbar war Henrich Haußmann und nach Westen lag das Haus des Johannes Schwind. Unterhalb war die Gemeindegasse. Das Objekt der Familie Benninghoff war frei und ledig aller Herrschaftlicher Lasten, weder verpfändet noch beliehen. Es stellte einen erheblichen Wert dar. Da musste die Gemeinde Albisheim tief in die fast leere Geldkiste greifen. Die Vertragsparteien wurden sich einig, dass die Gemeinde Albisheim 225 Gold-Gulden drauf bezahlen musste. Es wurden zwei Raten vereinbart. Am Michaelistag, den 29.9.1733 waren die ersten 125 Gulden fällig, während die letzten Hundert ein Jahr später, auch an Michaelis 1734 fällig waren. Die zwei Termine wurden bewusst so gewählt, da an diesem Tag auch die Gemeindesteuern wie das Ohm- und Bottengeld fällig waren. Außerdem erhielt die Gemeinde von den Staatssteuern – Einnahmen noch 600 Gulden (= 5 %), so dass sich die Gemeindeeinnahmen auf insgesamt 1.200 Gulden beliefen.

Der Vertrag wurde dem Oberamt Kirchheim zur Bestätigung vorgelegt. Die amtliche Zusage mit Siegelung erfolgte erst am 24. Januar 1734, also vier Monate nach Zahlung der ersten Rate. (Urkunde 19 aus Fac

[1]) Johann Nicol Conradi stammte aus Saarbrücken und wurde dort um 1666 geboren. Er kam 1707 nach Albisheim und starb 61jährig am 25.2.1727 an der Tuberkulose. Seine Witwe Anna Maria  heiratete am oo 13.9.1729 den reichsten Albisheimer Bauern Balthasar Göhring vom Heyerhof. Der nächste Schulmeister für 30 Jahre war Georg Wilhelm Rotenberger

[2] ) Johann Nicol Conradi bis † 25.2.1729, Georg Wilhelm Rotenberger bis 1769 und Johann Georg Friedrich Rotenberger bis 1779,