1.1.1814: Feldmarschall Blücher überquerte bei Kaub den Rhein

Feldmarschall Blüchers Armee befreite die Pfalz

Blücher

Blücher

Am Silvestertag 1814 setzte Feldmarschall Bernhard Leberecht Blücher mit seiner riesigen 150.000 Mann starken Armee bei Kaub über den Rhein. Seine preußisch/russischen Truppen überschwemmten Rheinhessen, kesselten die Festung Mainz. Einheiten marschierten vom Rhein in Richtung Frankreich, um alle gegnerische Truppen zu verjagen oder zu “eliminieren”. Die Ersten kamen bereits am 5.1.1814 nach Albisheim.

Die neue politische und militärische Situation löste natürlich nicht bei jedem Albisheimer Freude aus. Vor allem die Familien waren wohl sehr besorgt, deren Söhne noch franz. Uniformen anhatten und gegen die Preußen kämpfen mussten. Aber auch sonst mussten alle sich erheblich einschränken und große finanzielle bzw. materielle Opfer bringen, die die eigene Versorgung gefährdete. .

  1. Am Januar 1814 musste die Gemeinde Albisheim die Kosaken in Oberflörsheim[1] versorgen.
  1. Am 5. Januar war „russische Bagage“ mit 37 Mann und 40 Pferden im Ort, die 37 kg Brot, 9 ¼ kg Fleisch und 3,7 Liter Branntwein erhielten. Zudem wurden die Pferde mit schätzungsweise 200 kg Heu verpflegt! Der russische Offizier übernachtete bei der Familie Heinrich Mann[2]; er und sein Pferd wurden entsprechend gut bedient. Aus Dankbarkeit beschlagnahmte er noch das Pferd mit Geschirr der guten Familie und ließ es mitgehen. 8 Jahre später bekam Heinrich Mann dafür von der Gemeinde 120 Gulden erstattet.
  1. am 8.1.1814 belieferte Albisheim die >Russisch Kaiserlichen Dragoner< in Marnheim mit 25 Maltern Hafer und 139 Rationen Heu zu je 10 kg und am
  1. am 10. Januar hielten sich 5 russische und 3 preußische Soldaten mit ihren 9 Pferden hier auf, die jeweils mit einer Tagesration eingedeckt wurden.
  1. Am 11. Januar lieferte die Gemeinde Albisheim 20 Malter Hafer und 67 Gebund Heu à 20 Pfund nach Kirchheim.
  1. Am Nachmittag, den 15..1.1814 erhielt Bürgermeister Engel Pabst durch einen reitenden Boten ein morgens in Alzey dringend abgefasstes Schreiben, worin unmissverständlich folgendes zu lesen ist : „Auf Befehl der Oberkriegs-Kommission hat der Herr Maire (Bürgermeister) zu Albisheim für seine Gemeinde als Beitrag zum Unterhalt des dahier deponierten Schlachtviehs[3], auf Rechnung der bereits gemachten Ansätze unverzüglich und höchstens in 24 Stunden hierher zu liefern:

1.) Heu 600 Gebund à 20 Pfund, 2.) Spelz oder Hafer, 60 Malter. Bei jeder Säumigkeit kommt militärische Execution und die Ersten der Gemeinde werden arretiert. Alzey den 15. Januar 1815, der hierzu beauftragte Mair in seiner Abwesenheit der Adjunkt Curzmann“. Darunter steht: „bekräftigt durch uns unterzeichneten Kriegs Kommissar und Platzkommandanten Homburg.

  1. Am 16.1.1814, am späten Nachmittag erreichten 46 russische Soldaten und Wagenknechte mit 112 Pferden Albisheim, die eine Nacht hier blieben. Die Gemeinde stellte ihnen 8 Malter Hafer und 12 Zentner Heu für ihre vielen Rösser zur Verfügung. Die Männer kamen in Privathäusern unter und wurden dort wie  immer mehr oder minder freundlich mit ausreichend Essen und Schnaps bedient. Es war üblich, dass zwar jeder Soldat täglich 1 kg Brot ½ kg Gemüse und 250 g Fleisch, sowie 1/10 Liter Schnaps erhielten, aber die Russen bekamen – wie gefordert – eine stark erhöhte Zuteilung an Branntwein.
  1. Am 31. Jänner waren 4 Offiziere und 159 Soldaten mit 171 Pferden in Albisheim. Was sie erhielten und wie lange sie blieben, ist nicht eindeutig belegt. Michael Kägy wurde noch am gleichen Tag noch mit einem Brief als Ordonnanz eingesetzt und am 3.2. brachte Christian Herschler einen Offizier auf seinem Wagen nach Kirchheim. Zu der Einheit gehörte auch der preußische Soldat Friedrich Mankopf, 22 Jahre alt, der am 5. Februar 1814 in Albisheim als Engel ins himmlische Paradies aufgenommen wurde und dessen sterbliche Überreste auf dem hiesigen Friedhof, an der südlichen Friedhofsmauer seine letzte Ruhestätte fanden, wo 130 Jahre später die Opfer der Bombennacht vom 2.1.1945 bestattet wurden. Mankopf stammte übrigens aus Schönwalden/Spandau bei Berlin.
  1. Vom 6. bis zum 10.2.1815 waren 34 alliierte Soldaten privat in Albisheim untergebracht. Die Einquartierungsliste[4] sagt aus, dass nur elf von ihnen nicht das Quartier haben wechseln müssen, während die anderen zum Teil Nacht für Nacht in einem anderen Haus schlafen mussten. Ein Soldat verbrachte 2 Tage bei Christian Brubacher, die anderen 3 Nächte bei Philipp Hassinger, Valentin Weil und Jost Krämer.
  1. Am Montag, den 14 Februar 1814 konfiszierte die „Königlich Preußische Parkkolonne N° 5“ die 10jährige, schwarzbraune Stute des Jacob Brubacher[5]; Wert 115 Gulden 30 X. Jacob Brubacher musste bis 1822 warten, bis er von der Gemeinde Albisheim dafür entschädigt wurde. Lesen Sie die nächste Geschichte, die den Fall ausführlich beschreibt. So langsam klang der Durchmarsch in Richtung Paris ab und die letzte Fuhrleistung für die Preußen war am 1.4.1814
  • Am 26.2.1814 beschlagnahmte eine andere preußische Einheit Pferd und Wagen des Gauersheimer Jacob Bernhard, das er allerdings (natürlich) auch nicht mehr zurückbekam. Die Gemeinde bezifferte auch diesen Wertverlust auf 115,30 Gulden und zahlte den Betrag am 30.12.1822 aus.

[1]) Mit 1 Fuhrwerk  wurden sie mit 1 Malter Hafer, 5 Zentnern Heu, 4 kg Fleisch, 7 ½ kg Brot, 2 Litern Branntwein und 1 Ster Holz beliefert. Laut Abrechnung der Gemeinde vom 30.12.1814 kostete der „Ster“ 10,80 FF.

[2]) Joh. Heinrich Mann, * 16.6.1763, oo 24.5.1791 Catharina Justina Morgenstern, * 25.6.1770. Die Familie hatte 8 Kinder

[3]) Das Schlachtvieh hatten die Franzosen nicht mehr wegtreiben können und es stand wohl einige Tage nicht oder schlecht versorgt in den Ställen. Deshalb mussten die Preußen die Tiere schnellsten wieder aufpäppeln, wenn die Tiere ihnen nicht krepieren sollten.

[4] ) Diese Einquartierungsliste besteht aus 4 Doppelbögen mit 15 beschriebenen Blättern

[5]) Jacob Brubacher, * 16.9.1757, oo 1765 Catharina Ellenberger * 1.3.1767 von Rüssingen. Die Familie hatte 5 Kinder